Veranstaltungen

Magdeburger Kultursommer geht in die zweite Halbzeit

Auf eine optimistische Zwischenbilanz folgen neue Höhepunkte in der denkwürdigen Saison 2021.

Von Katja Tessnow
Akteure der zweiten Halbzeit des Kultursommers (von links): Matias Tosi und Kerstin Reibold für „Rock meets Classik“  am Salbker See; Andreas Witt für „Castellum Cultura“ im Ravelin 2, Michael Conrad für das Klostercamp-Open-Air der Clubs, Nadia Boltes und Björn Zwernemann für das Hip-Hop-Projekt auf der Insel der Jugend, Oliver Voigt, Kultursommer-Mitorganisator Philipp Schmidt  und Jan Schiffner für die Hofkultur in der Viehbörse.
Akteure der zweiten Halbzeit des Kultursommers (von links): Matias Tosi und Kerstin Reibold für „Rock meets Classik“ am Salbker See; Andreas Witt für „Castellum Cultura“ im Ravelin 2, Michael Conrad für das Klostercamp-Open-Air der Clubs, Nadia Boltes und Björn Zwernemann für das Hip-Hop-Projekt auf der Insel der Jugend, Oliver Voigt, Kultursommer-Mitorganisator Philipp Schmidt und Jan Schiffner für die Hofkultur in der Viehbörse. Katja Tessnow

Magdeburg - Seit Mitte Juni gibt’s Sommerkultur in Magdeburg und das nicht zu knapp. Möglich macht das in noch immer von der Pandemie geprägten Zeiten ein Fördertopf im Halbmillionen-Euro-Format. Halbzeitbilanz und Ausblick.

Knapp 500.000 Euro konnten Stadt und Land beim Bund für den Magdeburger Kultursommer lockermachen – eine Sonderförderung für Kultur in besonders schweren, weil pandemisch nach anderthalbjähriger Schließzeit arg gebeutelten und bis heute mit Auflagen überzogenen Zeiten für Veranstalter. Von städtischer Seite um rund 100000 Euro aufgestockt verfügt die Freie Szene in Magdeburg in diesem Jahr über Hilfsgelder in ungekannter Höhe. Was fördern sie zutage? Ihre Erfahrungen diskutierten Akteure des Kultursommers bei einem Kultursommer-Halbzeittreffen am 4. August.

Szene übt den Schulterschluss

Die Kulturbeigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz (Grüne) eröffnete den Reigen und stellte „einen Gewinn“ in den Vordergrund ihrer Halbzeitbilanz. „Bei allen Herausforderungen sind wir sehr froh, dass wir ein Programm aus gut einhundert Veranstaltungen schnüren konnten und sich die Zusammenarbeit, der Schulterschluss in der Freien Szene und mit der Kulturverwaltung darüber mehr und mehr verstärkt hat. Das ist eine sehr positive Entwicklung und ein Gewinn für die Zukunft.“

Christian Szibor (Festung Mark), der als Freie-Szene-Netzwerker seit Pandemiebeginn großen Anteil an diesem Gewinn hat, bestätigt: „Das Verständnis füreinander ist sehr gewachsen. Ich bin in Magdeburg seit rund 20 Jahren in der Kulturarbeit tätig, aber eine so gute Zusammenarbeit habe ich noch nicht erlebt.“

Was alle Akteure von Soziokulturzentrum bis zum Tanzclub als größte Herausforderung eint: Die Kultursommer-Programme waren binnen weniger Wochen zu schnüren, weil lange nicht klar war, wie sich Infektionszahlen und in der Folge Auflagen entwickeln würden. In einem gemeinsamen Kraftakt und mit der Hilfe von Ämtern, Freiwilligen und mit teils neuen Kooperationen ist das gelungen – bei unterschiedlicher Publikumsresonanz. Während Clubbetreiber wie Michael Conrad (Insel der Jugend) beim zumeist jugendlichen Publikum einen großen Hunger auf Begegnung und Kultur und wenig Berührungsängste bei großer Bereitschaft zum Corona-Test und zur Befolgung weiterer Hygieneauflagen bilanziert, verzeichnen Veranstalter, die sich an ältere Semester richten (wie etwa das Literaturhaus) eine „gewisse Zurückhaltung“ (Stieler-Hinz) beim Publikum. Mancher hätte sich in anderthalb Jahren offenbar ganz gut auf dem Sofa eingerichtet. Christian Szibor gibt Gänsehaut zu Protokoll, wenn andererseits Anwohner der Festung Mark (bisweilen beschwerdefreudig ob des Kulturgeräuschs) nun botschaftern: „Wir sind froh, euch wieder zu hören.“ Anderenorts gab es Beschwerden von Anwohnern ob der ungewöhnlich stark, ja fast ausschließlich unter den freien Himmel verlegten Sommerkultur. Die Kulturbeigeordnete bittet die Magdeburger um besonders großes Verständnis in besonders schwierigen Zeiten.

Die zweite Halbzeit des Kultursommers hält noch einige Höhepunkte bereit. Ein Crossover-Musikprojekt aus Rock und Klassik unter einer Zirkuskuppel am Salbker See und die Wiederbelebung der Clubszene bei einem Open-Air-Festival am Klosterkamp gehören dazu.

Anders als in normalen Zeiten bestreiten in diesem Sommer fast ausschließlich lokale Künstler das Programm, ohne wirtschaftliches Risiko für sich oder die Veranstalter. Das Fördergeld soll Kraft geben zur Vorbereitung auf den erhofften echten Kultur-Neustart im Herbst. Etwas Bange räumt die Kulturbeigeordnete beim Blick aufs Ende der Sonderfördertöpfe und das Defizit im Stadthaushalt ein: „Die harten Zeiten stehen noch bevor.“

Auszüge aus dem Programmkalender

Der im Juni gestartete Kultursommer „Auf die Plätze“ geht in die zweite Halbzeit. Was unter anderem noch zu erleben ist.

Castellum Cultura, Kultur im Ravelin 2, Maybachstraße 8, unter anderem mit dem Neuen Magdeburger Kammerchor (6. August, 19 Uhr), Markt und Kammerspiele-Kindertheater „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ (7./8. August, ab 11 Uhr Markt, ab 16 Uhr Theater) und der Folk-Nacht mit der Starbridge Folk Band (8. August, ab 19 Uhr).

Klosterkamp-Open-Air, große Gemeinschaftsveranstaltung der Magdeburger Clubs Baracke, Geheimclub, Boys’n’Beats, Insel der Jugend, Prinzzclub und Ellen Noir auf dem ehemaligen Gelände der Aerosol-Arena, Industriehafen, Klosterkamp, Veranstaltungen am 13./14./17./20./21. August.

Each One Teach One, Workshops, Konzerte und DJs auf der „Insel der Jugend“, Maybachstraße, 18. August (Drum’n’Bass) und 11. September (Hip-Hop), jeweils ab 15 Uhr.

Panta Rhei, musikalisch-theatralischer Abend rund um das Baden, auch in der Elbe, Theater an der Angel, Zollstraße 19, 18. bis 22. August täglich sowie 24./25. August, ab 19.30 Uhr.

Von Hof zu Hof, Kultursommer in der Viehbörse, Am Handelshof, Auftakt am 20. August ab 19 Uhr mit Sax’n Anhalt, am 21. und 22. August von 14 bis 22 Uhr Programm mit viel Musik, Lesungen, Theater und Ausstellungen (Malerei, Fotografie, Schmuck) auf einer Hauptbühne, in zwei Höfen und in den Verbindungsgängen. Unter anderem dabei: Eddie Weimann, Pete Alderton, „BeSwingt“, Bodo Lüddemann, Danny Priebe Band und Donkey Beat.

Rock meets Classic, Crossover Projekt von Bach bis Led Zeppelin im eigens dafür aufgestellten Zirkuszelt am Salbker See 1 im Unterhorstweg; Veranstalter ist der Verein Aktion Musik (Betreiber des Gröninger Bads), auf der Bühne stehen 16 Musiker vom Klassiker (Rossini Quartett und Opernsängerin Undine Dreißig) bis zum Rocker (Szene um Gregor Schienemann), 3. bis 5. September.

Kulturnacht: Auf! Zum Finale steigt am 25. September die Kulturnacht mit Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Der Titel „Auf!“ markiert die Hoffnung auf den echten Neustart nach der Pandemie.

Das volle Programm im Internet gibt es hier