Magdeburg l Beharrlich und mit einem stetigen Rattern frisst sich die Spezialfräse durch den heiligen Boden der Magdeburger Fußballarena: Der alte Rasen kommt raus. Seit Montagfrüh. Es ist nicht irgendein Rasen. Es ist der FCM-Aufstiegsrasen, der die Blau-Weißen in die Profiliga führte und auf dem sie eine sehr erfolgreiche erste Drittligasaison absolvierten.

Jetzt aber muss der alte Rasen runter. Nach zehn Jahren wird es höchste Zeit, weiß auch Steffen Schüller, Chef des städtischen Stadionbetreibers MVGM. Die Stadt lässt sich den neuen Rasen einiges kosten. Rund 247.000 Euro werden in das Projekt investiert. Das alte Spielfeld kam aus Holland. Künftig haben die Magdeburger Kicker und ihre Gäste Rasen made in Süddeutschland unter den Sportschuhen.

Spezialfirma aus Bayern

Fußball spielen können sie ja, die Bayern. Sportrasen kreieren offenbar auch: Eine Spezialfirma aus dem oberbayerischen Waidhofen liefert 8000 Quadratmeter feinsten Rollrasen für das Magdeburger Spielfeld. Er soll auch schon in der Allianz-Arena ausgerollt worden sein, heißt es. Erfolgs-Fußballrasen, wenn man so will. Ein gutes Omen vielleicht für künftige Spitzenleistungen hierzulande? Schüller winkt ab. An solch Gedankenspielchen mag er sich nicht beteiligen. Zaubern kann niemand. Es bleibt ein Fußballrasen.

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Aber: Ein spezieller ist es schon. Besonders strapazierfähiger Sportrasen. Und er ist zu 100 Prozent natürlich. Kein Hybridrasen mit eingearbeiteten Kunststofffasern oder dergleichen. „Beim Sportrasen wie unserem künftigen werden schon andere Gräsersorten mit vielen Ausläufern verwendet“, weiß Reinhard Schäfer zu berichten.

Schäfer ist Prokurist der Schönebecker Firma Keller Tersch, die sich auf Sportplatzbau in ganz Deutschland spezialisiert hat. Hier, in der Heimat des FCM, den Zuschlag für den Rasenaustausch bekommen zu haben, macht Schäfer – selbst natürlich auch Fan vom Club – schon ziemlich stolz.

Mit fünf Arbeitern ist die Firma seit Montag in der MDCC-Arena im Einsatz. Der alte Rasen wird in zwei Etappen abgefräst. Rund 500 Tonnen Abraum sind das am Ende. „Er wird gesiebt und kann auf Nebelflächen woanders wiederverwendet werden“, sagt Reinhard Schäfer.

Rasenheizung bleibt

Insgesamt kommen 6 Zentimeter Oberfläche vom Spielfeld ab. Die Rasenheizung wird nicht angefasst. Sie liegt im sicheren Abstand darunter – bei ca. 30 Zentimetern.

Das Abfräsen soll in dieser Woche erledigt werden, in der kommenden Woche wird dann das neue Grün in 2,20 Meter breiten Bahnen ausgerollt. Ende kommender Woche soll auch das erledigt sein. Der neue Rasen ist dann theoretisch sofort wieder bespielbar.

Mähroboter inklusive

Und wird fleißig wachsen. Da trifft es sich gut, dass im Angebot für den neuen Rollrasen ein Mähroboter inklusive war. Rund einen Meter breit ist er und soll künftig dann in der Woche den wertvollen Rasen schön flach halten. Vor den Spielen wird aber doch noch mal „per Handsteuerung“ darübergemäht. Damit es auch wirklich schön aussieht.

Apropos alter Rasen. Der verschwindet nicht in Gänze in der Fräsmaschine. Der FCM hat sich etliche Stücke gesichert. Den Mittelpunkt zum Beispiel, der bei ebay jetzt zugunsten der Nachwuchsarbeit versteigert wird, aber auch die Elfmeter-Punkte. Wo diese zu haben sind? Stephan Lietzow, beim FCM Leiter für Marketing und Ticketing, will es nicht verraten. „Wir überlegen noch“, sagt er auf Nachfrage.

Ein Stück vom Rasen-Glück

Womöglich gibt es auch hier Aktionen für einen guten Zweck. So könnte der alte Rasen nach seinem jähen Ende auf dem Platz noch was Gutes tun. Außerdem: Ein kleines Stück vom Aufstiegsrasen können Fußballfans als Bonbon obendrauf bekommen, wenn sie sich eine Dauerkarte für die neue Saison im Volksstimme-Service-Center an der Goldschmiedebrücke 15-17 sichern. Der Vorverkauf beginnt in der kommenden Woche.