Corona-Lockerungen

Magdeburger Gastronomen fordern klaren Plan für eine Wiedereröffnung

Die nach wie vor gültige Testpflicht und das unbeständige Wetter halten einige Magdeburger Gastronomen davon ab, ihre Terrassen zu öffnen. Sie fühlen sich im Nachteil gegenüber anderen Branchen, bei denen die Testpflicht wieder aufgehoben wurde. Doch es gibt auch positive Stimmen, zeigte sich während einer Pressekonferenz der Magdeburger Gastronomen im Ratskeller.

Von Christina Bendigs
Gut besucht  ist hier die Außenterrasse des Café Flair. Hier Geschäftsführer Nico Barth beim Bedienen der Gäste. Während sich die einen über Öffnungsmöglichkeiten freuen, sind andere Gastronomen noch in Abwartehaltung.
Gut besucht ist hier die Außenterrasse des Café Flair. Hier Geschäftsführer Nico Barth beim Bedienen der Gäste. Während sich die einen über Öffnungsmöglichkeiten freuen, sind andere Gastronomen noch in Abwartehaltung. Foto: Uli Lücke

Magdeburg - Es war ein Lichtblick für die Magdeburger Gastronomen, als sie nach sinkenden Inzidenzwerten in Magdeburg zumindest ihre Außenflächen wieder für Besucher öffnen durften. Doch angesichts strenger Corona-Auflagen und sehr unbeständigen Wetters wurden die Hoffnungen enttäuscht. Einige Gastronomen lassen ihre Terrassen weiterhin geschlossen, während andere mit einem abgespeckten Angebot gestartet sind. Aber auch wenn die Gastronomen auf die begrenzten Öffnungsmöglichkeiten nicht mit einem einhelligen Hurra reagierten: Der Ärger über die Ungleichbehandlung gegenüber anderen Branchen bleibt.

„Die Leute brauchen sich für einen Besuch im Kunstmuseum nur einen Termin zu holen und können dann die Ausstellung genießen. Aber wenn sie im Anschluss daran noch auf ein Getränk im Klostercafé verweilen wollen, brauchen sie einen Test, obwohl sie sich ohnehin nur im Außenbereich aufhalten“, beklagt etwa Mathias Fangohr als Betreiber des Cafés und spricht aus, was für viele Gastronomen nicht nachvollziehbar ist. Über Modellprojekte auch die Innengastronomie wieder aufzunehmen, sieht er skeptisch. Müssten die Gastronomen gar die Personal- und Impfausweise dokumentieren, würden die meisten Gäste wahrscheinlich ohnehin nur im Außenbereich Platz nehmen. Die Probleme entstünden dann, wenn es zu regnen beginnt und die Gäste nicht ins Restaurant gebeten werden dürften.

Sebastian Pape als Geschäftsführer des Cafés Domschatz berichtet von einem großen Magdeburger Gartencenter, in dem am Wochenende die Menschen dicht an dicht angestanden hätten – ohne Test – , während seine Gäste für einen Kaffee zu zweit im Außenbereich einen negativen Corona-Test nachweisen müssten. Seiner Ansicht nach hätten die Menschen keine Lust, sich für einen Café-Besuch extra testen zu lassen.

Gastronomie als Versuchskaninchen

Andreas Dahm als Betreiber des Cafés Alt-Magdeburg im Hundertwasserhaus empfindet sich und seine Gäste als Versuchskaninchen. Den Aufwand, einen Gast soweit zu kontrollieren, dass er im Rahmen eines Modellprojektes die Innengastronomie nutzen kann, berechnet er mit sechs Minuten pro Gast. Bei 100 Kunden wären das 600 Minuten. Das entspricht zehn Stunden Arbeit – eineinhalb Vollzeitstellen würde er brauchen, um das abzusichern. Den Gastronomen gehe es angesichts der Einschränkungen schlecht: „Wir pfeifen aus dem letzten Loch.“ Die Gastronomie würde als absolut letztes Rad am Wagen betrachtet werden. Und obendrein sollen die Restaurantbetreiber und Mitarbeiter nun auch noch als Wach- und Kontrollpersonal herhalten, kritisiert er. Der Betreiber einer Magdeburger Trattoria sieht dadurch gar das Image der Gastronomiebranche beschädigt – nicht absichtlich, denn die Gäste hätten durchaus Verständnis, doch unbewusst setze sich in den Köpfen der Menschen fest, dass man für einen Restaurantbesuch seine Personalien hinterlassen muss.

Angesichts sinkender Infektionszahlen wägen viele Aufwand und Nutzen für den eventuell kurzen Zeitraum ab und warten weiter auf die nächste Pandemie-Verordnung. Die Hoffnung ist, dass darin auch ein Paragraf zu finden sein wird, der den Gastronomen eine Möglichkeit biete, wieder ins Leben und in einen normalen Alltag einzusteigen. Erste Signale gab es dazu von der Landesregierung. Ab Dienstag sollen Innengastronomie, Hotels, Sportstudios und viele Geschäfte wieder öffnen. Voraussetzung ist eine stabile Inzidenz unter 100. Außerdem ist ein negativer Corona-Test vorzulegen.

Hygienekonzepte gebe es, die Gastronomen hätten sich durch die Pandemie zu regelrechten Spezialisten auf dem Gebiet der Hygiene zur Vermeidung einer Virusinfektion entwickelt. Dass nicht alles schlecht sei, machte Matthias Nawroth als Betreiber des Ratskellers und Sprecher des Netzwerks der Magdeburger Gastronomen deutlich. Erstmals seit einem Jahr erfahre die Gastronomie ein Engagement auf kommunaler und Landesebene. Weitere Öffnungen bereits zu Pfingsten lehnt die Regierung jedoch ab. Er sieht Chancen anstelle dessen, was noch nicht möglich ist, sagt er. Auch seine Mitarbeiter seien Feuer und Flamme. Voraussetzung sei allerdings, dass das Ministerium dem Antrag der Stadt noch zustimme. Die Feinabstimmung folgt.

Gastronomen wollen klaren Plan

Matthias Nawroth als Betreiber des Ratskellers sieht mehr die Chancen der Wiederöffnung als die damit verbundenen Auflagen. Im Hinblick auf das Pfingstfest erklärte er, dass Menschen am Sonntag und Montag vor Ort einen Schnelltest machen könnten. Dieser könne mitgebracht werden oder vor Ort gekauft werden.

Ob nun in Abwartehaltung oder mit wieder geöffneten Ladentüren: Was sich die Gastronomen wünschen, ist ein verlässlicher Plan mit Vorlaufzeit.