Stadtfeld-Ost l Initiatorin Hannah Umutoni Mugarago wirft der Mohren-Apotheke in einem Offenen Brief vor, dass deren Name rassistisch belegt sei. Der Name reproduziere rassistische Sprache. Mohr sei ein abwertender und rassistisch geprägter Begriff, der von Großteilen der schwarzen Community in Deutschland abgelehnt werde. Sprachgeschichtlich stamme ihrer Meinung nach das Wort Mohr vom griechischen Moros ab, was für „stumpf, töricht und dumm“ stehe. Auch die Herkunft aus dem Lateinischen Maurus für „dunkel, mauretanisch und afrikanisch“ sei eine Deutung.

Das Wort werde überwiegend rassistisch verwendet, argumentiert sie weiter. Dass Apotheken nach den Mauretaniern benannt sein sollen, die pharmazeutisches Wissen nach Europa brachten, sei irrelevant, weil dieser Fakt der Bevölkerung weitgehend unbekannt sei und nichts an der negativen Besetzung des Wortes ändere.

Einrichtung musste schon mal Namen ändern

Die Initiatorin Mugarago lebt nach eigenen Angaben seit vier Jahren in Magdeburg und studiert hier. Politisch engagiere sie sich bei der „Seebrücke“. Der Zusammenschluss ist eine internationale Bewegung für die Seenotrettung von Flüchtlingen. Die Vereinigung hat auch schon in Magdeburg Aktionen abgehalten.

Andreas Wallbaum ist Inhaber der Apotheke und kennt den Offenen Brief aus dem Internet. „Unser Name ist nicht abwertend gemeint, sondern geht darauf zurück, dass Kaspar von den Heiligen Drei Königen Myrrhe als Heilkraut mitbrachte.“ Im Kundenkontakt spiele der Name so gut wie keine Rolle. Der Offene Brief sei zwar durchaus Anlass, nachzudenken. Eine Änderung sei aber mit enormen Kosten und Aufwand verbunden und deshalb auch nicht geplant.

Kurios: Die Apotheke musste schon einmal den Namen wechseln. Seit 1899 in Stadtfeld ansässig und seit Generationen in Familienhand mussten Wallbaums Großeltern den ursprünglichen Namen „Kronen-Apotheke“ nach dem Zweiten Weltkrieg ändern. „Kronen-Apotheke“ habe die DDR-Behörden zu sehr an die Monarchie erinnert, erzählt Wallbaum. So sei aus der Kronen- die Mohren-Apotheke geworden.

Frage bleibt strittig

Aber ist der Name nun rassistisch oder nicht? Das dürfte strittig bleiben. Krzysztof Blau, ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter der Stadt Magdeburg, sagt: „Kritik an diesem oder anderen Namen oder Bezeichnungen in Magdeburg ist an uns noch nicht herangetragen worden. Aber eine Debatte darüber lohnt, weil Rassismus auch schon in Sprachen und Bezeichnungen Ausdruck finden kann.“ Zudem stehe Magdeburg vor der großen Aufgabe, Integration zu ermöglichen und solle dabei nicht die alten Fehler der Vergangenheit erneut begehen.

Die Deutsche Apothekerzeitung hatte schon 2016 über die Wortherkunft berichtet, nach der sich „Mohr“ oder „Mohren“ vom lateinischen Begriff „Maurus“ ableite. Es bezeichne die Bewohner der ehemaligen römischen Provinz Mauretanien im heutigen Nordafrika, die Kenntnisse aus den Bereichen Medizin und Pharmazie nach Europa brachten.

Thomas Rösler, stellvertretender Vorsitzender des Landesapothekerverbandes, erklärt: „Wir beschäftigen uns mit solchen Fragen. Eine abschließende Bewertung gibt es aber noch nicht.“

Fünf Apotheken in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt-weit gibt es übrigens außer in Magdeburg auch in Halle, Zeitz, Eisleben und Köthen Apotheken, die „Mohr“ in irgendeiner Form im Namen führen. Zumindest in Halle muss sich Inhaberin Dr. Anna-Carolin Freydank auch gelegentlich zum seit 1894 bestehenden Namen erklären. „Wir haben da einige Aktivisten. Mit denen sind wir aber im guten Gespräch.“ Eine Umbenennung stehe nicht an, sei praktisch auch äußerst schwer umsetzbar. Auf ihrer Internetseite erklärt sie außerdem umfangreich Herkunft, Tradition und Umgang mit dem langjährigen Namen der Apotheke.

Welche Folgen hat nun der Offene Brief? Initiatorin Mugarago will die Resonanz und die Reaktion der Apotheke weiter abwarten und sich gegebenenfalls noch stärker an die Öffentlichkeit wenden. Kontakt zum Apotheken-Inhaber Andreas Wallbaum habe es bereits sowohl schriftlich als auch telefonisch gegeben. Nach ihren Angaben sei man aber nicht auf einen Nenner gekommen. Apotheker Wallbaum nannte den Charakter des Austausches eher „normal“, ohne sich inhaltlich äußern zu wollen.

Auch in Berlin wird eifrig debattiert

Diskutiert wird über solche Namensfragen deutschlandweit seit Jahren. Manche Apotheken benannten sich um, manche nicht.

Eine aktuelle Debatte läuft übrigens gerade auch in Berlin. Dort hatte dieser Tage die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG angekündigt, den U-Bahnhof Mohrenstraße in Glinkastraße umbenennen zu wollen. Der Berliner Senat pfiff die Gesellschaft aber erst mal zurück. Vor einer Änderung müsse eine ausführliche Debatte stehen, berichten Berliner Medien.

Wie schwer das alles ist, zeigt auch der neue Namensvorschlag der Verkehrsgesellschaft. Dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka, der von 1804 bis 1857 lebte und in Berlin starb, wird Antisemitismus in seinem Schaffen vorgeworfen.

Der U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin und die Mohren-Apotheke in Magdeburg bleiben also – zumindest vorerst.