Kirchspielfest

Magdeburger Pauluskirche feiert 125-jähriges Bestehen

Mit einem Kirchspielfest in Stadtfeld soll im Juli gefeiert werden. Die Paulusgemeinde blickt auf eine ereignisreiche Vergangenheit der Kirche zurück, denn sie überdauerte Weltkriege, den Nationalsozialismus und einiges mehr.

Von Jasmin Teut
In den 1960er Jahren wurden im Zuge der Sanierung Teile der Innenausstattung enfernt. Darunter unter anderem der Altar, die Kanzel und der Taufstein, die neu geschaffen wurden.
In den 1960er Jahren wurden im Zuge der Sanierung Teile der Innenausstattung enfernt. Darunter unter anderem der Altar, die Kanzel und der Taufstein, die neu geschaffen wurden. Foto: Jasmin Teut

Magdeburg - Die im neugotischen Baustil errichtete Pauluskirche feiert am 3. Juli ihr 125-jähriges Bestehen. „Wir wollen zeigen, dass die Kirche für alle offen ist“, sagt Pfarrdienstmitarbeiter Björn Friebel. Daher wird die Veranstaltung eine Art Stadtteilfest sein, das nicht nur in der Kirche stattfindet, sondern auch auf der Goethestraße selbst. Unter dem Motto „Festhalten“ soll die Feierlichkeit stehen. Gemeint ist damit unter anderem das Festhalten am Vertrauen zu Gott, aber auch festhalten an der Geschichte der Kirche, die ihren Charakter über die Jahre beibehalten hat.

Schon während der Errichtung der Kirche im damaligen Stadtteil Wilhelmstadt (heute Stadtfeld-Ost) zwischen 1894 bis 1896 zeigte sich, dass die Kirche eine Kuriosität und Widerspruch sein wird. Der Grund: Die Kirche steht augenscheinlich verkehrt herum. Normalerweise wird der Kirchturm in Richtung Westen erbaut und der Rundabschluss gen Osten, denn die Gemeindemitglieder sind während des Gebets in Richtung Sonnenaufgang gerichtet. „Der Sonnenaufgang symbolisiert Christus Auferstehung“, erklärt Friebel. Der Turm der Pauluskirche steht allerdings in Richtung Osten und der Rundabschluss westlich. Doch dies ist nur von außen der Fall, denn im Inneren steht der Altar auf der Seite des Turmes – also nach Osten hin. Dass die Kirche so gebaut wurde, lag unter anderem daran, dass der Bauplatz in der Größe beschränkt gewesen ist und auch die Schrote nebenan entlang fließt, erklärt Pfarrer Reinhard Simon. Daher stand die große Frage im Raum, wo der Turm nun stehen soll. Angeboten hat sich daher die östliche Seite, denn dort befindet sich auch eine Straßenkreuzung. Von dort habe man den idealen Blick auf den Kirchturm von allen Seiten, sagt Simon weiter.

Zeitweise rund 52.000 Gemeindemitglieder

Zu Anfangszeiten der Kirchengemeinde zählte sie um die 30.000 Mitglieder. Das lag unter anderem daran, dass das Stadtviertel vor allem als Beamten- und Handwerkerviertel galt. Viele, die in dem Stadtteil wohnten, waren bei den Polte-Werken (einer Armaturen- und Maschinenfabrik) im Stadtteil Sudenburg beschäftigt, erklärt Simon. Im Jahr 1905 wurden die Gottesdienste sogar so gut besucht, dass mehrere an einem Tag stattfinden mussten, denn Platz bietet die Kirche für nur rund 800 Personen. Einige Jahre später, um genauer zu sein in den 1920er Jahren, wurde die Beimssiedlung mit etwa 2000 Wohnungen errichtet. Dadurch stieg die Zahl der Gemeindemitglieder 1935 zeitweise auf sagenhafte 52.000, sagt der Pfarrer. Heute zählt die Paulusgemeinde gerade einmal rund 2300 Mitglieder, aber sie gehört dennoch zu einer der größten evangelischen Gemeinden Magdeburgs.

Die Kirche selbst hat viele große Ereignisse der Geschichte miterlebt. Doch sie erlebte auch einige Schönheitskuren, die allerdings im Auge des Betrachters liegen. Denn die Kirche sah in Zeiten der 1960er Jahre ganz anders aus, als sie heute bekannt ist. Dies lag vor allem an Material- und Finanzmängeln zu DDR-Zeiten. Die Kirche erhielt im Zuge dessen einen weißen Innenanstrich, erklärt Simon. Die Kirche sollte dadurch hell wirken. Auch Teile der Ausstattung wurden entfernt. Der Altar, die Taufstätte und die Kanzel, die heute in der Pauluskirche stehen, wurden neu geschaffen.

Erst nach der Wende kam es zum Aufbruch der Kirche und zu einer grundlegenden Sanierung, die zwischen 1997 und 2019 stattgefunden hat. Mit den Arbeiten am Gebäude trug die Kirche auch etwas zur Wirtschaftsförderung bei, sagt Pfarrer Simon.

Magdeburger Jugendliche haben Kirche renoviert

„2001 kam ein Abteilungsleiter des Arbeitsamtes vorbei und fragte: ’Was ist das für eine Kirche?’ Und dass etwas gegen das Aussehen gemacht werden muss“, erzählt Simon. Zusammen mit den damaligen Pfarrern  Dietrich Warner und Michael Bartels wurde so ein Projekt mit arbeitslosen Jugendlichen auf die Beine gestellt. Mit Hilfe eines Restaurators und Handwerksmeistern arbeiteten insgesamt 60 Jugendliche an der Kirche. Mit dem Projekt konnte so der Innenraum der Kirche in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, sagt Simon weiter. Durch das Projekt hat jedoch nicht nur die Kirche profitiert, denn auch Magdeburger Firmen hatten wieder Aufträge und auch circa 30 Prozent der Jugendlichen haben dadurch eine Arbeitsstelle im handwerklichen Bereich gefunden.

Seit der Renovierung des Gebäudes gilt es auch als Konzertkirche, sagt Simon. „Die Kirche hat eine fantastische Akustik“, sagt er weiter. Ein besonderes musikalisches Instrument ist allerdings die Orgel. Diese ist nämlich seit der Errichtung der Kirche ein Teil von ihr. Die romantische Orgel wurde 1896 vom  Zörbiger Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann gebaut.

Pauluskirche als offener Ort für alle

Heute haben es sich Pfarrer Reinhard Simon und Pfarrdienstmitarbeiter Björn Friebel zur Aufgabe gemacht, eine Kirche am Lebensweg für Menschen zu sein. „Die Pauluskirche richtet ihren Blick nicht nur nach innen, sondern auch nach außen“, sagt Simon. Die Kirche sei ein Teil von Stadtfeld und Magdeburg. Es gebe auch Mitglieder, die in einem anderen Stadtteil leben, sich aber mit der Paulusgemeinde identifizieren würden. Die Gemeinde ist vor allem durch viele junge Familien geprägt, informiert Friebel. Daher ist unter anderem die Familienarbeit ein großer Schwerpunkt. Die Kirche bietet jedoch für jede Altersgruppe etwas an. Seien es Kinder- und Jugendgruppen, Gesprächsrunden oder der Kirchen-Kaffee nach dem Gottesdienst.

Dass die Pauluskirche ein offener Ort für alle ist - sowohl für Christen als auch Nicht-Christen - wollen Simon und Friebel mit dem anstehenden Fest zeigen. „Das 125-jährige Bestehen ist ein Anlass, um miteinander zu feiern und auch gespannt die Kirche zu entdecken“, sagt Friebel.  Am 3. Juli wird das Fest mit einem Gottesdienst beginnen. Auf die Besucher wartet in, vor und rund um die Kirche ein buntes Programm (siehe Infokasten). Wer sich für die Vergangenheit der Kirche interessiert und zum Beispiel die Geschichte hinter den Buntglasfenstern entdecken möchte, der kann in das neu erschienene Buch „125 Jahre Pauluskirche“ reinlesen. Dieses ist nicht im Buchhandel, sondern nur in der Kirche erhältlich.