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Investitionsprojekt

Magdeburger Viehbörse wird zum Festsaal

Der alte Speisesaal der Schlachthof-Mitarbeiter in Magdeburg wird zur Veranstaltungsstätte umgebaut.

Von Stefan Harter 02.09.2017, 01:01

Magdeburg l Eigentlich ist Stefanie Krahmer Rechtsanwältin für Verkehrsrecht, doch weil sie sich verliebt hat, geht sie jetzt unter die Bauherren. Ihr Herz erobert hat jedoch kein Mann, sondern ein Gebäude.

Die gelb verklinkerte Viehbörse auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs an der Liebknechtstraße in Magdeburg hat es ihr angetan und das schon vor fünf Jahren. „Damals habe ich mich selbstständig gemacht. Mein erstes Büro war direkt gegenüber dem Schlachthof“, erzählt sie. Die Viehbörse war ihr gleich ins Auge gefallen. „Damals wusste ich schon: Da will ich mal rein.“

Nun ist es also so weit. Im Januar 2017 hatte sie das 1893 errichtete Gebäude von der Saller Gruppe aus Weimar erworben, die das übrige Schlachthof-Areal entwickeln will. Der Bauantrag für die Sanierung ist eingereicht. Sobald die behördliche Genehmigung da ist, sollen die Arbeiten losgehen. Noch im September wird das sein, so die Hoffnung von Stefanie Krahmer.

Damit alles klappt, hat sie doch einen Mann an der Seite, der ihr Herz schon zuvor erobert hatte. Mit ihrem Partner Dennis Fritz wird sie das Vorhaben umsetzen. „Es ist ein Familienprojekt“, sagt sie, auch Bruder und Schwägerin sind dabei. Ihr Mann hat eine eigene Baufirma, bringt also das entsprechende Know-how mit.

Bei einem Rundgang durch die seit 2003 komplett leerstehende Viehbörse zeigt sich, dass die Sanierung keine Minute zu spät kommt. „Es ist allerhöchste Eisenbahn, dass hier etwas passiert“, meint die Bauherrin.

Teilweise sind die Decken eingestürzt, im großen Speisesaal, wo zu Hochzeiten des Schlachthof-Betriebes bis zu 1200 Mitarbeiter versorgt wurden, ist das bereits 1998 geschehen. Dort ist seitdem schon ein neuer Dachstuhl. Unter ihm sollen künftig wieder Feiern stattfinden. „Ein Mitarbeiter des Schlachthofs hat mir erzählt, dass hier früher so einige Firmenfeste gefeiert wurden“, berichtet Dennis Fritz. Als Veranstaltungssaal für gut 250 Personen soll er nun vermietet werden.

Die passende Catering-Firma zieht praktischerweise gleich mit ein. Sie steht als Mieter bereits fest, ebenso ein Getränkelieferant. Im ehemaligen Küchentrakt wird eine Showküche installiert mit Lounge und Zugang zum kleinen Innenhof. Stefanie Krahmer selbst wird mit ihrer Kanzlei einziehen. Im Kellergeschoss wird es Friseur und Kosmetik geben. „Interessenten hierfür gibt es bereits“, sagt Dennis Fritz. Weitere Büro- sowie Seminarräume und Gästewohnungen sind im Dachgeschoss vorgesehen.

Wie viel sie in die Sanierung des denkmalgeschützten Baus investieren, wollen sie nicht verraten. Mit der Denkmalschutzbehörde wurde aber alles abgestimmt, so auch der Abriss eines später errichteten Anbaus, um die symmetrische Form des Originalgebäudes wieder herzustellen. An dessen Stelle sollen Parkplätze angelegt werden.

Den Namen für ihr „Herzensprojekt“ behält Stefanie Krahmer der Einfachheit halber bei, so dass im kommenden Frühjahr in der „Viehbörse“ gefeiert werden kann. Denn schon am 30. April planen die beiden die Eröffnung. Die kommt passend zu einem Jubiläum – 2018 wird die Viehbörse 125 Jahre alt.