Magdeburg l „Ich wurde für den Magdeburger des Jahres nominiert?“ Als die Volksstimme den waschechten Magdeburger Ulf Steinforth mit dieser Nachricht konfrontiert, sagt er spontan: „Das ehrt mich. Aber das sollen doch lieber andere werden, die etwas Soziales für die Stadt tun“, sagt der groß gewachsene Unternehmer ohne Koketterie, aber mit Stolz. Denn Magdeburg - das ist seine Heimat. Das merkt man nicht nur an der sympathischen Machteburjer „Schnauze“, sondern auch, weil fast alles, was er war, ist und wohl auch sein wird, mit seinem Magdeburg zu tun hat.

Das Organisieren im Blut

Immer im Stadtviertel Lindenweiler zu Hause, war er früh ein Hansdampf in allen Gassen. Gelernt hat er einst Baumaschinist, gelebt hat er das Organisieren. Schon zu DDR-Zeiten vermittelte er Breakdancer, besorgte einen Bauwagen als Jugendklub fürs Wohngebiet, fertigte und verkaufte Schmuck, stellte Spielautomaten auf und gab nach der Wende als Sponsor Vereinen in Magdeburg etwas zurück. Einer davon war der Boxclub Magdeburg in den 1990er Jahren. Als Fördermitglied fand er Gefallen am Sport, nicht aber an dessen Vermarktung. „Mich hat der Boxsport begeistert. Aber ich fand ihn schlecht präsentiert.“

Das war die Geburtsstunde des Boxpromoters Ulf Steinforth, auch wenn die Karriere damals lange nicht absehbar war. Mit frischen Ideen wie einem deutschlandweiten Boxpokal ähnlich wie dem DFB-Pokal im Fußball rückte Steinforth das Amateurboxen besser ins Licht und damit auch sich selbst. Erste Erfolge als Veranstalter stellten sich ein, so dass er Anfang der 2000er Jahre für den noch relativ unbekannten Sven Ottke der lokale Veranstalter in Magdeburg wurde. Steinforth: „Das hat gut geklappt. Da habe ich mir gesagt: Warum versuche ich es nicht mal mit eigenen Boxern? Da habe ich viel mehr Freiheiten.“ Der Plan ging auf. Schritt für Schritt baute Steinforth einen anerkannten Boxstall auf. Mit einem heutigen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro agiert er weltweit: USA, Russland, Tschechien, Monaco, Slowenien und Deutschland sind nur einige Beispiele. Dazu kommen Preise für Steinforth als „Promoter des Jahres“ von allen vier großen Boxverbänden der Welt.

10 bis 15 Boxer ständig unter Vertrag

Um die 130 Profikämpfe hat sein fünfköpfiges Team plus Trainerstab gestemmt. 10 bis 15 Boxer sind ständig unter Vertrag. Ein „Team Deutschland“ wurde gegründet. Standort? Magdeburg! Steinforth sieht sich als ein Sportbotschafter der Stadt. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn wir in den USA boxen und dort in den Zeitungen steht, woher wir kommen.“ Ein Beispiel.

Und so nutzt er seine Popularität und die seiner Boxer, um für Magdeburg Werbung zu machen. Unzählige Boxevents sind aus oder in Verbindung mit Magdeburg über große TV-Anstalten in die Welt hinaus gesendet worden. Mal von hier wegzugehen nach Köln oder Berlin, wo die großen Medien und der Profiboxsport zu Hause sind, kam für Steinforth nie infrage. „Ich habe alle Angebote ausgeschlagen, obwohl dort vieles leichter gewesen wäre. Magdeburg ist aber meine Heimat“, sagt er. Und hat ständig neue Ideen im Kopf.

Das Sudenburger Bier gibt es wieder. Das Aus des Ratskellers vor zwei Jahren („Die ältestes Gaststätte der Stadt darf doch nicht schließen“) hat er mit verhindert. Kooperationen mit dem Technikmuseum zu regionaler Biergeschichte sind in Planung. Steinforth: „Magdeburg hat so viel zu bieten. Ich möchte mithelfen, dass das noch mehr merken als nur die Magdeburger selbst.“ Das wissen viele Elbestädter zu schätzen und schlugen ihn als Kandidaten vor. Weil sie sein Engagement und seine Bodenhaftung schätzen. Und weil er einer ist, der sich durchboxte. So wie seine Heimatstadt und viele Magdeburger nach der Wende auch.

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