"Sie hat für ein besseres Leben gekämpft"

Nach Selbstanzündung auf dem Alex in Berlin: Trauer um Transfrau Ella

Ella flüchtete aufgrund ihrer Transidentität aus dem Iran und lebte viele Jahre in Magdeburg. Am 14. September 2021 übergoss sie sich auf dem Berliner Alexanderplatz mit Benzin und zündete sich an. Die 40-Jährige starb. Am Freitag, 24. September 2021, findet in Magdeburg eine Gedenkveranstaltung für sie statt.

Von Karolin Aertel 23.09.2021, 17:20 • Aktualisiert: 24.09.2021, 12:43
Mit einer Gedenkveranstaltung soll in Magdeburg an die 40-jährige Transfrau Ella, die sich in Berlin das Leben nahm, erinnert werden.
Mit einer Gedenkveranstaltung soll in Magdeburg an die 40-jährige Transfrau Ella, die sich in Berlin das Leben nahm, erinnert werden. Symbolfoto: imago images

Berlin/Magdeburg - Trauer um die Magdeburger Transfrau Ella. Die 40-Jährige, die vor etwa fünf Jahren aufgrund ihrer Transidentität aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet war, hat sich am Dienstag vergangener Woche auf dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte selbst angezündet. Wortlos habe sie sich mit einer Flüssigkeit aus einem Benzinkanister übergossen und in Brand gesetzt, teilte die Berliner Polizei mit.

Ein Mitarbeiter des Kaufhauses habe sie mit einem Feuerlöscher gelöscht und die Rettungskräfte alarmiert. Doch die Verletzungen waren so schwer, dass sie ihnen erlag. Eine politische Motivation wurde zunächst ausgeschlossen. Aktuell liege der Fall aufgrund eines Todesermittlungsverfahrens bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

Teilnehmer einer Trauerkundgebung am Alexanderplatz formulierten offen, dass es die tagtäglichen Demütigungen waren, die sie in den Suizid getrieben haben sollen. Ella lebte zuletzt in Berlin, wo sie hoffte, in einer weltoffenen Stadt glücklich zu werden, wie Matthias Fangohr vom Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt (LSVD) erzählt.

Sie sei in Magdeburg sehr engagiert und bekannt gewesen. Mit den fünf Sprachen, die sie sprach, habe sie Flüchtlingen und Migranten im Sprachcafé geholfen. Auch unterstützte sie queere Geflüchtete im Regenbogencafé. „Sie wirkte lebenslustig. Doch in ihr muss es anders ausgesehen haben. Sie hat viel mitgemacht, war Diskriminierung und Erniedrigung ausgesetzt.“

Menschen, [...], stehen fassungslos vor ihrer letzten Botschaft.

Etwas, das auch die Bewohner des soziokulturellen Wohnprojektes Thiembuktu in Buckau benennen. In ihrer Beileidsbekundung auf Facebook schreiben sie: „Wir haben Ella als Freundin, Aktivistin und auch Mitbewohnerin im Thiembuktu kennengelernt. Ella hat für ein besseres, ein menschlicheres Leben gekämpft - für sich und für andere! In einer Welt, in der es für Ella häufig nicht selbstverständlich einen Platz gab, in der ihr Sein hinterfragt und angegriffen wurde, hatte sie dennoch die unglaubliche Kraft andere Menschen mit ihrem großen Herzen, ihrem Lachen und ihrem Engagement zu unterstützen und zu inspirieren. Wir werden Ella in Erinnerung halten. Ihr vorzeitiger Tod macht uns bewusst, dass wir weiter für eine gerechtere, menschliche und offene Gesellschaft eintreten müssen.“

Und auch der Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt macht in seiner Einladung zur Gedenkveranstaltung deutlich: „Wir trauern um sie und wissen auch, dass dieses Leben ihr nicht leicht gefallen ist. Deutschland, das Land ihrer Träume, hat sie viel zu oft im Stich gelassen, ihre Hoffnungen und Wünsche haben sich trotz ihrer langjährigen Kämpfe nicht erfüllt, woran sie letztendlich zerbrach. Viele Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet und auch unterstützt haben, stehen fassungslos vor ihrer letzten Botschaft.“