Magdeburg l Das Auge isst bekanntlich mit. Wenn Frank Ochmann gekocht hat, isst man hingegen das Auge mit. In seiner Pfanne landet alles, was krabbelt, kriecht und fliegt. Er ist Insektenkoch und bereitete schon für Teilnehmer der TV-Show „Das Dschungelcamp“ allerlei „Ekelhaftes“ zu.

Im Rahmen der Langen Woche der Nachhaltigkeit verköstigte er nun auch Studenten auf dem Unicampus Magdeburg. Auf der Speisekarte: Schwarzkäferlarven mit Ingwer und Chili, Wüstenheuschrecken und Mittelmeergrillen mit Kräuteröl und Knoblauch ebenso wie Mehlwürmer mit Meersalz und Limette.

Koch auf Streetfood-Märkten unterwegs

Die Reaktionen der Studenten reichten von angewiderten Gesichtsentgleisungen bis hin zu begeisterten Geschmacksbekundungen. Frank Ochmann, der mit dem Insektenallerlei auch auf Streetfood-Märkten unterwegs ist, beobachtet: „Wer kostet, macht erst mal ein Zitronengesicht, kaut, entspannt, schaut seine Leute an und sagt: voll lecker.“

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Studentin Isabel Harriehausen (25) machte da keine Ausnahme. Mit „schmerzverzerrtem“ Gesichtsausdruck steckte sie sich zögerlich ein paar Mehlwürmer in den Mund. Nach vorsichtigem Kauen stellt sie fest: „Nicht schlecht.“ Es schmecke etwas nussig. „Wenn man nicht darüber nachdenkt, was man da grad isst, ist es eigentlich lecker.“

Magdeburger student kostet Larven

Auch Kevin-Maik Kaempfer (25) war überrascht. Die Schwarzkäferlarve schmecke ein bisschen nach Stall oder Ziegenkäse und die Grille irgendwie grasig und geröstet. „Ich habe vielleicht aus Versehen eine Fliege, bewusst aber noch nie Insekten gegessen. Wenn man den Gedanken verdrängt, dass man gerade das isst, was man sonst ekelig findet, geht es eigentlich.“

Und gesund sei das Krabbeltierallerlei auch, erklärt der Insektenkoch. Denn das Eiweiß sei wesentlich hochwertiger. Nicht zu vergessen, dass Insekten reich an Vitaminen und Mineralien wie bspw. Eisen, Calcium, Kupfer, Magnesium und Zink sind.

Heuschrecken schmecken nussig

Der Insektenkoch selbst isst am liebsten Heuschrecken. Diese erinnerten im Geschmack an Hähnchen mit einer leichten Nussnote im Nachgang. Mehlwürmer, die für ihn wie Erdnusschips schmecken, gebe es im Haus Ochmann anstelle von Croutons im Salat. Im Kochtopf landeten aber auch schon Taranteln, Wasserwanzen und Skorpione. Er bereitete Quallensalat und Tausendjährige Eier zu. Das allererste Insekt, das er aß – abgesehen von einem Mehlwurm als Mutprobe in der Kindheit – war ein Tausendfüßler auf Hawai.

Ekeln würde er sich inzwischen vor nichts mehr. Seit 16 Jahren koche er derart Exotisches. Das Thema Nachhaltigkeit habe ihn dazu gebracht.

Insektenzucht schont Ressourcen

Insektenzucht sei wesentlich ressourcenschonender und umweltverträglicher. Insekten seien eine gesunde Alternative zu Fleisch und Fisch – eine nachhaltige Proteinquelle der Zukunft. Auch wenn Ochmann hofft, dass Insekten bald in aller Munde sein werden, heißt das nicht, dass man loszieht und sie fängt. Ähnlich wie bei Pilzen können Insekten Schwermetalle enthalten. Und man wisse ja nicht, wo die vorher waren und ob sie nicht etwas Pestizidverseuchtes gefressen haben.

Ochmann hole seine Krabbeltierchen daher von einer Insektenfarm nahe Berlin. Garantiert bio, gesund und nachhaltig. Essen mit Köpfchen also.