Magdeburg l Etwa zwei A4-Seiten in englischer Sprache umfasst der Abschlussbericht der Kulturhauptstadt-Jury zur Magdeburger Bewerbung. In den Augen der Jury haben die Entwickler um Tamas Szalay vor allem einen Fehler gemacht: Sie haben sich zu sehr auf Magdeburg konzentriert und zu wenig auf den europäischen Gedanken. Statt zu zeigen, was Magdeburg für Europa kann, seien die Konzepte eher darauf ausgerichtet, was in der Stadt bewirkt werden soll, erläutert die Jury.

Die fehlende europäische Ausrichtung kommt im Verlauf des Jury-Berichtes bei vielen Aspekten zum Tragen – etwa wenn es um die Auswahl der internationalen Partner, um die vorgeschlagenen Projekte oder um die Kommunikations- und Marketing-Strategie geht.

Das Gremium erklärt in seiner Zusammenfassung, dass es nicht davon überzeugt gewesen sei, dass Magdeburgs künstlerische Vision, Pläne und Kommunikationstaktiken auf europäischer Ebene hätten Wirkung zeigen können. Gleichzeitig stellte die Jury fest, dass Magdeburg durchaus Potenzial zur Europäischen Kulturhauptstadt habe. Die Ideen, die die Stadt entwickelt habe, würden auch zur Stadt passen, in einem europäischen Kontext aber zu wenig wirken. Die Ansätze seien zu sehr fokussiert auf die örtliche Entwicklung und zu wenig ausgerichtet auf die Zielstellungen des Projektes der Europäischen Kulturhauptstadt.

Kritisiert wird auch die fehlende Brücke zu West-Europa. Magdeburg habe sich mit seiner Bewerbung zu sehr auf Ost- und Mitteleuropa konzentriert und habe die Bewerbung zu sehr auf der DDR-Vergangenheit aufgebaut.

Anziehungskraft zu wenig greifbar

Umstritten war bereits das erste Motto „Out of the void“ (Raus aus der Leere). Auch die Jury hatte dieses Motto insofern kritisiert, dass es zu negativen Auslegungen führen könnte. Mit „Force of Attraction“ (Die Macht der Anziehungskraft) sei zwar ein positiveres Motto gefunden worden, das eher auf Lösungen ausgelegt sei, es sei aber für internationale Gäste in einem europäischen Kontext zu wenig greifbar.

Positiv erwähnt wird, dass Stadtverwaltung und Oberbürgermeister hinter der Bewerbung gestanden hätten. Positiv benannt wird außerdem die Verbindung zu umliegenden Kreisen und Alternativstrategien für den Fall der Pandemie. Auch das finanzielle Budget wird als gut eingeschätzt.

Allerdings sei aus der Bewerbung zu wenig hervorgegangen, wie Geld über Fundraising-Projekte und Sponsoren eingespielt werden soll. Auch methodisch sei das Konzept gut, es fehle aber der europäische Gedanke.

Gut geplant sei im Bid-Book die Einbeziehung der Bevölkerung und lokaler Akteure, findet die Jury. Und die Ideen und Konzepte seien für die Entwicklung der Stadt durchaus positiv einzuschätzen. Wertschätzend nennt die Jury außerdem die ehrliche Zusammenstellung der Stärken und Schwächen der Stadt.