Wirtschaft

Magdeburg buhlt um Batteriezellen-Produktion für Volkswagen

Christdemokraten im Stadtrat rennen mit ihrem Antrag zur Bewerbung Magdeburgs als Standort für eine Volkswagen-Gigafabrik offene Türen ein.

Von Katja Tessnow
Ein Mitarbeiter von Volkswagen steht in einem Reinraum zur Produktion von Batteriezellen im Volkswagen-Werk Salzgitter. VW hat 2019 die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos gestartet. Magdeburg ging damals  mit seiner Bewerbung als Produktionsstandort leer aus und hofft nun auf einen Zuschlag im zweiten Anlauf.
Ein Mitarbeiter von Volkswagen steht in einem Reinraum zur Produktion von Batteriezellen im Volkswagen-Werk Salzgitter. VW hat 2019 die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos gestartet. Magdeburg ging damals mit seiner Bewerbung als Produktionsstandort leer aus und hofft nun auf einen Zuschlag im zweiten Anlauf. Foto: dpa

Magdeburg - Auf 350 Hektar Fläche entsteht im Südwesten Magdeburgs das neue Industriegebiet Eulenberg – beschlossene Sache. Parallel sucht Volkswagen nach Standorten zur Batteriezellproduktion. Magdeburg bietet sich an.

Der Oberbürgermeister soll nicht auf eine Anfrage warten, sondern selbst aktiv werden und die Stadt Magdeburg als einen Standort zur Batteriezellproduktion für VW ins Gespräch bringen. Das hat der Stadtrat Magdeburg auf seiner Juni-Sitzung 2021 auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Die große Ratsmehrheit, die sich hinter dem Beschluss versammelte, ist eine Botschaft auf die große Hoffnung der Kommunalpolitik, mit der Ansiedlung produzierenden Gewerbes die Wirtschaftskraft Magdeburgs und den Arbeitsmarkt zu stärken.

Zweiter Standort in Deutschland im Gespräch

Insgesamt sechs sogenannte Gigafabriken will der Volkswagenkonzern in den kommenden Jahren zur Eigenproduktion von Batteriezellen fürs E-Auto errichten. Zwei Standorte (einer in Schweden und einer in Salzgitter) stehen fest, vier sind offen. Der Volkswagen-Betriebsrat plädiere für einen weiteren Standort in Deutschland, so die CDU im Rat und sinngemäß: Nichts wie hin, an die Bewerberfront. Magdeburg und Region hätten seit Jahren guten Bezug zum Volkswagenkonzern. Mit der IFA in Haldensleben, der Kooperation der Otto-von-Guericke-Universität und der Nähe zur Autostadt Wolfsburg, biete die Stadt sehr gute Voraussetzungen für Synergieeffekte auf dem Weg für eine bezahlbare und saubere Elektromobilität, liefern die Christdemokraten einen Teil des Bewerbungsschreibens in der Antragsbegründung gleich mit.

Eine große Ratsmehrheit aus Grüne/future!, CDU, SPD, AfD und FDP/Tierschutzpartei schlossen sich dem Antrag ohne Wenn und Aber an. „Lasst uns bitte dieses Signal rausschicken“, warb CDU-Fraktionschef Wigbert Schwenke um ungeteilte Zustimmung. Zuspruch kam von Urs Liebau für die Grünen, Frank Pasemann für die AfD und SPD-Fraktionschef Falko Grube. „Ja, wir wollen bei der Batterieproduktion dabei sein. Es gibt keine Zweifel an der Nachhaltigkeit. Die E-Mobilität kommt und ohne Batterien wird das nicht funktionieren“, sagte Grube und bekämpfte so – wie zuvor schon Schwenke und Pasemann – einen Änderungsantrag der Linken.

Auch die Ratslinke plädiert für eine Bewerbung um die Batterieproduktion, „sofern die Prüfung der Anforderungen des Wirtschaftskonzepts laut Stadtratsbeschluss vom 10. Mai 2021 ,Initiative Magdeburger Wirtschaftsraum 2025’ zu einem positiven Ergebnis führt“. Allein auf den Hinweis zu dieser – formal regelmäßig empfohlenen – Vorprüfung zur Ansiedlung eines dauerhaft tragfähigen Mixes aus Ansiedlungen – regierte eine Ratsmehrheit gereizt und erachtet ihn mit Blick auf die Vision der Batteriezellproduktion in Magdeburg für schlicht überflüssig. Dafür keinerlei Hürden, heißt sinngemäß das Mehrheitsmotto.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) bestätigte das unumwunden. „Wir hatten schon vor drei Jahren mal eine Anfrage von VW. Leider hat Salzgitter damals das Werk bekommen.“ Böte sich erneut eine Chance zum Zuschlag für Magdeburg: „Wir würden rennen“, so Trümper, quasi Rennen um den Hauptgewinn. Auch aus Trümpers Sicht wäre der Bau eines Batteriewerkes in Magdeburg ein reiner Glücksfall für die Stadt.

Bei fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen stimmte eine große Ratsmehrheit (42 Stimmen) pro Batterie vom Eulenberg; ein Hoffnungsbeschluss.