Magdeburg l Wer durch den Garten von Dirk Montag geht, erkennt, welcher Gedanke hinter seinem Vorschlag steckt: Vor zwölf Jahren hat er auf dem Grundstück in Magdeburg sein Haus gebaut. Damals musste das komplette Gelände beräumt werden, nichts wuchs mehr. Und heute, ein kleines Paradies aus stattlichen Bäumen und Hecken.

„Wir haben in unserem Garten keinen Baum gepflanzt“, sagt Dirk Montag. Sieht man sich dort um, fällt es im ersten Augenblick schwer, das zu glauben. Montags erfolgreiches Prinzip: Bäume sähen sich selbst aus, und das in sehr großem Umfang. Das könne man nutzen. „Werden Brachflächen sich selbst überlassen, sind sie nach relativ kurzer Zeit von Baumkindern übersät“, sagt Dirk Montag.

Geduld mit der Natur

Die Natur reproduziere sich selbst. Es braucht nur ein wenig Geduld. Im Laufe der Jahre hat Montag immer nur die Baumwinzlinge aus seinem Garten entnommen, die er nicht brauchte. So sind Baumreihen und Hecken entstanden. Die verschiedenen Höhen bieten eine abwechslungsreiche Gartenlandschaft.

Dieses natürliche Füllhorn könne auch für den Ausgleich von Baumfällungen in Magdeburg genutzt werden. „Die Stadt muss Tausende Bäume nachpflanzen, die durch Bauprojekte oder durch das Laubholzbockkäfer-Problem gefällt werden mussten. Pro Baum fallen dabei Kosten von rund 600 Euro an“, rechnet Dirk Montag vor. Werde das natürliche Potenzial auf Brachflächen in der Stadt intelligent genutzt, könnte das Problem wesentlich preisgünstiger gelöst werden.

Magdeburger könnten Flächen betreuen

Und Dirk Montag geht noch einen Schritt weiter. Die Stadt Magdeburg könnte auch Flächen ausweisen, die von den Bürgern betreut werden könnten. Dort sei es dann auch möglich, dass der Prozess durch Baumsetzlinge beschleunigt und verstärkt werden könnte. „Ein Baum­setzling kostet im Fachhandel etwa einen Euro. Leute könnten sich zusammentun, Setzlinge kaufen, sie auf Brachflächen anpflanzen und auch über einen längeren Zeitraum betreuen“, regt Dirk Montag ein bürgerschaftliches Baum-Projekt an.

Er selbst würde sogar mit gutem Beispiel vorangehen und 1000 Setzlinge kaufen und auf einer Brachfläche, die die Stadt vorschlägt, pflanzen. Dirk Montag ist sich einigermaßen sicher, dass sich Magdeburger finden werden, die so ein Projekt gern unterstützen würden.

Bäume erfüllen wichtige Funktion

Eine Volksstimme-Anfrage dazu bei der Stadt ergab, dass das Rathaus den Vorschlag „grundsätzlich für eine gute Idee“ hält, wenn es nur um „Masse“ ginge, so Pressesprecherin Kerstin Kinszorra. „Bäume erfüllen in einer Stadt, insbesondere in Ballungsräumen, auch noch andere Funktionen. Sie sind wichtig für das innerstädtische Klima (Temperatur, Feuchte, Staub), bieten Lebensraum für stadtbewohnenende Tiere, verschönern das Stadtbild, dämpfen den Schall und produzieren Sauerstoff, um nur die wichtigsten Punkte zu benennen“, erklärte die Rathaussprecherin. Darum sei es wichtig, dass auch gezielt größere Straßenbäume gepflanzt würden.

Für Dirk Montag schließt das eine das andre nicht aus. Allerdings sieht er auf die Stadt hohe Kosten zukommen, sollen alle Bäume, die im Stadtgebiet verloren gegangen sind, ersetzt werden. Tatsächlich räumte OB Lutz Trümper während einer Debatte im Stadtrat im März 2019 ein, dass zwischen 2012 und 2018 in Magdeburg 15.000 Bäume gefällt, dagegen aber nur 9000 Bäume nachgepflanzt worden seien. Allerdings arbeite die Stadt daran, das Ungleichgewicht so schnell wie möglich auszugleichen.

Für positive Baumbilanz sorgen

Das Defizit von 6000 Bäumen rechnet Dirk Montag bewusst provokant hoch: 6000 Bäume mal 600 Euro pro Stück, das ergebe einen ganz ordentlichen Betrag für die Stadtkasse. Sein Brachflächen- und Setzling-Vorschlag könnte seiner Meinung nach schneller für eine positive Baumbilanz in Magdeburg sorgen.