Magdeburg (vs) l Vor 17 Jahren kam die Thüringerin Sylvia Saalfeld zum Studium der Computervisualistik an die Otto-von-Guericke-Universität (OVGU). Wegen des vielen Grüns, der Elbe sowie der Entwicklung der Stadt sei damals ihre Entscheidung auf Magdeburg gefallen. Nachdem sie auch an der OVGU promoviert hatte, wollte die Doktorin eigentlich in die freie Wirtschaft wechseln – und in diesem Atemzug möglicherweise die Stadt verlassen. Doch es kam anders. In Magdeburg startete das Projekt Forschungscampus Stimulate und Sylvia Saalfeld blieb. Heute ist sie Forschungsgruppenleiterin im Bereich Bildverarbeitung und Visualisierung.

Öffentlich-private Partnerschaft gegründet

Stimulate ist aus der Initiative des Bundesforschungsministeriums „Forschungscampus - öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ zwischen der Otto-von-Guericke-Universität, der Firma Siemens Healthcare und dem Stimulate-Verein entstanden. Das Ziel: medizinische Behandlungen durch bildgeführte minimal-invasiv geführte Methoden zu verbessern und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einzudämmen.

Dabei nimmt die Auswertung von Bildern, welche beispielsweise im MRT oder CT vorab einer Behandlung gemacht werden, eine immer wichtigere Rolle ein.

Sylvia Saalfeld und ihr Team erforschen, wie die bei solchen Aufnahmen entstehenden medizinischen Datensätze am besten verarbeitet werden können. Geht es zum Beispiel um die Suche nach einem Tumor, könnte in Zukunft per künstlicher Intelligenz bereits der Computer so eine Schwellung automatisch erkennen. Die Mitarbeiter rund um Doktorin Saalfeld bringen dabei die Kenntnisse aus der Informatik mit. Für Forschungserfolge ist allerdings die Zusammenarbeit mit den Medizinern unabdingbar. „Wir arbeiten sehr eng mit der Universitätsklinik zusammen“, sagt Dr. Sylvia Saalfeld.

Genau das ist es auch, was die Forscherin so sehr am Forschungscampus Stimulate begeistert. „Hier kommen Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft aus so vielen verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Blickwinkeln zusammen.“

60 Uni-Mitarbeiter entwickeln Konzepte

Aktuell arbeiten an der Uni Magdeburg 60 Mitarbeiter unterschiedlicher Fakultäten mit Partnern aus der Industrie, darunter nationale und internationale KMUs und Großunternehmen, und anderen Forschungseinrichtungen im Forschungscampus zusammen. „Es geht hier nicht nur um rein theoretische Konzepte, sondern wir entwickeln Software, die direkt in der Praxis und damit am Patienten zum Einsatz kommt“, erklärt Dr. Sylvia Saalfeld. Das motiviert.

Das Besondere am Forschungscampus Stimulate ist die Langfristigkeit: der Forschungscampus ist auf eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren ausgelegt, so dass langfristig geplant werden kann. „So können wir über die Jahre nachhaltige Strukturen aufbauen“, sagt Dr. Saalfeld.

Um Nachwuchs macht sie sich keine Sorgen. „Der Bachelorstudiengang Medizintechnik an der OVGU ist inzwischen der beliebteste in den Ingenieurswissenschaften.“ Stimulate bietet „Kooperationen mit renommierten Partnern und spannenden Forschungsgebieten für Studenten“, zählt die Forschungsgruppenleiterin auf. Zudem entsteht im Wissenschaftshafen Magdeburg ein Medizintechnikcampus, in dem Wissenschaft und Wirtschaft Tür an Tür zusammen arbeiten. Der Forschungscampus hat in den letzten Jahren eine hohe Sichtbarkeit in der wachsenden Medizintechnikbranche erreicht. Schon jetzt werden erste Magdeburger Software-Entwicklungen in neuen Siemens-Medizingeräten verbaut. Eine Unternehmensgründung im Forschungscampus wird zudem MRT auf den Markt bringen, die speziell für Kinder konzipiert sind. Auch wurden internationale Kooperationen mit renommierten Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Technion in Israel und der Harvard Medical School in Boston aufgebaut. Darüber hinaus wurde erstmals ein interdisziplinäres Symposium über neurovaskuläre Erkrankungen in Magdeburg und damit überhaupt in Deutschland ausgerichtet.

Wissenschaftler kommen nach Magdeburg

International führende Wissenschaftler, die sich mit Blutfluss-Daten beschäftigen, kamen dafür in die Landeshauptstadt. Sylvia Saalfeld: „Durch so ein Symposium können wir extrem zur Sichtbarkeit Magdeburgs beitragen.“ Die Wissenschaftler seien neben der hohen wissenschaftlichen Qualität auch von der tollen Atmosphäre und der Natur im Herrenkrugpark begeistert gewesen. Auch Sylvia Saalfeld selbst hat Magdeburg längst in ihr Herz geschlossen. In ihrer Freizeit genießt die Mutter zweier Kinder die vielen grünen Oasen der Stadt, am liebsten per Fahrrad entlang der Elbe.

 

„Made in Magdeburg“ ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr dazu auch online unter der Adresse www.made-in-magdeburg.com.