Magdeburg l Wie würden Sie reagieren, wenn ein scheinbar Verrückter einen Polizisten im Schwitzkasten hat? Ihn schon bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt hat und lauthals brüllt „Ich bring Dich um“? Denis Buchtatyj beantwortete diese Frage an einem Sonntag im April 2018 mit Taten. Ohne Zögern schritt er in genau so einer Situation ein - und rettete einem Polizeibeamten damit das Leben.

Zwei Polizisten wollen an diesem Tag einen Mann kontrollieren, der halbnackt durch das Neubaugebiet im Neustädter Feld läuft. Er soll zuvor Kinder auf einem Spielplatz belästigt und sie sogar unsittlich berührt haben. Unvermittelt rastet er aus, schreit laut herum und schlägt nach den Beamten. Im unübersichtlichen Handgemenge gelingt es dem Mann, einen von ihnen in den Würgegriff zu nehmen. Kurzzeitig verliert der 26-jährige Polizist sogar das Bewusstsein. Seine Kollegin Alina Heide versucht mit Pfefferspray und Schlagstock die Attacke zu beenden. Vergeblich, der Mann scheint wie von Sinnen, zeigt keinerlei Reaktion. Ihr Partner schwebt in Lebensgefahr. „Als mein Kollege bewusstlos auf den Boden sackte, dachte ich, das war es jetzt“, erinnert sie sich.

Aus einiger Entfernung beobachtet Denis Buchtatyj die Situation, hört die Drohungen des Angreifers und die Hilferufe der Beamtin. Er erkennt sofort die brenzlige Lage für die Polizisten. Keine Sekunde denkt er an mögliche Risiken für sich selbst, als er losrennt.

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Er packt den Angreifer mit seiner ganzen Kraft und zieht ihn von seinem Opfer weg. „Ganz sicher hat das Adrenalin für die Stärke gesorgt“, meint er danach. Gemeinsam können ihn die drei schließlich überwältigen und festhalten, bis Verstärkung eintrifft. „Es ging alles so schnell. Das ist innerhalb weniger Sekunden passiert“, sagt er. Wenige Sekunden, die für den Polizeibeamten in Not lebenswichtig waren.

Für den 36-jährigen Ingenieur gab es in dieser Situation nichts lange zu überlegen. „So hätte doch wohl jeder gehandelt“, sagt er später. Doch so ist es eben leider nicht. Auch an diesem Sonntag stehen etliche weitere Zeugen um die Szene herum. Doch keiner von ihnen rührt sich, vielleicht aus Angst, Unsicherheit oder Desinteresse. Doch nicht so Denis Buchtatyj. „Das ist ganz und gar nicht selbstverständlich“, sagt Alina Heide. „Ich würde in so einer Situation immer wieder einschreiten“, ist er sich sicher.

Seit 1996 lebt Denis Buchtatyj in Magdeburg. Er hat hier studiert und seine Promotion gemacht. Für ihn fühlt sich die Stadt an der Elbe nach Heimat an. „Ich mag die Menschen“, sagt der 36-Jährige. Und die Menschen mögen ihn, weshalb ihn die Volksstimme-Leser für seinen Mut und seine Zivilcourage auf den 2. Platz beim Magdeburger des Jahres wählten.