Magdeburg l Wolfgang Matschek dreht den Strommesser um und deutet in den Batterieschacht: „Da hat wohl eine alte Batterie zu lange dringesteckt“, sagt er. Sichtbar ist dies an einem der beschädigten Kontakte. „Aber das kann man wieder hinbekommen“, sagt Wolfgang Matschek dem Besucher. Der steckt das Gerät wieder ein, möchte sich selber um die Reparatur kümmern.

Bei anderen Geräten reicht der Tipp von Wolfgang Matschek und seinen Mitstreitern nicht, und auch der schnelle Griff zum Schraubenzieher, um den Schaden an Ort und Stelle zu beheben, genügt nicht. An diesem Tag landen daher unter anderem ein Fön, eine elektrische Brotschneidemaschine und eine Lampe auf einem Wagen. Auf diesem werden die defekten Geräte in die Werkstatt im Keller des Hauses transportiert. Für jedes Gerät wurde ein Abholstreifen ausgegeben, mit dem das liebgewonnene Haushaltsgerät das nächste Mal abgeholt werden kann. Fällig werden für die Reparatur die Materialkosten und nach Möglichkeit auch eine Spende fürs Repair-Café.

Suche nach einer sinnvollen Aufgabe

Der frühere Lehrer und promovierte Physiker Wolfgang Matschek berichtet: „Nach dem Eintritt in den Ruhestand haben meine Frau und ich festgestellt, dass wir eine Veränderung brauchen.“ Die Wohnung in Calbe war zu groß geworden, und ohnehin hatte das Paar teils mehrfach in einer Woche die Landeshauptstadt wegen der hier angebotenen Veranstaltungen besucht. Da auch Wolfgang Matscheks Tochter in Magdeburg lebt, fiel die Entscheidung nicht schwer und eben auf die neue Heimat des 67-Jährigen.

Er sagt: „Klar war mir aber auch, dass ich etwas Sinnvolles tun wollte.“ Seit seiner Jugend hatte sich Wolfgang Matschek für alles Technische begeistern können. Hatte selbst Radios zusammengebaut, hatte im Calbenser Friedrich-Schiller-Gymnasium den Bereich Informatik betreut. Vielleicht hätte da ein Engagement im Technikmuseum oder bei der Otto-von-Guericke-Gesellschaft nahegelegen. „Doch dann hatte ich von Dietrich Zosel und seinem Repair-Café in Stendal gehört. Und dass es so etwas noch nicht in Magdeburg gibt. Klar: Das war etwas für mich.“

Mitstreiter schnell gefunden

Zwar hatte der Neu-Magdeburger vor drei Jahren schnell eine passende Runde an Ruheständlern, die sich um Geräte aus Magdeburger Haushalten kümmern wollten, beisammen. Doch ganz einfach wäre der Start nicht gewesen – wenn nicht das Pik ASZ in der Leipziger Straße 44 Unterstützung leisten würde. Die Einrichtung der Malteser bietet nicht allein einen organisatorischen Rahmen. „Wir können hier den Veranstaltungsraum und Kellerräume nutzen – das ist eine sehr große Hilfe“, sagt Wolfgang Matschek.

Mitstreiter waren für das Repair-Café schnell gefunden. Mit 67 Jahren ist Wolfgang Matschek der Jüngste in der Runde. Der Älteste ist inzwischen 80 Jahre alt. Und jeder bringt sein spezielles Wissen mit. Klar: Bei Wolfgang Matschek steht Informationstechnik im Vordergrund.

Alte Geräte werden zu Ersatzteilspendern

Das Repair-Café ist dabei nicht allein von Nutzen für jene, die hier aktiv sind oder für jene, die nicht bei jeder kleinen Macke eines Bügeleisens oder eines Kaffeeautomaten gleich neue Geräte kaufen möchten oder können. Entstanden ist auch ein Ort, an dem das Modewort Nachhaltigkeit einen Sinn erhält. Statt Dinge wegzuwerfen, wird lieber repariert. Das schont Ressourcen und spart Energie.

Unter anderem nutzen Wolfgang Matschek und die anderen Ehrenamtler ganz in diesem Geist gern auch jene Geräte, die nicht mit einem vertretbaren Aufwand oder nur mit teuren Austauschteilen wieder in Gang gebracht werden können als Ersatzteilspender. So denn nicht schon genügend Abdeckungen und Kabel, Motoren und Gehäuseteile in den Regalen der Werkstatt schlummern.

Eine ganze Sammlung

Drucker sind für diese Gruppe von Geräten ein gutes Beispiel: „Wenn an einem Drucker etwas kaputt ist, ist ein neuer oft preiswerter als das entsprechende Ersatzteil.“ Dementsprechend verfüge das Repair-Café inzwischen über eine ganze Sammlung an Druckermotoren, für die bislang noch keine neue Verwendung gefunden wurde.

Für den Einsatz dafür, Ressourcen und Energie zu schonen, gab es bereits eine Anerkennung. 2017 erhielt die Gruppe den Magdeburger Umweltpreis.

Alle 14 Tage geöffnet

Geöffnet hat das Magdeburger Repair-Café übrigens alle 14 Tage. Kamen in früheren Zeiten 20 Hilfesuchende am Tag, manchmal sogar nur fünf, sind jetzt schon einmal alle Plätze auf dem im Pik ASZ eingerichteten Wartebereich belegt. Das nächste Mal erwarten die Männer vom Repair-Café ihre Besucher am morgigen Mittwoch von 15 bis 17 Uhr in der Einrichtung in der Leipziger Straße 44.

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