Restauration

Mecklenburger Wappen schwebt zurück an Magdeburger Anna-Ebert-Brücke

Von Konstantin Kraft
Unter genauer Beobachtung sinkt der tonnenschwere Stein an die Brücke heran.
Unter genauer Beobachtung sinkt der tonnenschwere Stein an die Brücke heran. Foto: Konstanten Kraft

Magdeburg

Zentimeterarbeit war am Mittwoch gefragt, um den rund fünf Tonnen schweren Wappenstein zurück an seinen angestammten Platz an der Nordseite des östlichen Brückenwiderlagers der Anna-Ebert-Brücke zu navigieren. Ein Schwerlastkran war dazu in der Turmschanzenstraße angerückt. Der nachhaltig gesicherte Sandstein passte gerade so durch die Lücke im Baugerüst. Langsam und mit Bedacht senkte sich der an Ösen befestigte Stein, Meter für Meter in Richtung Pfeiler.

Die drei Mitarbeiter der Bauhütte Naumburg behielten das historische Objekt beim kurzen Überflug vom Lastwagen zur Brücke akribisch im Blick. Alles ging glatt. Das Manöver wiederholte sich danach noch einmal. Denn nicht nur der Stein, auf dessen Vorderseite der Stierkopf für das Land Mecklenburg eingehauen ist, sondern ebenso die oben aufliegende steinerne Kronenlage sollte zurück an die Elbüberquerung schweben.

Spezielles Wasserbad und Kompressenentsalzung

Nachdem die Mitarbeiter den Wappenstein im perfekten Lot auf seinem Platz an der Brücke zum Landen gebracht hatten, musste dieser mit Spezialmörtel vergossen werden. So soll er die nächsten Jahre und Jahrzehnte überdauern. Ein freier Blick auf den Stein wird derweil noch etwas auf sich warten lassen. Es stehen nämlich noch umfängliche Konservierungsmaßnahmen am Wappen an, die vor Ort im wieder eingebauten Zustand stattfinden sollen, informiert Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Nachfrage. Überlieferungen zufolge sei der Stein mit dem Mecklenburger Wappen einst vom Bildhauer Hermann Habs erschaffen worden.

Der Wappenstein aus Elbsandstein samt Kronenlage war im Oktober 2019 ausgebaut und anschließend aufbereitet worden. Die Demontage sei nötig gewesen, „da dessen Position infolge früherer Umbauarbeiten von der Original-Position deutlich abwich“. Die Aufarbeitung begann direkt nach dem Ausbau. Zunächst war der Wappenstein von Mörtelresten und Verunreinigungen befreit worden. „Im Anschluss daran wurde er in einem Bad aus deionisiertem Wasser mehrere Tage lang in Verbindung mit mehreren Wasserwechseln entsalzt“, heißt es aus dem Rathaus.

Danach erfolgte eine sogenannte Kompressenentsalzung.  „Dazu wurde der Wappenstein mit einer mehreren Zentimeter dicken Schicht aus Zellulose eingesprüht. Die Zellulose hat dem oberflächennahen Sandstein weiteres, schädigendes Salz entzogen“, so die Erläuterung. Diese spezielle Entsalzung fand ebenfalls auf der Baustelle statt. Dazu war der Wappenstein witterungsgeschützt eingehaust worden. Zuletzt folgte dann eine Festigung der Oberfläche des Monolithen mit Kieselsäureester. Diese Maßnahme fand geschützt auf dem Bauhof der Bauhütte Naumburg GmbH in Schulpforte statt.

Jeder Wappenstein ist einzigartig

Vor dem eigentlichen Einbau des aufbereiteten Wappensteins war das Mauerwerk der Anna-Ebert-Brücke entsprechend der Wappenstein-Geometrie vorgeformt und abgedichtet worden, „so dass künftig von hinten keine Feuchtigkeit in Verbindung mit Tausalzen mehr in den Wappenstein gelangen kann“.

Zum Hintergrund: Insgesamt 24 Wappensteine zieren die fast 140 Jahre alte Anna-Ebert-Brücke über die Alte Elbe. Sie befinden sich auf jedem Pfeilervorkopf des rund 216 Meter langen Brückenzuges. Sie zeigen Tierkreiszeichen, die vier Jahreszeiten und Wappen ehemaliger preußischer Provinzen, durch welche die Elbe fließt. Die Wappensteine haben aber nicht nur eine Funktion als Bauzier. Wenn es durch Hochwasser zu einem hohen Anströmdruck kommt, helfen die Steine aufgrund ihrer großen Masse, die Pfeiler und Widerlagerköpfe der denkmalgeschützten Brücke von 1882 zu stabilisieren.

Hans Heitmann und Hagen Rühlmann passen den Stein millimetergenau und im Lot am Mauerwerk an.
Hans Heitmann und Hagen Rühlmann passen den Stein millimetergenau und im Lot am Mauerwerk an.
Foto: Konstantin Kraft