Magdeburg l Was war das für ein himmlisches Ereignis im Frühjahr 2015 über Magdeburg! Tausende Elbestädter richteten bei der totalen Sonnenfinsternis am 20. März den Blick nach oben, als sich die Sonne zur besten Mittagszeit in eine schwarze Scheibe verwandelte und alles in ein mystisches Licht tauchte. Die Astronomische Gesellschaft Magdeburg (AGM) hatte gemeinsam mit dem Otto-von-Guericke-Zentrum zum „Sofigucken“ an der Lukasklause eingeladen. Es wurde ein Naturschauspiel für Hunderte Teilnehmer.

Zeitsprung ins Jahr 2018: Für Sterngucker aus Magdeburg wird auch dieses ein ganz besonderes Jahr, verspricht René Neumann von der Astronomischen Gesellschaft. Denn es gibt gleich mehrere kosmische Ereignisse, auf die sich Astrofans schon jetzt freuen dürfen.

Mondfinsternis 2015 am frühen Morgen

Mit Mondfinsternissen (Mofi) zu günstigen Beobachtungszeiten waren die Magdeburger in den letzten Jahren nicht sonderlich verwöhnt. Die letzte totale Mofi liegt zwar gerade mal knapp zweieinhalb Jahre zurück. Doch diese Finsternis, bei der sich die Erde zwischen Sonne und Vollmond schiebt, vollzog sich am 28. September 2015 zu höchst unchristlicher Zeit. Zwischen 4.11 und 5.24 Uhr versteckte sich der Mond genau im Kernschatten der Erde.

Bilder

Viele haben das schlicht verschlafen. Nur hartgesottene Astrofans wie die von der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg ließen sich das kosmische Ereignis natürlich nicht entgehen. So entstanden beeindruckende Bilder, die auch auf der Homepage des Vereins zu bewundern sind und erahnen lassen, was Ende Juli 2018 nun live zu sehen sein wird.

Nächste Mondfinsternis am 27. Juli 2018

Einzig das Wetter muss mitspielen und der Himmel möglichst wolkenfrei bleiben. Ansonsten herrschen beste Voraussetzungen für eine Jahrhundert-Mondfinsternis, wie sie Experten für den Abend des 27. Juli 2018 voraussagen. Das Seltene daran: Die totale Finsternis liegt zeitlich diesmal äußerst günstig.

Wenn an dem lauen Sommerabend an dem Freitag die Sonne untergeht, hat der Mond seinen großen Auftritt. Mit einer Dauer von etwa 103 Minuten wird sie die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Allerdings geht der Mond für die meisten Orte in Deutschland schon verfinstert auf. Doch die Totalität kann praktisch in voller Länge beobachtet werden. „Da bleibt genügend Zeit, das Himmelsspektakel zu genießen“, meint René Neumann.

Roter Mond wirkt wie Apfelsine

Beginn der Totalität ist um 21.30 Uhr, das Ende um 23.14 Uhr. Die maximale Verfinsterung wird um 22.22 Uhr sein. Wobei es das Wort „Verfinsterung“ nicht so recht trifft, denn der Mond wird sich spektakulär verfärben. Er erscheint etwas über dem Horizont als roter Mond. „Er sieht aus wie eine große Apfelsine“, macht René Neumann neugierig.

Das Farbspiel entsteht durch Streulicht der Sonne, das durch die Erdatmosphäre hindurch auf den Mond fällt. Nur die langwelligen, roten Anteile des Sonnenlichtes schaffen es durch die Lufthülle der Erde.

Mars auf Kuschelkurs

Diese Mondfinsternis wird noch aus einem anderen Grund ganz besonders, denn Sterngucker können bei dieser Gelegenheit auch gleich die sogenannte Mars­opposition bewundern. Unser Nachbarplanet geht nämlich genau zu dieser Zeit auf „Kuschelkurs“ zur Erde und kommt ihr auf rund 57 Millionen Kilometer nah. „Im Durchschnitt sind es sonst rund 100 Millionen Kilometer“, sagt René Neumann.

Im Jahr 2003 gab es zum letzten Mal eine solche Annäherung. Der rote Planet erreicht dieses Mal auch fast seine größte überhaupt mögliche Helligkeit (-2.8 mag). Das gesamte Schauspiel spielt sich recht nah über dem Horizont in der Dämmerung ab – ideal also auch für Naturfotografen, so weisen Experten hin.

Astronomische Gesellschaft lädt ein

Die Marsopposition ist im ganzen Juli und bis etwa Mitte August zu bestaunen, weiß René Neumann. Doch im Zusammenspiel mit der Mofi am 27. Juli wird das natürlich ein doppelt spannendes Ereignis. „Wir sind auf jeden Fall da und werden ganz sicher auch zur Beobachtung einladen“, sagt der Vertreter der Astronomischen Gesellschaft. Muss also nur noch Petrus mitspielen.

Freien Blick auf den Nachthimmel darf man sich auch für den August 2018 erhoffen. Denn in diesem Jahr hält der Sternschnuppenmonat einen spektakulären Höhepunkt bereit. Um den 12. August wird es besonders viele Sternschnuppen auf die Erde regnen.

Sternschnuppen besser sichtbar

Es sind nicht unbedingt mehr als sonst (bis zu 100 in der Stunde), aber sie werden einfach besser mit bloßem Auge sichtbar sein. Und das liegt daran, dass dann gerade Neumond ist. So fällt unser Erdtrabant als Störfaktor weg und auch schwächere Meteore werden sichtbar.

Den sommerlichen Sternschnuppenregen verdanken wir den Perseiden – einem Meteorstrom, der vom Kometen 109P/Swift-Tuttle stammt. Der Komet zieht die Meteore aus Sand, Staub und Steinchen hinter sich her. Bei ihrem Weg um die Sonne kreuzen die Perseiden einmal im Jahr die Bahn der Erde. Und sobald die Meteoriten in die Erdatmosphäre eintreten, glühen sie wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und der Reibungswärme auf und verdampfen anschließend. In dem Moment können wir sie als Sternschnuppen sehen.

Himmlische Aussichten also für 2018. Eine Einstimmung darauf bietet die Astronomische Gesellschaft am 21. Februar mit einem Vortrag im Vereinssitz in der Rötgerstraße 8 an.