1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Magdeburg
  6. >
  7. Interview: Magdeburgerin läuft 3.000 Kilometer alleine zu Fuß

InterviewMagdeburgerin läuft 3.000 Kilometer alleine in Neuseeland 

Die Magdeburgerin Anna Brummel durchquert Neuseeland und hat eine Spendenaktion gestartet: Für jeden Kilometer will sie 1 Euro für sauberes Trinkwasser vor Ort sammeln. Wie sie sich auf die Reise vorbereitet hat und welche Gegenstände für sie auf keinen Fall fehlen dürfen.

Von Romy Bergmann 09.02.2024, 07:10
Die Magdeburgerin Anna Brummel läuft von Ende 2023 bis Anfang 2024 rund 3.000 Kilometer in Neuseeland und sammelt dabei Spenden für sauberes Trinkwasser vor Ort.
Die Magdeburgerin Anna Brummel läuft von Ende 2023 bis Anfang 2024 rund 3.000 Kilometer in Neuseeland und sammelt dabei Spenden für sauberes Trinkwasser vor Ort. Foto: Privat

Magdeburg - Seit November ist die Magdeburgerin Anna Brummel in Neuseeland unterwegs. Auf 3.000 Kilometern will die 31-jährige Yoga-Lehrerin zu Fuß das Land erkunden. Für jeden gelaufenen Kilometer sammelt sie dabei 1 Euro Spenden für sauberes Trinkwasser vor Ort. Im Interview mit Romy Bergmann spricht sie unter anderem darüber, wie sie sich auf diesen Marsch vorbereitet hat und welche Gegenstände auf der Reise für sie auf keinen Fall fehlen dürfen.

Was hat Sie zu einer Reise nach Neuseeland motiviert?

Anna Brummel: Mich hat schon lange gereizt, eine Fernwanderung zu machen und Neuseeland ist für eine Solo-Hikerin einfach sehr sicher. Das heißt zum einen, dass das Land grundsätzlich sicher ist. Zum anderen ist die Tier- und Naturwelt sehr gut geeignet. Es gibt keine giftigen Tiere oder Bären und so weiter. Zusätzlich ist das Land durch seine Lage und seine langgezogene Form sehr abwechslungsreich.

Wie hat sich daraus die Spendenaktion ergeben?

Die hat sich aus mehreren Richtungen ergeben. Einerseits habe ich bereits vor der Reise sehr viel über Wasser gelesen und auch recherchiert. Das heißt: Wo sind meine Wasserquellen? Brauche ich einen Wasserfilter? All das war für mich komplett neu. Weil die meisten von uns es einfach gewohnt sind, das Wasser aus der Leitung zu zapfen.

Grundsätzlich ist Wasser auch ein Thema, das im Weltgeschehen sehr aktuell ist. Und deswegen war es mir total wichtig, mit der Erfahrung, die ich hier machen darf, auch gleichzeitig etwas zurückzugeben. Und damit war die Idee geboren, für jeden meiner 3.000 Kilometer, die ich laufe, einen Euro an Spendengeldern zu sammeln.

Auf ihrer Reise möchte Anna Brummel nicht nur das Land kennenlernen, sondern auch gleichzeitig etwas Gutes tun.
Auf ihrer Reise möchte Anna Brummel nicht nur das Land kennenlernen, sondern auch gleichzeitig etwas Gutes tun.
Foto: Privat

Begleitet Sie jemand während Ihrer Reise?

Ja und nein. Ich bin zwar allein gestartet, seitdem aber selten allein gewesen. Es laufen einige Leute diesen Trail und man findet eigentlich sofort Menschen, mit denen man sich austauschen kann, mit denen man ein Stück zusammenläuft oder am Ende des Tages auf dem gleichen Camping-Platz unterwegs ist.

Aber grundsätzlich plane ich schon alles für mich alleine und es gibt auch Abschnitte, an denen ich längere Zeit ganz alleine unterwegs bin. Das ist eine echt schöne Mischung.

Wie haben Sie sich auf die Reise vorbereitet?

Ich habe wahnsinnig viel recherchiert auf Blogs, offiziellen Internetseiten, Podcasts, Youtube und der offiziellen Trail-App, in der man ganz viel über die Route erfährt. Im letzten Sommer hatte ich auch eine Hüttenwanderung gemacht, um das ganze Equipment zu testen und zu schauen, ob ich mit allem gut klarkomme.

Ich habe auch so relativ viel Sport gemacht, ich spiele nebenher Rugby, gehe ins Fitnessstudio, war joggen. Aber auf so eine intensive Fernwanderung – auch gerade mit dem Rucksack und dem Gewicht auf dem Rücken – kann man sich ansonsten relativ schwer vorbereiten.

Wie viel wiegt denn Ihr Rucksack?

Ich habe ein Basis-Gewicht von zehn Kilogramm. Das heißt: meine ganze Ausrüstung ohne Wasser und Essen. Je nachdem, für wie viel Tage ich Sachen mitnehmen muss, erhöht sich das Gewicht entsprechend. Ich habe meistens zwei bis drei Liter Wasser dabei und zwischen vier bis acht Kilogramm Essen.

Nur ihren Rucksack dabei: Mehr braucht die Magdeburgerin nicht auf ihrem Marsch.
Nur ihren Rucksack dabei: Mehr braucht die Magdeburgerin nicht auf ihrem Marsch.
Foto: Privat

Hatten Sie schon vorher Erfahrungen im Wandern ganz alleine gesammelt?

Nein, nicht mit so weiten Strecken. Ich war schon ein paar Mal für einige Tage auf Hüttenwanderungen unterwegs. Aber so komplett als Selbstversorgerin über eine so lange Zeit nicht. Und das war auch so ein bisschen der Reiz und gleichzeitig die Herausforderung.

Wie klappt das denn genau mit dem Selbstversorgen?

Auf der Nordinsel ist es beispielsweise so, dass noch sehr viele Städte regelmäßig da sind, wo man noch alle zwei bis fünf Tage die Vorräte auffüllen kann. Auf der Südinsel wird es ein bisschen schwieriger, weil ich zum einen viel mehr in den Bergen unterwegs bin und zum anderen dort viel weniger Bevölkerung und größere Städte vorhanden sind. Das heißt, da nimmt man mehr Essen mit für die Etappen. Bei meinem längsten Abschnitt brauche ich Essen für etwa acht bis zehn Tage.

Was sind Ihre, sagen wir mal, drei wichtigsten Gegenstände auf der Reise?

Zum einen auf jeden Fall mein Zelt. Ohne das wüsste ich glaube ich gar nicht, was ich machen sollte. Dadurch, dass ich so oft die Orte wechsle, gibt es mir ein bisschen das Gefühl von einem kleinen Zuhause, das ich mit dabei habe. Zweiter wichtiger Gegenstand ist mein Wasserfilter.

Weil ich dadurch die Sicherheit habe, dass ich, egal wo ich bin, sauberes Trinkwasser habe. Mein dritter Gegenstand wären vermutlich meine Kopfhörer (lacht). Gerade wenn die Stimmung mal nicht so gut ist und ein herausfordernder Tag ansteht, hilft Musik einfach wahnsinnig doll, mich zu motivieren. Oder auch mal einen Podcast zu hören, wenn die Strecke etwas monoton ist.

Auch wenn sie alleine gestartet ist, hat sie auf ihrer Reise bereits viele neue Menschen kennengelernt.
Auch wenn sie alleine gestartet ist, hat sie auf ihrer Reise bereits viele neue Menschen kennengelernt.
Foto: Privat

Sie sind ja derzeit gerade noch vor Ort und fleißig am Sammeln. Wie viel Geld haben Sie bislang schon eingenommen und wohin fließen die Spenden genau?

Das geht komplett an Unicef. Das heißt, ich sammle das gar nicht selber, sondern habe über ihre Internetseite eine eigene kleine Spendenseite eröffnen können. Das Geld fließt direkt an die Organisation. Etwas mehr 1.000 Kilometer fehlen mir noch. Bislang wurden bereits knapp 1.430 Euro gespendet.

Das heißt, das sind schon über ein Drittel, was ich einnehmen wollte, was ich wirklich enorm finde und ich freue mich wahnsinnig darüber, dass so viele Menschen die Spendenaktion unterstützen.

Die Spenden werden auf der Internetseite unicef.de/spendenaktion/idee?cfd=lu0fg gesammelt. Auf ihrem Instagram-Profil „entspannung_im_gepaeck“ teilt Anna Brummel weitere Eindrücke der Reise.