Magdeburg l Kapitän – Besatzung – gemeinsamer Kurs. So könnte man in wenigen Worten die Rettung der „Württemberg“ vor dem Untergang als Museums- und Ausstellungsschiff in Magdeburg beschreiben. Denn wie bei schwerer See auf dem Ozean kommt es auch hier bei diesem Projekt auf diesen Dreiklang an, wenn man überleben will: Es braucht einen, der die Verantwortung trägt. Es braucht viele, die mitziehen. Und es ist ein klares Ziel vonnöten.

Genauso war es auch, als sich Uwe Bunk der Rettung der „Württemberg“ verschrieb. 2006 hatte die Stadt Magdeburg das seit 1974 an Land liegende Museumsschiff zur Privatisierung ausgeschrieben. Uwe Bunk war mit zwei Partnern einer der Bewerber, der über einen kurzen Umweg eines anderen Interessenten den Zuschlag erhielt.

Es war Liebe auf den ersten Blick

Warum sich der gelernte Binnenschiffer dieses Riesenprojekt antat, kann er einfach erklären: Als junger Binnenschifffahrts-Azubi war er 1980 erstmals für einen Arbeitseinsatz auf der „Württemberg“ – und verliebte sich auf der Stelle in den Stahlkoloss. „Ich war sofort fasziniert von der Ausstrahlung des 1908-1909 im Roßlau gebauten Seitenraddampfers“, erzählt er noch heute. Und man merkt, dass diese Zuneigung ungebrochen ist und er ins Schiff „verliebt“ ist wie am ersten Tag.

Und so griff er zu, als die Stadt Magdeburg den Dampfer 2006 privatisierte. Mit zwei Mitstreitern kaufte er der Stadt den Dampfer für einen Euro ab. Was dann folgte, waren letztlich zwölf Jahre, in denen der selbstständige Versicherungsunternehmer fast jeden Tag auf der Württemberg zu finden war. Pläne mussten geschmiedet, Unterstützer gefunden und Geld aufgetrieben werden.

Schritt für Schritt ging es voran

Das Ein-Euro-Schnäppchen von der Stadtverwaltung war nämlich gar keins - aber das wusste er. Zu groß war der Sanierungsstau, weswegen auch die Stadt verkaufte und wohl mit Uwe Bunk und seiner Besatzung letztlich einen Glücksgriff landete. Privates Geld floss, Spenden trudelten ein, Fördermittel wurden genehmigt. Schritt für Schritt und unter den Augen kooperativer Denkmalschützer ging es Niet um Niet, Pinselstrich um Pinselstrich jeden Tag ein bisschen mehr voran.

Bunk entschied sich bewusst für eine privatrechtliche Konstruktion, auch wenn das beim Bitten um Fördermittel eher hinderlich ist. „Ich sage ganz ehrlich: Einen Verein oder so was wollte ich nicht. Ich bin kein Typ für Sitzungen und ewige Diskussionen“, so Bunk und sieht sich lieber in der Rolle des Entscheiders. „Man braucht klare Ansagen und Leute hinter sich, die mitziehen. Am Ende muss ich ja Lob wie Kritik einstecken.“

Neue Farbe passte nicht jedem

Von beidem gab es reichlich. Manchem war die neue Farbgebung, die übrigens dem Original des Stapellaufes von 1909 entspricht, nicht passend. Zudem fühlte sich der Magdeburger-Elbe-Schifferverein mit der Privatisierung vor die Tür gesetzt.

Andere aber lobten das Engagement, gaben Geld, halfen mit Sachspenden, öffneten Türen, bedankten sich mit Mails, Handwerksleistungen, einem Handschlag oder kleinen Geschenken.

Öffnungszeiten und mehr Führungen

Mittlerweile können Bunk und Besatzung schon viel zurückgeben. In diesem Jahr öffnete das Schiff erstmals wieder für Besucher. 1500 Besucher führte Bunk schon durch den restaurierten Schiffsbauch mit Museum. Für 2019 sind feste Öffnungszeiten und noch mehr Führungen geplant. Auch zum Magdeburger-Elbe-Schifferverein sollen wieder Kontakte geknüpft werden.

Wer die stählernen Treppen hinabsteigt, wird sofort gefangen von einer Technik, die so dargestellt ihresgleichen sucht in der Region. Kupferne Dampfleitungen, polierte Messingmanometer aus Magdeburger Industrieproduktion, beeindruckende Dampfkessel und baumstarke Wellen für die Schaufelräder draußen sind nicht nur schön anzusehen, sondern würden auch noch laufen, sagt Bunk.

95 Prozent des Schiffs saniert

Einzig der bis zu 15 Bar starke Druck in den Leitungen sei nicht mehr zu bändigen. Letzteres trifft auch auf Uwe Bunk und sein Team zu. Auch nach zwölf Jahren steht der 56-Jährige für die „Württemberg“ noch immer so unter Druck wie einst die Maschine, die er im Herz des Dampfers pflegt. Rund 95 Prozent der „Württemberg“ sind inzwischen saniert. Wenige Restarbeiten auf dem Achterdeck und an den Außenanlagen stehen im Jahr 2019 an.

Aber selbst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, sind Bunk und Besatzung nicht fertig. „Das werden wir auch nie. Ein Ende gibt es nämlich nicht. So ein Schiff ist wie ein altes Haus. Es gibt immer was zu tun“, sagt er und hat dabei dieses Funkeln in den Augen, dass man von Enthusiasten kennt, die für ihre Mission brennen.

Projekt hat viele Unterstützer

So einer ist der Uwe Bunk, der mit der „Württemberg“ nur vor einem Angst hat: Als Einzelkämpfer dargestellt zu werden. „Ich sage zwar, wo es lang geht, das ist richtig. Aber dieses Projekt und ich sind nichts ohne die vielen Unterstützer. Das ist mir ganz wichtig,“ unterstreicht er. Seine Frau Rita lebt das übrigens alles mit.

Und da ist er wieder, dieser Dreiklang: Kapitän – Besatzung – gemeinsames Ziel! Und das heißt auch in den nächsten Jahren: „Volle Kraft voraus!“ für die „Württemberg“ mit Käpt’n Volldampf auf der Brücke.

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