Magdeburg l „Hast Du das neueste Video von Ariana Grande schon gesehen?“ oder „Weißt Du mit wem Niklas jetzt geht?“ beginnen normalerweise Chats von Teenagern. Nicht so bei Lissy Habermann und Freundin Joceline Müller. Über den Kurznachrichtendienst Whatsapp tauschen sie sich nämlich über Umwelt- und Naturschutz und den Klimawandel aus.

„Ich habe mich vorher gar nicht so dafür interessiert. Aber Lissy hat mich dann aufgeklärt“, sagt Joceline. Ihren Bruder Louis musste Lissy gar nicht mehr überzeugen, als sie Anfang des Jahres mit der Idee ankam, selbst etwas für die Umwelt in ihrer direkten Umgebung zu tun. Schließlich sprechen die beiden Geschwister regelmäßig über Naturschutzthemen.

„Es war kurz nach Silvester und überall lagen Reste von Böllern und Raketen herum“, erinnert sich die heute 13-Jährige. Es habe sie schon immer aufgeregt, wenn Menschen ihren Müll einfach auf die Straße werfen. Bei der täglichen Runde mit ihrem Hund fiel ihr besonders das Umfeld an der Seilpyramide am Kümmelsberg auf. Da müssen wir was tun, dachte sie sich.

Suche nach Unterstützern

Gemeinsam mit Joceline (14) und Louis (11) machte sie sich daran, eine eigene Putzaktion auf die Beine zu stellen. „Zuerst fragten wir in der Familie, dann in unseren Klassen wer mitmachen möchte, erzählt Lissy. „Wie Ihr wisst, ist Umweltschutz gerade das gefragteste Thema der Welt und wie auf der ganzen Welt, schmeißen wir Menschen auch in Magdeburg einfach achtlos Müll auf die Straßen“, schrieben sie dazu auf einen Flyer.

Schließlich kamen sie auf die Idee, dass sie noch mehr Leute erreichen und für das Vorhaben begeistern können, wenn sie sich an die Zeitung wenden. Nach dem Bericht in der Volksstimme über das für ihr Alter ungewöhnliche Engagement wurden sie vor allem von ihren Lehrern angesprochen. „Sie fanden gut, dass wir was machen“, sagen sie.

Als die Aktion schließlich am 6. Februar 2018 durchgeführt wird, kommen bis zu 30 freiwillige Helfer zusammen, um die Jugendlichen zu unterstützen. Mitarbeiter der Wohnungsbaugenossenschaft „Otto von Guericke“ sind dabei. Der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb stellt einen Container zur Verfügung und holt ihn anschließend auch wieder ab. „Der Einsatz der Kinder ist großartig. Wir möchten sie gern unterstützen“, erklärte damals Mitarbeiter Christian Herrmann.

Bereit für nächste Aktion

Die drei sind begeistert, über den Zuspruch, den sie bekommen. „Es fühlt sich gut an, wenn andere dazukommen“, sagen sie. „Eine Frau aus der Nachbarschaft lobte, wie gut sie findet, dass wir etwas machen“, erinnert sich Joceline. Dass es eine Woche später wieder vermüllt war, entmutigte sie nicht. „Das ist zwar blöd, aber leider normal“, sagen sie.

Wenn es nach den drei Freunden geht, wird es nicht der einzige Einsatz gewesen sein. „Wir wären bereit für die nächste Aktion. Diesmal würden wir es aber machen, wenn es etwas wärmer wird“, sagt Lissy, weil dann vielleicht noch mehr Leute mitmachen würden als bei den frostigen Temperaturen in den Winterferien. Auch ein Putzeinsatz im Rahmen der stadtweiten Aktion „Magdeburg putzt sich“ können sich die engagierten Jugendlichen vorstellen. „Ich würde gerne etwas Größeres machen, vielleicht an der Elbe“, sagt die 13-jährige Umweltschützerin.

Woher ihr großes Interesse für die Natur und die Umwelt kommt, kann sie gar nicht so genau sagen. „Ich lese sehr viel und schaue Dokumentationen“, erzählt sie. Dass viele Tiere wegen der Rücksichtslosigkeit des Menschen vom Aussterben bedroht sind, beschäftigt sie genauso wie ihren Bruder Louis. Deshalb will sie später auch beruflich unbedingt etwas mit Umwelt und Tieren machen. „Ungerecht ist aber, dass Aktivisten wie Greenpeace meist nur ehrenamtlich arbeiten, während irgendwelche You- tube-Stars so viel Geld verdienen“, ärgert sie sich.

„Gemeinsam viel erreichen“

„Ich finde, jeder sollte etwas dafür tun, damit die Umwelt nicht zerstört wird. Wenn jeder ein bisschen mit anpackt, können wir gemeinsam viel erreichen“, erklärt Joceline Müller. Gemeint sind damit in ihren Augen auch die Politiker. „Sie reden immer nur über den Klimawandel, tun aber nichts dagegen“, sagen sie.

Als die besseren Vorbilder sind Lissy und Louis Habermann sowie Joceline Müller schon einmal vorangegangen und wollen es wieder tun. Wenn viele ihrem Engagement folgen würden, wäre Magdeburg ein ganzes Stück sauberer.

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