Magdeburg l In der Galerie "Fabra Ars" im Hundertwasserhaus ist kürzlich eine Ausstellung des Magdeburger Künstlers Robin Zöffzig eröffnet worden.

Volksstimme: Herr Zöffzig, die Ausstellung trägt den Titel „Fackeln im Shitstorm“. Warum gerade dieser Name?

Robin Zöffzig: Fackeln im Shitstorm bezieht sich auf unsere neuen Medien wie Instagram und Facebook. Ich arbeite diese neuen Medien auf, aber in einer superalten Technik, und zwar in der Form der Malerei. Damit möchte ich in unserer schnelllebigen Zeit mit einem Medium, das bleibt, ein Statement setzen.

Nun sind Ihre Bilder ja durchaus auch umstritten. Womit haben Sie Ihren eigenen bisher größten Shitstorm geerntet?

Also den größten Shitstorm habe ich im Spreewald geerntet. Da gab es 18 Zeitungsartikel – gegen mich. Ich habe dort in Lübben ein Wandbild an einem Kreisverkehr gemalt. 80 Quadratmeter hatte das und war direkt an der Bundesstraße. Darauf zu sehen waren zwei Brüste. Der Shitstorm war so groß, dass es sogar durch die Klatschpresse ging, und am Ende sind wir beim Sat1-Frühstücksfernsehen gelandet. Da wurde ich dann deutschlandweit erwähnt.

Und was löst es in Ihnen aus, wenn Ihre Kunst nicht nur auf Zustimmung trifft?

Ich finde es gut, wenn Bilder polarisieren. Dadurch weiß ich, dass es Menschen bewegt. Es könnte nichts schlimmer sein, als dass es gefällig ist und irgendwie jedem gefällt. Dann kann ich auch einen schönen Blumenstrauß malen, obwohl der auch sehr schön ist.

Die einen finden Ihre Bilder ja sexistisch, andere sagen, Sie stellen Frauen sehr selbstbewusst dar. Sie selbst sprechen von ironischem Sexismus. Können Sie das kurz erklären?

Das ist auch wieder ein Instagram-Thema: Jetzt sehe ich top aus, jetzt mache ich ein Selfie. Viele junge Menschen sehen das, folgen dem, und dann entsteht so eine Art Schönheitswahn. Aber der Körper ist ein Vehikel, kein Schmuckstück. Und deswegen ist es ironisch, dass ich zwar auch teilweise kleine Makel übernehme, aber die Frauen besonders schön male. Wenn ich sehe, dass sich Frauen ein A4-Blatt vor den Bauch halten und darin muss die Taille verschwinden, wird mir ganz schlecht. Dem muss man durch Übertreibung entgegenwirken.

Trotzdem haben Sie sich entschlossen, 2018 keine Brüste mehr zu malen. Müssen wir jetzt mit einem völlig neuen Zöffzig rechnen?

Ich muss ja auch irgendwann mal erwachsen werden. Man wird meinen Stil immer erkennen, aber ein bisschen seriöser zu arbeiten, das ist schon das Ziel.

Welche Rolle spielen Frauen für Sie in der Gesellschaft?

Unsere Bundeskanzlerin ist eine Frau, meine Chefin ist eine Frau, an der Hochschule, an der ich arbeite, ist die Rektorin eine Frau. In der Gesellschaft ist es angekommen und total normal, dass Frauen auch Führungskräfte im Management sind. Deshalb sollte man auch, wenn die Frau abends nach Hause kommt, ihr schön den Rücken massieren.

Jetzt gab es ja in der jüngeren Vergangenheit auch heftige Diskussionen darüber, was Kunst hinsichtlich der Darstellung von Frauen darf. Was darf Ihrer Meinung nach Kunst, und damit auch der Künstler, und wo sollte es Grenzen geben?

Kunst darf eigentlich grundsätzlich alles – außer: Tiere quälen, Kinder quälen, Menschen quälen, moralisch-ethische Grundsätze verletzen. So eine Brust wird das nicht kaputt machen. Das ist ein superaltes Thema. Die Grenze ist: Man kann schlimme Sachen darstellen, um etwas für die Nachwelt festzuhalten, aber man darf sich daran nicht ergötzen.

Was sagen Sie dazu, dass alte Werke überdacht werden, weil Sie nicht mehr dem heutigen Zeitgeist entsprechen?

Man sollte nicht die Kunstgeschichte ändern, weil jemand sich beleidigt fühlt. Das ist vielleicht eine Modeerscheinung gerade. Und die Bilder zeigen auch die Zustände ihrer Zeit.

Wie sind Sie überhaupt zur Malerei gekommen?

Schon früh in der Schule ging das los: Ich habe den Ferienplan gesehen und gedacht: Man hat ja nur 80 Tage im Jahr frei; ich brauche einen Job, bei dem ich etwas machen kann, wobei ich trotzdem das Gefühl habe, dass ich frei habe. Und dieses Malen nach Zahlen war die zweite Geschichte – ich habe dann richtig angefangen, in diesen Bildern rumzumalen. Ja, und dann kam eine Designausbildung und das Studium an der Burg Giebichenstein in Halle.

In unseren Gesprächen schwang immer auch eine große Verbundenheit zur Familie mit. Vor allem Ihre Omas sind immer wieder Thema. Wie haben sie Sie geprägt?

Ja, Omas sind die Besten!

Und wie geht und ging Ihre Familie mit Ihrer Berufswahl um?

Na ja, damals hab’ ich’s verheimlicht. Dann gab es aber ein paar Erfolge. Und jetzt findet es meine Mutter auch ganz cool.

Sie haben ja die Magdeburger Jungfrau mit freier Brust gemalt. Inzwischen hängt das Bild im Rathaus. Was macht dieses Bild für Sie zu etwas Besonderem?

Da muss ich jetzt mal mit dem Stadtmarketing schimpfen. Kleiner Scherz! Aber! Fußball: Blau-Weiß. Handball: Rot-Grün. Otto-Kampagne: Braun-Orange. Das alte Wappen: Blau-Rot mit Gold. Diese ganzen Farben in einem Bild unterzubringen, war eine technische Herausforderung.

An welchen Projekten in Magdeburg und darüber hinaus arbeiten Sie aktuell?

Gerade arbeiten wir an einem Wanddruckerprojekt, das heißt „Cross-Innovation“, da wollen wir zeitgenössische oder auch ältere Künstler an Hausfassaden drucken. Dann ist China immer noch ganz heiß, das ist auch mein Herzstück. Es liegen noch Kirchenfenster an. Also, es ist wirklich sehr viel zu tun.