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"Kripo Live" im MDR Größtes Fälscher-Duo Mitteldeutschlands: So raffiniert schnappte das SEK die Magdeburger

Jahrelang verkauften zwei Magdeburger im Darknet gefälschte Ausweise und Rezepte, mauserten sich so zum größten Fälscher-Duo aus Mitteldeutschland. In der MDR-Sendung "Kripo Live – Tätern auf der Spur" berichtet ein Ermittler nun, mit welcher raffinierten Finte man auf die Spur der Magdeburger kam.

Von Tim Müller 04.03.2026, 15:25
"Fake-ID Dobby" hieß der illegale Darknet-Shop des größten Fälscher-Duos Mitteldeutschlands. In der MDR-Sendung "Kripo Live - Tätern auf der Spur" gab ein SEK-Beamter nun Einblicke in die damaligen Ermittlungen.
"Fake-ID Dobby" hieß der illegale Darknet-Shop des größten Fälscher-Duos Mitteldeutschlands. In der MDR-Sendung "Kripo Live - Tätern auf der Spur" gab ein SEK-Beamter nun Einblicke in die damaligen Ermittlungen. Screenshot: ARD-Mediathek/MDR/Kripo Live – Tätern auf der Spur

Magdeburg/DUR. – Zwei junge Männer aus Magdeburg haben über Jahre hinweg mit gefälschten Dokumenten im Darknet gehandelt – bis Ermittler sie vor fünf Jahren hochgenommen haben. In der MDR-Sendung "Kripo-Live – Tätern auf der Spur" erklärte ein SEK-Mitarbeiter nun, wie die Ermittler dem größten Fälscher-Duo Mitteldeutschlands das Handwerk legten.

Die beiden Männer aus Magdeburg agierten seit Ende 2017 unter dem Namen "Fake-ID Dobby" unbehelligt im Darknet – einem verborgenen Teil des Internets, der nur mit der Hilfe von spezieller Software zugänglich ist. Aufgrund der Anonymität im Darknet wickeln Kriminelle dort gern ihre Geschäfte ab.

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Von türkischer Call-Center-Mafia bis zu Mördern: Alle kauften bei "Fake-ID Dobby"

Die Magdeburger boten in ihrem digitalen Shop unter anderem gefälschte Personalausweise an, die später zur Begehung weiterer Straftaten dienten.

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Auch vorläufige deutsche Personalausweise sowie italienische, österreichische und tschechische Dokumente standen zum Verkauf. Hinzu kamen Privatrezepte für verschreibungspflichtige Medikamente – ausgestellt nach Kundenwunsch.

Das Fälscher-Duo "Fake-ID Dobby" bot von Ausweisen verschiedener mitteleuropäischer Staaten bis zu Rezepten für Medikamenten alles an.
Das Fälscher-Duo "Fake-ID Dobby" bot von Ausweisen verschiedener mitteleuropäischer Staaten bis zu Rezepten für Medikamenten alles an.

Erst Anfang 2021 gelang es den Behörden, die Fälscherwerkstatt in Magdeburg hochzunehmen. Dabei machten die Ermittler auch das Milieu, in dem das Fälscher-Duo agierte, aus: Von der türkischen Call-Center-Mafia bis zu einem gesuchten Mörder war alles dabei. 

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SEK-Beamte bestellten gefälschte Ausweise und Medikamentenrezepte bei dem Fälscher-Duo

Die MDR-Dokumentation "Kripo live – Tätern auf der Spur: Falsche Papiere, echte Versprechen" zeichnet detailliert nach, wie die Ermittler vorgingen. Ausgangspunkt war eine Internetstreife der Bundespolizei, die im Darknet auf "Fake-ID Dobby" und das dortige Angebot aufmerksam wurde.

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"Auf dem virtuellen Wege wurde dann Kontakt aufgenommen. Es wurde also Interesse vorgetäuscht, dass wir ein Dokument ankaufen wollen", schildert ein Ermittler in der Sendung das Vorgehen. Ziel sei es gewesen, durch einen Testkauf an verwertbare Hinweise zu gelangen.

Tatsächlich konnten die Beamten ein Geschäft mit dem Fälscher-Duo abschließen. Den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung der beiden Männer lieferte dann der Postweg: Der frankierte Briefstempel führte in den Postleitzahlenbereich 39 – und damit in die Region Magdeburg.

Fälscher-Duo aus Magdeburg nutzte bei Amazon bestellte Blankodokumente 

Die Ermittler glaubten deshalb, dass "Dobby" aus Magdeburg stammt. Bei der kriminaltechnischen Untersuchung konnten jedoch keine Fingerabdrücke gefunden werden.

Die Experten entdeckten dafür ein wichtiges Detail: Auf dem gekauften österreichischen Ausweis stellten sie ein gefälschtes Folien-Element fest, das in dieser Ausführung bereits Jahre zuvor in einer kontrollierten Warensendung aus China aufgetaucht war. 

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Die Empfängeradresse: ein Luca S. in Magdeburg Für die Ermittler kein Zufall. Diese setzten die Bundespolizei auf die Überprüfung der Adresse in Magdeburg an. Die damalige Vermieterin des Hauses konnte bestätigen, dass dort eine Wohnung an einen Luca S. vermietet war. Bei ihm handelte es sich um einen Studenten, der an der Otto-von-Guericke Universität eingeschrieben war. 

Ausgerechnet die gefälschten Rezepte brachten die Ermittler danach auf eine heiße Spur. Es zeigte sich, dass die Täter für die Rezepte echte Blankodokumente verwendeten. Diese gibt es unter anderem frei erhältlich bei Amazon. Gefälscht waren lediglich die Eintragungen und der Arztstempel. 

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Anschließend setzten sich die Ermittler mit Amazon in Kontakt und erhielten Einblick in das Kundenkonto, welches die Blankodokumente bestellte. Der Magdeburger bestellte seit 2018 mehrere hundert Rezeptformulare, Chemikalien, verschiedene Drucker und Spezialgeräte – alles Materialien, die für hochwertige Fälschungen benötigt werden. 

Auffällig war zudem eine abweichende Lieferadresse. Neben der offiziell registrierten Anschrift tauchte eine Adresse in einem Gewerbegebiet in Magdeburg auf. Dort hatte der Verdächtige ein Büro angemietet. Eine Observation des Gebäudes brachte schließlich mit Markus K. eine zweite Person ins Visier der Ermittler, die dort regelmäßig ein- und ausging.

Mit Unterstützung der GSG9: SEK verhaftet größtes Fälscher-Duo Mitteldeutschlands

Um die Beweislage weiter zu verdichten, führten die Beamten zusätzliche Testkäufe durch. Als sich der Verdacht erhärtete, erfolgte der Zugriff mit der Unterstützung der Spezialeinheit GSG9. Die Fälscher sollten möglichst auf frischer Tat gestellt werden.

Ein Ablenkungsmanöver mit Geräuschen vor dem Gebäude verschaffte den Einsatzkräften den entscheidenden Moment. Einer der Männer wurde direkt am geöffneten Computer überrascht. Er hatte keine Gelegenheit mehr, Daten zu löschen oder die Geräte vom Strom zu trennen.

Zwar war ein Teil der Festplatte passwortgeschützt und für die Ermittler nicht zugänglich. Doch die sichergestellten Beweise reichten aus. Noch im Jahr 2021 wurden die beiden Magdeburger Fälscher verurteilt – ihr jahrelanges Geschäft mit falschen Papieren war damit endgültig beendet.

Das Landgericht Magdeburg verurteilte die beiden Männer später wegen fast 600 Fällen der Urkundenfälschung zu jeweils knapp vier Jahren Freiheitsstrafe.