Magdeburg l Die Geschichte rund um den Neuerwerb des Museums ist eine Aneinanderreihung glücklicher Umstände. Museumsleiterin Gabriele Köster ist noch immer ganz begeistert. Den Anfang machte eine Mail an das Museum: Robert E. Baensch meldete sich darin aus New York. Er stammt ursprünglich aus Magdeburg, zog als Teenager in die USA. Sein Vater, ein Radiologe, hatte dort eine Professur erhalten.

Im Besitz von Robert E. Baensch befanden sich Gemälde, die er aus einem anderen Familienzweig geerbt hatte und die nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA verschifft worden waren. Die Bilder zeigen den Magdeburger Kaufmann Friedrich August Simon Morgenstern (1772-1844), dessen zweite Ehefrau Louise Albertine sowie die jüngste Tochter Morgensterns, Mathilde.

Förderverein unterstützt finanziell

Robert E. Baensch, mittlerweile selbst in fortgeschrittenem Alter, schrieb in der Mail, dass er es angebracht fände, dass die Bilder wieder nach Magdeburg zurückkehren sollten – ins Museum. „Diese lange Verbundenheit mit Magdeburg hat uns sehr gefreut“, sagt Gabriele Köster. Mit der Hilfe des Fördervereins des Museums konnten die Gemälde gekauft und deren Transport an die Elbe finanziert werden. Einen niedrigen vierstelligen Betrag habe das gekostet. Vor zwei Wochen sind sie angekommen.

Bilder

Die Gemälde erzählen ein Stück Stadtgeschichte und vervollständigen ebenso die Porträtsammlung von Magdeburger Persönlichkeiten des Museums. Ein Bildnis vom Sohn Morgensterns, der Vaters lukrative Firma, ein Handel mit Wein, Indigo und Farben, übernommen hatte, befindet sich bereits im Besitz des Museums. Bei den Recherchen zu Vater Morgenstern und seiner Familie half dem Museum ein weiterer glücklicher Umstand: „Der Bruder von Friedrich August Simon Morgenstern war ein berühmter Philosoph und Philologe. Ein junger Wissenschaftler hat sich mit ihm und seiner Familie beschäftigt. Durch ihn und eigene Recherchen in Archiven konnten wir viel erfahren“, sagt Gabriele Köster.

Und zu guter Letzt passt der Neuerwerb perfekt in die bevorstehende Sonderausstellung. In „Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts“ zeigt das Museum ab dem 30. Oktober 2020 Porträts von Magdeburger Persönlichkeiten. Gemälde von Frauen und Männern der Elbestadt. Von Bürgermeistern, Räten, Kaufleuten und anderen Persönlichkeiten der gehobenen Klasse, die sich solche Selbstbildnisse hatten damals leisten können. Selfies aus der Vergangenheit und deren Geschichte also.

Ausstellung für ehemalige Magdeburger

Wer wurde porträtiert und warum? Wer waren die dargestellten Menschen? Wer ist in Vergessenheit geraten? Diesen und weiteren Fragen geht die Sonderausstellung für etwa 100 ehemalige Magdeburger, die in einer Zeit des sprunghaften industriellen Aufstiegs der Stadt hier lebten und tätig waren, nach. Der Katalog zur Ausstellung musste nun durch den Neuerwerb „in einer Hauruckaktion“ aktualisiert werden, erzählt Gabriele Köster.

Die Morgensternschen „Selfies“ werden aktuell noch in der Museumswerkstatt von Restaurator Tilman Krause aufgearbeitet. Pünktlich zur Sonderschau sollen sie fertig sein. Darauf freut sich auch schon Sabine Ullrich vom Vorstand des Fördervereins: „Wir sind sehr froh, dass wir das Museum bei dem Ankauf unterstützen konnten. Es ist eine nachhaltige Investition, sehr gut angelegtes Geld für Magdeburg.“