Magdeburg l Wer schon einmal „in die Röhre“ musste, weiß, dass diese Prozedur zwar nicht weh tut, aber auch nicht gerade angenehm ist. Es ist laut darin und eng. Nichts für Menschen mit Platzangst. Als „Röhre“ wird im Volksmund ein Computertomograph (CT) bezeichnet. Mit einem CT kann ein dreidimensionales (räumliches) Bild vom menschlichen Körper und seinem Innenleben erstellt werden. Der Arzt kann so Erkrankungen, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Tumore, erkennen.

3-D-Bild vom Herzen

Das Uni-Klinikum verfügt nach eigenen Angaben seit kurzem über das weltweit modernste radiologische Diagnosesystem, einen sogenannten SPECT-CT (Single Photon Emission Computed Tomography). Das sind zwei aufwendige Systeme in einem. Mit dem CT kann ein dreidimensionales Bild vom Menschen erstellt werden, mit dem SPECT-Gerät können Bilder von Organen aufgenommen werden, für die dem Patienten vorher ein Kontrastmittel injiziert wurde. Ein Beispiel: Herzuntersuchung. Der Patient bekommt ein leicht radioaktives Kontrastmittel gespritzt, das durch seine Herzkranzgefäße fließt. Das SPECT-Gerät reagiert auf dieses Kontrastmittel und entwirft ein Bild von den Herzkranzgefäßen. Im selben Durchgang wird mit Hilfe des CTs ein 3-D-Bild vom Herzen gemacht. „Für den Patienten hat das vor allem zwei spürbare Vorteile: Die Untersuchungszeit verkürzt sich deutlich.

Weniger Kontrastmittel

Und von Fall zu Fall kann auch die Menge des Kontrastmittels, das injiziert werden muss, verringert werden“, beschreibt Prof. Dr. Michael Kreißl, Leiter des Bereichs Nuklearmedizin am Uni-Klinikum, einen Effekt dieser nuklearmedizinischen Hybridtechnologie. Eine Kontrastmittel-Reduktion von 20 bis 30 Prozent werde möglich und das bei gleichbleibender hervorragender Bildqualität. Die Reduzierung der Aktivitätsmenge sei möglich, da die hier genutzten neuen Detektortechnologien einen deutlichen Vorteil bei der Messung selbst kleiner Radioaktivitätskonzentrationen besäßen, so Dr. Oliver S. Großer, leitender Medizinphysiker in der Uni-Klinik-Nuklearmedizin.

Für den Mediziner – und Diagnostiker – bedeutet dieses weltweit neue System vor allem noch mehr Sicht ins Innere des menschlichen Körpers. „Die mittels SPECT gesammelten Informationen zu Stoffwechselvorgängen und molekularen Veränderungen werden mit den parallel aufgenommenen anatomischen CT-Bildern direkt überlagert“, erläutert Dr. Oliver S. Großer fachgenau die Vorteile der neuen Technologie. Eine Schilddrüsen-Erkrankung etwa ist eine Stoffwechselerkrankung, wird in der Schilddrüse ein Tumor gefunden, wäre das eine anatomische Veränderung.

1,2 Millionen Euro Fördermittel

„Wir können mit dieser neuen Technologie beispielsweise Tumore entdecken, die so klein sind, dass wir sie mit den herkömmlichen Diagnosegeräten kaum gesehen hätten. Das ist sehr wichtig für die Früherkennung von Erkrankungen, weil man dann auch sehr früh behandeln kann“, so Prof. Kreißl.

Herz des SPECT-CTs ist ein Hochleistungsrechner, dessen modernste Diagnose-Software aus den vielen gesammelten Daten aus der Untersuchung das dreidimensionale Bild des Patienten entwirft.

Diese Kombination werde in der Diagnose, der Planung von Behandlungen und der Nachkontrolle nuklearmedizinischer Therapien immer wichtiger. Das gelte etwa für alle Tumorerkrankungen, aber zum Beispiel auch für Durchblutungsstörungen des Herzens, Erkrankungen der Lunge oder bei Knochenstoffwechselproblemen, so Prof. Kreißl. Und da viele Patienten in regelmäßigen Abständen zur Nachkontrolle kommen müssten, bringe die neue Technologie für diese Patienten eine große Erleichterung, da alles schneller und auch sanfter verlaufe.

Forschungskooperation mit Herstellerfirma

Gekostet hat das neue SPECT-CT-Gerät rund 1,2 Millionen Euro - und es ist auch bereits gut ausgelastet, sagte Prof. Michael Kreißl. Die Summe wurde aus dem Förderprogramm des Landes Sachsen-Anhalt für „Großgeräte in Wissenschaft und Forschung“ finanziert. Man freue sich sehr und sei dankbar für diese Förderung, habe die Uni-Klinik so doch als weltweit erste Einrichtung dieses neue SPECT-CT-Gerät anschaffen können. Um den Nutzen des Systems genauer zu analysieren, ist die Uni-Klinik-Nuklearmedizin eine Forschungskooperation mit der Herstellerfirma eingegangen.