Kontaktnachverfolgung

Luca-Schlüsselanhänger bei Magdeburgern in der Kritik

Der „Luca“-Schlüsselanhänger soll eine analoge Alternative zur gleichnamigen App bieten. Er ist insbesondere für Menschen gedacht, die kein Smartphone nutzen. Dennoch gestaltet sich die Anwendung schwieriger als angepriesen.

Von Karolin Aertel
Wer kein Smartphone hat, soll auf den Luca-Schlüsselanhänger zurückgreifen. Doch ohne eine Internetaktivierung geht es nicht.
Wer kein Smartphone hat, soll auf den Luca-Schlüsselanhänger zurückgreifen. Doch ohne eine Internetaktivierung geht es nicht. Foto: dpa

Magdeburg - Seit vergangener Woche bietet die Tourist-Information den „Luca“-Schlüsselanhänger, ein analoges Äquivalent zur gleichnamigen App, an. 1500 Stück hat die Magdeburger Marketing, Kongress und Tourismus GmbH (MMKT) für die Landeshauptstadt geordert; 250 davon wurden binnen einer Woche verkauft. Obgleich der Schlüsselanhänger vielerorts kostenlos zu Verfügung gestellt wird, werden in Magdeburg 99 Cent dafür berechnet. Die Stadt und MMKT begründen dies mit einer Gebühr für Einkauf und Personalaufwand. Darüber hinaus soll so vermieden werden, dass Kunden ohne konkreten Nutzen für den Anhänger diesen kostenlos mitnehmen und dann nicht verwenden. Auch Braunschweig greife beispielsweise auf dieses Modell zurück. Dass der Anhänger derzeit nur in der Tourist-Information erhältlich ist, und nicht, wie man meinen könnte, in Alten- und Service-Zentren oder Apotheken, also an Orten, wo viele Senioren anzutreffen sind, sei auf die Lage und Öffnungszeiten der Tourist-Information zurückzuführen. Sie habe aber nicht das alleinige Verkaufsrecht. Selbstverständlich können auch andere Unternehmen den „Luca“-Schlüsselanhänger bestellen und verkaufen, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Kritischer als die Gebühr und den Verkaufsort darf die Registrierungsproblematik betrachtet werden. Ist der „Luca“-Schlüsselanhänger doch eigentlich für jene gedacht, denen kein Internet zur Verfügung steht oder die damit schlichtweg nicht umgehen können, so führt sie trotzdem kein Weg daran vorbei. Die Registrierung kann nur online vorgenommen werden. Doch genau das wollen die Nutzer des Schlüsselanhängers eigentlich umgehen.

Online-Registrierung gehört nicht zur Dienstleistung

Dass die Registrierung nicht vor Ort in der Tourist-Information als Dienstleistung für die Senioren angeboten wird, habe unter anderem datenschutzrechtliche Gründe. Persönliche Daten wie die Telefonnummer zur Kontaktnachverfolgung werden erfasst. „Das Online-Registrierungsverfahren wird von Luca angeboten“, erklärt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra dazu. „Im Rahmen der Registrierung, die nur online erfolgen kann, müssen die Nutzenden ihre eigene Telefonnummer angeben, auf die eine TAN geschickt wird, um die Registrierung abzuschließen. Beim Festnetz erfolgt der TAN-Versand mittels Anruf und Sprachansage, beim Handy mittels SMS.“ Diese Telefonnummer sei auch das zentrale Kontaktelement für die Gesundheitsämter, die im Falle einer Infektionskettennachverfolgung diese Nummer anrufen. Deshalb könne die Registrierung nicht in der Tourist-Information mit einer zentralen Rufnummer erfolgen, sondern jeder Nutzer muss dies mit seiner eigenen durchführen. Es bleibt den Senioren oder jenen, die nicht internetaffin sind, also nur, sich Hilfe bei Verwandten oder Bekannten zu suchen.

Dass es hinsichtlich der Registrierung des Schlüsselanhängers Beratungsbedarf gibt, haben die Mitarbeiter in der Tourist-Information in der vergangenen Woche festgestellt. Zusammen mit dem Schlüsselanhänger geben sie daher auch einen Informationsbogen aus. Zudem können viele Frage im persönlichen Gespräch geklärt werden.

Anhänger-Nutzer müssen eingecheckt werden

Wo und ob der Schlüsselanhänger zum Einsatz kommt, bleibt abzuwarten. Die Testpflicht beziehungsweise der Nachweis für Impfung oder Genesung in Restaurants wurden jedenfalls aufgehoben. Ein Nachweis muss derzeit noch bei organisierten Großveranstaltungen erbracht werden. Allerdings lassen Veranstalter in diesem Fall häufiger zu Zettel und Stift oder anderen Methoden greifen, als den Schlüsselanhänger einscannen zu lassen. Denn während Nutzer der „Luca“-App sich selbst einchecken können, müssen Nutzer der Luca-Schlüsselanhänger vom Veranstalter eingescannt werden. Dies kann durch spezielle Scanner erfolgen, ist aber auch per Smartphone oder Tablet machbar. Für zu aufwendig halten das viele Veranstalter. Das Theater beispielsweise verzichtet komplett auf „Luca“ – aus technischen Gründen, aber auch wegen der Praktikabilität und des Aufwands. Stattdessen werden personengebundene Karten verkauft, erklärt Theatersprecherin Christine Villinger. Die notwendigen Daten für eine Kontaktnachverfolgung werden bereits beim Kauf der Karten erfasst.

Funktionsweise und Sicherheitsprobleme

  • Die „Luca“-App digitalisiert die Kontaktverfolgung nach Besuchen in Restaurants und Veranstaltungen. Damit hilft sie Betrieben und Veranstaltern, Kontaktinformationen der Gäste und Kunden schnell und unkompliziert zu erfassen.
  • Mit den Schlüsselanhängern zur „Luca“-App sollen alle, die kein „Luca“-fähiges Smartphone besitzen, dennoch an dem System teilnehmen können. Er ermöglicht es den Nutzern, durch ein Einscannen ihre Kontaktdaten bei Veranstaltungen oder in Geschäften zu hinterlassen.
  • Auf den Schlüsselanhängern ist ein QR-Code (eine Art zweidimensionaler Strichcode) gedruckt, der eingescannt wird. Der QR-Code führt zu den personenbezogenen Daten, die bei der Registrierung hinterlassen wurden.
  • Der QR-Code wird bei der „Luca“-App von selbst immer wieder neu generiert, der QR-Code auf dem Schlüsselanhänger bleibt hingegen unverändert.
  • Sicherheitslücken beim „Luca“-Schlüsselanhänger kritisieren Datenschützer und IT-Experten. Ein einfaches Foto von dem QR-Code auf dem Anhänger reiche aus, um ihn zu missbrauchen und die hinterlegten Daten auszulesen, sagen sie.