Magdeburg l Fünf Jahre gibt es den Hackerspace „Netz39“ in der Leibnizstraße 32 in Magdeburg nun schon und immer noch haben die Hobby-Bastler mit Vorurteilen zu kämpfen. „Kann ich hier hacken?“, fragt ein Grundschüler, der plötzlich zur Tür hereinspaziert. „Nur die legalen Sachen“, antwortet Tatjana Ruhl kurz, Vorstand des „Netz 39“. „Ich hab zwei Handys und will das eine hacken“, erklärt der Grundschüler. „Wem gehört das zweite Handy?“, fragt Tatjana nach. Es gehöre seinem Bruder, gesteht der Junge. Also ist es nicht erlaubt.

 „Die Situation ist exemplarisch für das, was viele immer noch unter hacken verstehen“, erläutert Tatjana. Dabei gebe es noch eine zweite Bedeutung: Dinge kreativ einsetzen, nicht nach der Anleitung handeln, sondern eigene Wege gehen, neue und vielleicht bessere Lösungen für verschiedene Probleme finden.

Viel mehr Werkzeuge

Im Hackerspace geht es um Technik. „Technik ist aber ein weit zu fassendes Thema“, betont Oskar Kirmis, ebenfalls Vorstandsmitglied. „Es geht auch nicht nur darum, dass wir etwas basteln, sondern, dass wir auch unser Wissen weitergeben“, ergänzt Oskar. „Ja, egal auf welchem Level man arbeitet, hier kann man noch unglaublich viel dazulernen“, findet Sebastian Heerwald, das dritte Vorstandsmitglied. Der 23-Jährige ist fast von Anfang an mit dabei. „Wir haben jetzt wesentlich mehr eigene Werkzeuge“, beschreibt Sebastian die jetzige Situation. CNC-Fräse, 3-D-Drucker, Lötarbeitsplatz: „Dafür haben wir aktuell ein Oszilloskop angeschafft, ein Messgerät zur optischen Darstellung elektrischer Spannungen“, berichtet Oskar. Das habe den Verein 800 Euro gekostet.

 „Solche Anschaffungen entscheiden wir zusammen im Plenum“, erklärt Sebastian. Im Plenum kann jedes Mitglied sein Thema vorstellen und Argumente für die Anschaffung vorbringen. „Außerdem gibt es mittlerweile eine Projektförderung. Mitglieder müssen ein Konzept erarbeiten, dann bewilligen wir Kosten für spezielle Projekte. So haben wir einen Foto-Workshop finanziert oder Materialien für unseren Nähkurs bezahlt“, sagt Tatjana.

Noch junge Leute gesucht

„Eine weitere Veränderung ist, dass wir jetzt deutlich weniger Studenten sind als noch bei der Gründung 2012“, so die 33-Jährige weiter. „Einerseits haben wir so mehr Geld zur Verfügung, andererseits gibt es weniger Zeit, die unsere Mitglieder für Workshops und andere Projekte haben“, bewertet Tatjana die Situation. Die Mitgliederzahl sei leicht gestiegen und jetzt stabil bei 50 Mitgliedern geblieben, berichten die Vorstandsmitglieder. „Es wäre toll, wenn wir noch ein paar junge Leute für unsere offene Werkstatt begeistern könnten“, findet Tatjana.

Besuch vom Verfassungsschutz

Von den Mitgliedsbeiträgen soll das Space weiter ausgebaut werden. „Wenn wir die Tür aufmachen, dann gehen automatisch die Rollläden hoch. Später soll dann im Winter auch die Heizung angehen. Wir haben große Pläne“, erklärt Sebastian. Außerdem soll es vermehrt Veranstaltungen geben. „Unser letzter Gast war ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes“, erzählt Tatjana. „Das war Völkerverständigung!“, ergänzt sie lachend. „Generell wollen wir uns weiterhin mit Fragen beschäftigen, bei denen so mancher vielleicht ruft: Pack deine Aluschüssel wieder ein“, formuliert Oskar ein weiteres Ziel schmunzelnd. Der Hackerspace wird wohl auch in Zukunft ein bisschen nerdig bleiben.

Ebenfalls in Planung: ein Repaircafé - reparieren statt wegwerfen. „Wir beraten gerne. Selbermachen muss man es aber schon“, macht Sebastian klar. Das sei die wichtigste Regel in der offenen Werkstatt.

Weitere Infos sowie Termine der Veranstaltungen und Workshops unter http://www.netz39.de/