Beschlossen

Für die Bewirtschaftung der Lichterwelt bezahlt die Stadt in den Jahren:2020 242 700 Euro

2021 363 600 Euro

2022 377 300 Euro2023 391 800 Euro

Für die erste Ausbaustufe (Ausdehnung bis Hasselbachplatz) werden weitere 41 300 Euro (Anschaffungskosten) und zusätzlich 2100 Euro jährlich zur Bewirtschaftung bereitgestellt.

Die Weihnachtsmarkt GmbH als Träger der Lichterwelt soll private Partner zur künftigen Erweiterung der Aktion gewinnen.

Zur Fortführung der Lichterwelt ab 2023/24 wird im zweiten Halbjahr 2022 ein Konzept vorgelegt.

Die Lichterwelt 2020/21 leuchtet von 23. November 2020 bis 2. Februar 2021.

Magdeburger l Die Lichterwelt Magdeburg hat Zukunft, auch wenn der Glanz in Serie erheblich teurer wird als gedacht. Die Bewirtschaftung der funkelnden Innenstadt schluckt bis 2023 fast noch einmal soviel Geld, wie deren Beschaffung vor der Premiere 2019/20 – knapp 1,5 Millionen Euro. 

Kritik an hohen Folgekosten

Der größte Kritiker hatte das erste Wort zur Debatte im Stadtrat am 9. Juli 2020. Gartenparteiler Roland Zander hat „kein Verständnis“ dafür, dass – bei jährlich steigenden Kosten – allein 2023 fast 400.000 Euro in die Unterhaltung der Lichterwelt (Auf- und Abbau, Einlagerung, Wartung, Strom) fließen sollen. „Man hat uns damals gesagt, in den 1,6 Millionen Euro ist alles enthalten und jetzt wird es Jahr für Jahr teurer“, wetterte Zander, zumal nur die Innenstadt, aber kein Stadtteil etwas davon habe.

Für die Stadtverwaltung widersprach der Ordungsbeigeordnete Holger Platz (SPD) der Zander-Rechnung. „Ja, wir haben gesagt die 1,6 Millionen Euro decken alles ab – für das erste Jahr.“ Real hätten Bewirtschaftungskosten erst zum Premierendurchgang korrekt ermittelt werden können. „Die hohen Kosten für die Unterhaltung sind der Qualität und Komplexität der Lichterwelt geschuldet. Aber daher rührt auch ihr Erfolg.“

Konzentration und Masse als Erfolgsrezept

Dem stimmte SPD-Fraktionschef Jens Rösler zu. „Wir haben uns bei der Beschaffung bewusst für das Angebot mit der größten Masse entschieden, mit zahlreichen Großelementen und Laternenschmuck in der ganzen Innenstadt.“ Mit dieser Entscheidung sei klar gewesen, dass die Bewirtschaftung teuer wird, so Rösler. „Aber wir glauben, es lohnt sich.“ Die Lichterwelt sei eine der besten Wirtschaftsförderungsmaßnahmen der letzten Jahre für Magdeburg.

„Und was ist die Alternative?“, fragte René Hempel für die Linke. „Den ganzen Kram hinschmeißen und verrotten lassen?“ Der Reiz der Lichterwelt sei eben die fußläufige Erreichbarkeit, weshalb die Konzentration auf die Innenstadt richtig sei, so Hempel weiter. Die Begehrlichkeiten aus Stadtteilen seien eben gerade eine Botschaft auf den Erfolg der Lichterwelt, „aber ich glaube nicht, dass sie so weit auseinander gestreckt die gleiche Anziehungskraft hätte“.

Kosten mit Ansage

Michael Stage (future!) entgegnete den Kritikern der Gartenpartei mit einem Augenzwinkern: „Ich bin wirklich immer für Kritik an der Verwaltung zu haben“, aber hier sei sie unangebracht. Kosten in den Folgejahren seien von der Verwaltung von vornherein klar angekündigt worden. Auf Zanders Anregung, für die geplante Ausdehnung der Lichterwelt bis zum Hasselbachplatz solle doch die neue Platzmanagerin Geld bei den Gastronomen am Platz einwerben, konterte Stage mit Blick auf Corona-Einbußen: „Das zeigt nur, dass Sie keine Ahnung davon haben, wie es den Gastronomen gerade geht.“

Handel und Gastronomie profitieren

Eben, sagte sinngemäß Stephan Papenbreer (FDP): „Gerade in der Corona-Krise werden sich andere Städte solche Investitionen nicht so einfach leisten können. Mit der Lichterwelt hat Magdeburg sogar international Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Davon werden wir in den nächsten Jahren profitieren.“

Für die CDU warfen sich Reinhard Stern („Die Lichterwelt ist Wirtschaftsförderung par excellence.“) und Wigbert Schwenke entschieden für die Fortführung der aus ihrer Sicht glänzend gelungenen Aktion in die Bresche. Schwenke verwies darauf, dass der Stadtrat vor dem Premiere bewusst Risiko und hohe Kosten in Kauf genommen habe: „Und es hat funktioniert!“ Hier müsse Magdeburg anknüpfen.

Gartenparteiler Zander – mit seiner Kritik allein auf weiter Flur – lenkte ein: „Ich will die Lichterwelt gar nicht schlecht machen, aber uns stören die hohen Folgekosten.“

Jürgen Canehl (Grüne), sonst viel mehr für seine Diskussionsfreude bekannt, zog nun die Reißleine und beantragte den Schluss der Rednerliste. „Die Voten in den Ausschüssen waren eindeutig.“ Kein Zerreden. Bei zwei Gegenstimmen der beiden Stadträte der Gartenpartei und vier Enthaltungen passierte die Lichterwelt bis 2023 samt Kostendeckung den Stadtrat. Es leuchtet weiter.