Magdeburg l „Für mich war es einer der schönsten Tage, seit ich Musik mache, und ein sehr bewegender Moment in meiner Karriere“, sagt Nico Santos rückblickend auf das Abschlusskonzert der Kinderklinikkonzerttournee „Von den Bergen bis ans Meer“ 2019 in Hamburg. „Bei dem Konzert in Hamburg habe ich realisiert, wie leicht es ist, jemanden mit Musik glücklich zu machen. Dieser kleine Teil, den man beisteuert, trägt schon so viel dazu bei, Kinder glücklicher zu machen“, sagt Santos, der sich nun dazu entschlossen hat, Vereinspate zu werden und die Aktion auf diese Weise zu unterstützen.

Mit den Kinderklinikkonzerten versuchen zwei Magdeburgerinnen und ihr Team, kranken Kindern eine Freude zu bereiten. Im Corona-Jahr 2020 war das zwar nur bedingt möglich, doch wie Nicole John als Vereinsvorstand erklärt, habe der Verein noch Glück im Unglück gehabt. Denn die Konzerte seien erst relativ spät im Jahr angesetzt gewesen, die Planungen noch nicht allzu weit vorangeschritten gewesen. Kurzerhand entschlossen sich die Mitglieder, in diesem Jahr keine Konzerte in den Kliniken zu planen. Untätig waren sie dennoch nicht. Geplant war ein Geschwisterkinderkonzert, das ebenfalls der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Das Konzert für Geschwisterkinder von erkrankten Kindern soll aber nachgeholt werden, sobald es möglich ist, und sei bereits auf große Zustimmung gestoßen.

Aufgenommen wurde aber ein digitales Kinderklinikkonzert mit 19 Musikern, darunter auch Santos und viele weitere Stars und Sternchen der Popmusik, die auch Videobotschaften für die Kinder aufnahmen. Für die Kliniken wurden dann Goldtickets gedruckt, mit denen sich Kinder deutschlandweit in die Veranstaltung einwählen konnten. In vielen Kliniken sei mit Lockerungen ein kleines Event für die Kinder organisiert worden, um ein wenig Konzertcharakter in den Klinikalltag zu bringen, der angesichts von Besuchsverboten für Kinder und Familien mit Schwierigkeiten verbunden ist. Mit dem Video haben die Macher der Kinderklinikkonzerte deutschlandweit Kliniken erreicht, die noch nichts von der Aktion wussten. „Wir haben liebe Post zurückerhalten und Angebote, mit Kliniken bundesweit zusammenzuarbeiten“, erzählt Nicole John.

Dankbar sind die Vereinsmitglieder auch für Spenden, die gerade während der Corona-Pandemie wichtig sind. Denn auch wenn derzeit keine Konzerte stattfinden, habe der Verein laufende Kosten – etwa für die Büromiete, Versicherungen und drei Minijobber. Und der Verein finanziere sich ausschließlich aus Spendengeld. 1370 Euro erhielt der Verein erst kürzlich von der Kita Kluswegzwerge in Neu-Olvenstedt. Die Omas und Opas der Kinder hatten gespendet und wollen mit dem Geld die Kinderklinikkonzerte unterstützen.

Angesichts der Corona-Pandemie blicken die Mitglieder der Kinderklinikkonzerte zunächst vorsichtig ins neue Jahr. Am 10. Januar vor zehn Jahren fand das erste Kinderklinikkonzert statt. Der Monat soll als Geburtstagsmonat genutzt und die erste Null über die Social-Media-Kanäle gefeiert werden. Für den Herbst ist eine „Zehn Jahre – Zehn Städte“-Tour geplant. Ein großer Bus als Unterkunft ist bereits reserviert, die Mitglieder haben sich unbezahlten Urlaub genommen. Nun heißt es Daumen drücken, dass die Corona-Pandemie Deutschland bis dahin ein bisschen mehr in Ruhe lässt, so dass die Tour auch stattfinden kann. Sollte es dann immer noch Beschränkungen geben, „verschieben wir sie ins Jahr 2022“, sagt Nicole John vorausblickend.