Magdeburg l Petra Rauchfuß engagiert sich für das Projekt „Lebensmittel retten Magdeburg“ des Spielwagen e. V., sucht für herrenlose Tiere ein Zuhause und als Weihnachtsfrau bringt sie in diesen Tagen Kinderaugen zum Strahlen. Doch vor allem kennt man die passionierte Ehrenamtlerin vom Umsonstladen in Salbke. Das liebevoll eingerichtete Geschäft ist für Petra Rauchfuß zu einer Herzensangelegenheit geworden.

„Wer den Andrang im Umsonstladen Salbke nicht selbst erlebt hat, kann sich das Geschehen kaum vorstellen. Die ersten Kunden stehen bereits vier Stunden vor Öffnung an der Ladentür“, berichtet die 62-Jährige.

Zahl der Bedürftigen steigt

Wer hier darauf wartet, dass sich die Türen öffnen, hat nichts oder wenig, ist darauf angewiesen, sich an dem zu bedienen, was andere aussortiert und gespendet haben. Bedürftige haben die Möglichkeit, hier Kleidung und Schuhe, aber auch Bettwäsche, Geschirr und Spielsachen zu erhalten. Vermehrt zählen seit Monaten Flüchtlingsfamilien zu den Kunden. Mit großer Wertschätzung berichtet Petra Rauchfuß von den Spenden aus der Bevölkerung: „Wir sind überwältigt, wie viele Menschen doch ein so großes Herz haben. Ohne sie würde der Umsonstladen nicht funktionieren.“

Rund 150 Bedürftige zählt die Salbkerin jeden Monat. Doch die Zahl steigt. In Zeiten von zunehmender Armut, niedrigen Renten, sozial schwachen Familien bietet der Umsonstladen eine Alternative. „Eine Seniorin traute sich zunächst nicht in den Laden. Sie suchte nach einer Puppe für ihre Enkelin zum Geburtstag. Ihre Rente reichte nicht für ein Geschenk. Doch mit leeren Händen wollte sie nicht zum Geburtstag gehen“, erinnert sich Petra Rauchfuß. Es ist nur eine Geschichte von vielen. Die Schicksale gehen an der 62-Jährigen nicht spurlos vorbei. Manche Nächte liege sie schlaflos in ihrem Bett, weil sie nicht immer helfen könne.

Zu Hause sitzen ist nichts

2011 wurde der Umsonstladen in Salbke ins Leben gerufen. Petra Rauchfuß spendete zunächst Kleidung. Später begann sie dort zu helfen. Heute schmeißt sie den ganzen Laden mit tatkräftiger Unterstützung von Tochter Nadine Ebeling und Sohn Dennis Grüne sowie Gisela Ehrhard, Nancy Beßler und Ingo Block. „Die Arbeit wäre ohne sie nicht zu bewältigen“, so Petra Rauchfuß. Eigentlich ist die 62-Jährige gelernte Physiotherapeutin. Doch aus gesundheitlichen Gründen konnte sie den Beruf nicht mehr ausüben.

Doch zu Hause sitzen ist kein Ding für Petra Rauchfuß. „Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können. Das hat mich immer motiviert“, sagt die Salbkerin. Wenn es darum geht, Menschen zu helfen, kennt sie keine Pausen.

Sozialer Treffpunkt in Salbke

Inzwischen ist der Umsonstladen aus Salbke kaum noch wegzudenken. Dabei spielt nicht immer nur der knappe Geldbeutel eine Rolle. Oft kommen Besucher vorbei, weil sie jemanden zum Reden suchen. „Wir haben viele Stammkunden, die regelmäßig vorbeischauen. Dadurch wird der Laden auch immer mehr zum sozialen Treffpunkt“, erzählt Petra Rauchfuß, deren Eltern einst in Salbke ein Eiscafé betrieben haben.

Auch wenn im Umsonstladen alles kostenfrei weitergegeben wird, Miete muss trotzdem bezahlt werden. Damit die zusammenkommt, wird monatlich für die Kunden ein Obolus fällig. Die restlichen Kosten für Kalt- und Warmmiete werden von Petra Rauchfuß privat aufgebracht. „Der Vermieter kommt dem Umsonstladen preislich entgegen“, so die Salbkerin. Trotz körperlicher Beschwerden – ans Aufhören denkt die 62-Jährige noch nicht: „Ich mach das, solange ich krauchen kann.“

Zur Abstimmung

Hier können Sie über den "Magdeburger des Jahres 2017" abstimmen.