Magdeburg l „Das ist unser Beitrag, um die Welt ein bisschen besser zu machen“, sagt Manuela Kunze. Gemeinsam mit ihrem Mann Matthias leitet sie die Roboter-Arbeitsgemeinschaft am Albert-Einstein-Gymnasium (www.ein-stein-tueftler.de). Mindestens einmal pro Woche sind Kunzes in der Schule – anstelle von reiner Theorie werden technische Grundlagen dort mit Lego ganz praktisch gelehrt.

Matthias Kunze ist fürs Bauen und Programmieren zuständig, seine Frau Manuela fürs Forschen und auch fürs Programmieren. Und wenn einer der Schüler zu ihnen kommt und sagt „Frau Kunze, Herr Kunze, Sie sind cool“ und auf Nachfrage begründet: „Weil Sie das mit uns machen“, dann ist das für die Eheleute der schönste Dank. Ein Dank allerdings, den sich das Paar seit nahezu zehn Jahren kontinuierlich bei immer neuen Schülern hart erarbeitet.

Zwischen Schule und heimischem Lego-Keller

Neben den wöchentlich zweistündigen Treffen in der Schule organisieren die Eltern Tagesausflüge, suchen nach Experten an Unis und Hochschulen, denen die Kinder Fragen stellen können, veranstalten in den Ferien Intensivkurse zu Hause, für die sie Urlaub nehmen, und bieten vor Wettbewerben Trainingsmöglichkeiten im eigenen Lego-Keller, der aus der Not heraus für die Arbeitsgemeinschaft geboren wurde und nach wie vor rege genutzt wird, um Forschungsthemen zu bearbeiten und Roboter zu bauen und zu programmieren.

Neunmal haben sie die Kinder schon zu Wettbewerben geführt. Viele Male gewannen sie. Dabei ist Magdeburg eine starke Region, in der die vorhandenen Mannschaften alle auf einem sehr hohen Niveau arbeiten.

Angefangen hat alles, als ihr Sohn Christoph in die fünfte Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums kam. Familie Kunze bot ihre Unterstützung an. „Und dann sind wir halt dabei geblieben“, sagt Manuela Kunze, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Sohn Christoph hat das Abitur derweil in der Tasche und studiert in Dortmund. So mancher Schüler, der einst in Kunzes Arbeitsgemeinschaft ging, hat ebenfalls den Weg an die Uni gefunden und werde dort mal was werden, sind die Eheleute überzeugt.

Zeitschriften und Bücher gewälzt

Dabei hatten Kunzes, abgesehen von ihrem Wissen als Informatiker, von Lego-Technik anfangs gar keine Ahnung und eigneten sich viel Wissen selbst an – bittere Rückschläge bei Wettbewerben inklusive.

Da es jedes Jahr auch um ein Forschungsthema aus unterschiedlichen Bereichen geht, mussten sie sich viele Kenntnisse auf fachfremden Gebieten aneignen. Dann wälzen sie Fachzeitschriften und Bücher, um überhaupt einen Überblick zu gewinnen, wie weit die Forschung auf dem jeweiligen Gebiet ist.

Die Kinder lernen durch die Arbeitsgemeinschaft, neugierig zu sein, Fragen zu stellen, aber auch, Dinge in Frage zu stellen. Zudem werden soziale Kompetenzen geschult: Teamarbeit und Gemeinschaftsgefühl allem voran. Wenn Kunzes zum Beispiel zu den Intensivkursen einladen, werden immer auch zwei Kinder zum Kochen eingeteilt. Teamwork eben. Jeder ist mal dran. Und alle erfahren, dass es nur im Team funktionieren kann. Einblick in die Betriebswirtschaft gibt es auch. Denn wenn zum Beispiel Mannschafts-Shirts gekauft werden sollen, nehmen die Eltern einzelne Schüler mit, wenn Angebote eingeholt werden.

Das Weltall im Mittelpunkt

Jede Menge Praxisbezug ist auch dabei, etliche Ausflüge haben die beiden schon organisiert. In diesem Jahr dreht sich alles um die unendlichen Weiten des Weltalls. Ausflüge ins Raumfahrtmuseum in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland, wo Kosmonaut Sigmund Jähn geboren wurde, und zu einer Algenfarm standen schon auf dem Programm.

Dankbar sind sie für die Unterstützung, die Lehrer Bernd Diefert ihnen gibt. Ohne die Begleitung eines Lehrers wären die Wochenendausflüge und die Arbeitsgemeinschaft nämlich nicht möglich. Ein bisschen mehr Hilfe würden sie sich von anderen Kollegen wünschen – zum Beispiel von Deutschlehrern, die sich die Vorpräsentation, die im Rahmen der Wettbewerbe Pflicht ist, anschauen und Verbesserungsvorschläge geben. Sponsoren könnte es ebenfalls noch mehr geben. Denn die Lego-Bautechnik ist teuer und verschleißt schnell. Rechner, die für die Programmierung benötigt werden, sind auch veraltet.

Unterstützung gibt es vom Förderverein der Schule. Aber in der Bildung seien die Mittel häufig knapp. Die eine oder andere Spende von außen würde helfen. Zunehmend schwierig werde es auch, Experten von Unis und Hochschulen zu finden, die den Schülern Einblicke geben. Die kleineren Unis seien dabei oft aufgeschlossener, als die großen, an denen die Schüler-AG häufig von einem Professor zum nächsten geschickt werde.

Als Glückbringer dabei

Einen Forschungsansatz zu finden, der in das Weltraum-Thema passt, sei gar nicht so leicht gewesen. „Der Bereich ist im Prinzip ausgeforscht“, sagt Matthias Kunze. Inzwischen haben sie mit den Schülern jedoch einen Ansatz gefunden. „Und der wird richtig gut ankommen“, ist Kunze sicher. Da heißt es nun also wieder: Daumen drücken.

Parallel läuft die Abstimmung zum Magdeburger des Jahres. Und als wäre das alles noch nicht genug, haben sie privat mit ihrem kleinen Sohn, dem achtjährigen André, der jahrelang als Glücksbringer bei den Wettbewerben dabei war, noch eine private Mannschaft für Junior-Wettbewerbe gegründet. Zeit für anderes? Die bleibt kaum. Aber das ist nicht schlimm. Schließlich wissen Kunzes, am Ende ist die Welt ein bisschen besser. Ans Aufhören denken sie daher noch lange nicht.

Hier geht's direkt zur Abstimmung.

Weitere Infos zur Leserwahl "Magdeburger des Jahres" finden Sie in unserem Dossier.