Blitzer

Messstellen machen sich bezahlt

Im Herbst 2016 hat der Landkreis Stendal zwei stationäre Blitzer in der Ortslage Erxleben aufgebaut. Sie haben den Verkehr beruhigt.

Erxleben l Am 4. Oktober 2016 stellte der Landkreis die beiden Blitzer an der Erxlebener Ortsdurchfahrt scharf. Dass die stationären Messstellen den Durchgangsverkehr „überwachen“, mache sich durchaus bemerkbar, sagt Heiko Fischer (56). „Sie haben etwas gebracht“, schätzt auch Karl Lux (77) ein. „Mit Einschränkungen“, fügt er hinzu. Lux wünscht sich, „dass die Blitzer ständig in beide Richtungen messen. Das wäre ideal.“
Gemeinsam mit Heiko Fischer zählt Karl Lux zu den Erxlebenern, die über Jahre hinweg auf die Einrichtung der stationären Messstellen gedrängt haben. Anfangs im Rat der damals noch eigenständigen Gemeinde Erxleben, später innerhalb einer Bürgerinitiative, forderten sie vom Landkreis die Blitzer ein, um Temposündern das Rasen durch das Dorf zu verleiden. Zunächst führte das Geduldsspiel lediglich zu digitalen Geschwindigkeitsanzeigern, die nicht wirklich zu einer Verkehrsberuhigung beitrugen. Als sich aber im Sommer 2014 die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Marina Kermer einklinkte, habe die Initiative für die zwei Dauer-Blitzer Fahrt aufgenommen. m Frühjahr 2016 stellte der Stendaler Kreistag schließlich die entscheidenden Weichen für die Messstelle, die tatsächlich Wirkung zeigen.
Das belegen Zahlen aus dem Stendaler Landratsamt. Danach wurden in den zurückliegenden drei Jahren von den beiden Blitzern stetig weniger Geschwindigkeitsverstöße festgehalten. Schalteten sich die Messstellen im Jahr 2018 bei insgesamt 12904 Tempoübertretungen ein, waren es 2019 noch 9032. Im Jahr 2020 wurden 5847 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert, „wobei bedingt durch die Beschränkung aufgrund der Corona-Pandemie auch weniger Verkehr auf der B 189 herrschte“, ordnet Kreissprecher Edgar Kraul ein.
Weniger Tempoverstöße, im Gegenzug fuhren Raser in den zurückliegenden Jahren in Erxleben stetig neue „Geschwindigkeitsrekorde“ heraus. Lag der Spitzenwert 2018 bei 102 km/h, war der schnellste Temposünder ein Jahr später mit 110 km/h durch Erxleben unterwegs. 2020 rauschte ein Fahrer sogar mit sage und schreibe 122 „Sachen“ durch das Dorf. Diese erheblich über den erlaubten 50 km/h liegenden Verstöße landen auf dem Tisch der zentralen Bußgeldstelle in Magdeburg, die im Verwarngeldbereich liegenden Überschreitungen bleiben dagegen beim Landkreis. Sie spülten in den zurückliegenden drei Jahren insgesamt 375040 Euro in seine Tasche. 2018 nahm der Landkreis 162685 Euro an Verwarngeldern ein, 2019 waren es 129700 Euro. Im Jahr 2020 wurden schließlich Verwarngelder in Höhe von 82640 Euro fällig, zeigen die Zahlen aus dem Landratsamt auf.
Nicht alle Temposünder nehmen es einfach so hin, ins Visier der Blitzer-Objektive zu geraten. So wurden die Säulen bereits beschmiert, an einem frühen Morgen im Oktober 2020 schlug sogar eine maskierte Person mutmaßlich mit einem Baseballschläger auf eine der beiden Säulen ein. „Das ist sehr ärgerlich. Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Messstellen nur zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger dort aufgestellt wurden“, sagt Edgar Kraul. Bislang blieben die Urheber der Schmierereien und Zerstörungen anscheinend unerkannt. So sei jedenfalls der Wissensstand des Landkreises, machte Kraul deutlich.
Für manche ein Ärgernis, für Erxleben selbst haben sich die Messsäulen ausgezahlt. Keine Frage, „es ist besser als in der Zeit vor den Blitzern. Damals ist der Verkehr quasi ungebremst durch unser Dorf gebrettert“, sagt Heiko Fischer. Und trotzdem könnte der Landkreis noch mehr unternehmen, um die Zahl der Raser weiter einzudämmen, stimmt er Karl Lux zu. Eben durch ein ständiges Messen in beide Richtungen. Es sei leider häufig zu beobachten, dass Fahrer, vermutlich dank einer entsprechenden Warn-App, die Blitzer in der erlaubten Geschwindigkeit passieren nur um anschließend aufs Gaspedal zu treten „und eine schwarze Wolke zurückzulassen.“ Ohnehin stellen sich Lux und Fischer die Frage, welche Mengen an Schadstoffen von den Autos und dem nach ihrer Einschätzung immer mehr zunehmende Lkw-Verkehr im Dorf ausgestoßen würden. Auch da sei der Landkreis in der Pflicht, sind sie sich einig.
Von diesem Problem abgesehen gehen Heiko Fischer und Karl Lux davon aus, dass die Ortslage Erxleben erst mit der Fertigstellung der Nordverlängerung der Autobahn 14 eine deutliche Verkehrs-Entlastung verspüren dürfte. Bis dahin sollen die Blitzer dazu beitragen, den Verkehr zu beruhigen. Und möglichst ständig in beiden Richtungen die Geschwindigkeit überwachen.