Coronavirus

Magdeburg will künftig attraktivere Zeiten für Impftermine anbieten

Erstmals sind in Magdeburg buchbare Termine für Erstimpfungen frei geblieben. Vor allem Termine ab der Mittagszeit fanden keine Abnehmer.

Von Ivar Lüthe
Der bislang bekannte „Sturm“ auf freie Impftermine in Magdeburg ist zunächst etwas abgeflaut. Erstmals blieben etliche Termine frei. Mit attraktiveren Zeiten soll nun Impfwilligen entgegengekommen werden.
Der bislang bekannte „Sturm“ auf freie Impftermine in Magdeburg ist zunächst etwas abgeflaut. Erstmals blieben etliche Termine frei. Mit attraktiveren Zeiten soll nun Impfwilligen entgegengekommen werden. Foto: dpa

Magdeburg - Termine für 5645 Erstimpfungen mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna sowie von Johnson and Johnson hat die Stadt für diese Woche im Angebot. Die ersten Termine wurden bereits am vergangenen Freitag für den Impftag Montag, 21. Juni 2021, im Netz freigeschaltet. Schon da zeigte sich, dass die Termine recht „schleppend“ Interessenten fanden. War noch vor Wochen bereits nach einer Viertelstunde alles ausgebucht, das Impfportal zeitweise gar zusammengebrochen, so hatten selbst am Wochenende Impfwillige noch eine Chance auf einen Montagstermin.

Termine für Mittwoch und Donnerstag, die seit Montagvormittag im Netz verfügbar waren, fanden nun noch schleppender Abnehmer. Mittwochvormittag waren für beide Impftage noch fast 600 Termine verfügbar. Bestimmte Zeiten fanden gar keine Abnehmer. Vor allem in der Zeit von 12 bis 16 Uhr wurden Termine schlecht gebucht oder blieben sogar frei. Die Stadtverwaltung entschied sich am Mittwoch daraufhin spontan, erstmals für mehrere Stunden am Nachmittag Impfwillige ohne Termin sofort zu versorgen und warb dafür im Netz.

Die leicht nachlassende Nachfrage blieb auch Impfstableiterin Simone Borris nicht verborgen. Sie vermutet, dass mittlerweile eine gewisse Impfmüdigkeit eingetreten sein könnte. „Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Inzidenz derzeit sehr niedrig ist und geglaubt wird, es sei vorbei. Aber das ist es nicht“, meint sie mit Blick auf die Delta-Variante des Coronavirus sowie eine mögliche vierte Welle im Herbst.

Mehr Termine am späten Nachmittag

Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass laut Stadt rund 60 Prozent der impffähigen Magdeburger (über 18 Jahre) mittlerweile mindestens die Erstimpfung erhalten haben. Laut letzter vom Sozialministerium veröffentlichter Statistik für Magdeburg vom 10. Juni 2021 waren 107.083 Magdeburger erst- und 62.947 zweitgeimpft. Seither wurde die Übermittlung der Zahlen der täglichen Impfungen in Impfzentren und Praxen umgestellt und nicht mehr täglich für Magdeburg explizit ausgewiesen.

Da vor allem Termine rund um die Mittagszeit schlecht gebucht werden, will die Stadt mit attraktiveren Zeiten um Impfwillige werben. „Ab der übernächsten Woche wollen wir überwiegend Termine für Erstimpfungen am späten Nachmittag sowie auch am Wochenende anbieten“, so die Impfstableiterin. Damit wolle man Werktätigen zeitlich entgegenkommen. Die Regelung soll erst ab übernächster Woche gelten, da in der kommenden Woche rund 10.000 Zweitimpfungen im Impfzentrum anstehen. Erstimpftermine waren daher nicht geplant gewesen. Zudem muss dazu der Personalplan entsprechend neu eingetaktet werden.

Neben günstigeren Zeiten für Werktätige wäre auch ein offener Impftag, also ohne Terminbuchung, so wie am Mittwoch bereits spontan angeboten, denkbar, so Simone Borris. „Wir werden die Situation in dieser Woche beobachten und daraus unsere Schlüsse ziehen“, so die Impfstableiterin. Eine Aufhebung der derzeit gültigen Wohnortvorgabe sei bislang nicht im Gespräch.

Übrig gebliebener Impfstoff verfällt nicht

Der Impfstoff, der für nicht gebuchte Termine zur Verfügung stand, verfällt indes nicht. Im Impfzentrum werden die Impfdosen erst aufgetaut und auf Spritzen aufgezogen, kurz bevor sie auch verabreicht werden. So soll verhindert werden, dass abends Impfstoff übrig bleibt. „Der vorhandene Impfstoff der nicht gebuchten Termine bleibt in unserem Bestand und wird für künftige Erst- und Zweitimpfungen eingesetzt“, so Simone Borris.

Am Mittwoch wurden derweil wie geplant und angekündigt noch etliche Termine für Freitag, 25. Juni 2021, freigeschaltet.

Nachfrage sinkt auch im Nachbarlandkreis

Der Landeshauptstadt geht es derweil nicht allein so mit einer nachlassenden Nachfrage. Auch im Nachbarlandkreis Börde ist das der Fall. „Wir stellen mittlerweile fest, dass die Hotline nicht mehr so nachgefragt wird wie vor Wochen“, sagt Uwe Baumgart, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Hinzu komme, dass seit mehreren Tagen gebuchte Impftermine weder wahrgenommen noch abgesagt wurden. „Wir mussten mittlerweile Termine überbuchen, um auf die tägliche Kapazität von 500 bis 600 Impfungen am Tag im Impfzentrum zu kommen“, so Baumgart. Auch er vermutet, dass eine gewisse Impfmüdigkeit in der Bevölkerung angesichts der aktuell niedrigen Inzidenz eingetreten sei.

Der Landkreis buhlt mittlerweile auch um Impfwillige. Derzeit werden Betriebe angesprochen, ob deren Belegschaft Interesse hat. Im Idealfall so um die 120 Interessenten, damit die Impfaktion sich auch lohnt, so der Kreissprecher. Zudem hat der Landkreis jetzt eine E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der Vereine oder kleinere Betriebe ihr Interesse anmelden können. Bei genügend Impfwilligen wird das dann organisiert. „Wir müssen alle Register ziehen“, so Baumgart.