Magdeburg l Nachdem der Stadtrat die Vergabe des Auftrags ans Müllheizkraftwerk Rothensee beschlossen hat, konnten die entsprechenden Verträge unterzeichnet werden. Diesen zufolge werden ab dem 1. Juni kommenden 2020 jährlich 60.000 Tonnen Müll aus den grauen Tonnen der Magdeburger Haushalte hier verheizt.

Europaweite Ausschreibungen

Zuvor hatte es ein europaweites Vergabeverfahren für den Auftrag durch die Landeshauptstadt gemeinsam mit dem Kommunalservice Bördekreis gegeben, welcher dort für die Müllentsorgung zuständig ist. Insgesamt hatten drei Bewerber ihre Verfahrensteilnahme beantragt. Davon hat aber letztendlich nur einer ein Angebot abgegeben.

Das verwundert nicht, so die Einschätzung von Carsten Cuhls, der als Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal für die Bereiche Abfallwirtschaft, Abfalltechnik, Abfallbehandlung, Luftreinhaltung und Klimaschutz zuständig ist. Er sagt: „Eine Müllverbrennung ohne große Transport­wege ist derzeit die beste Lösung.“ Angesichts hoher Transportkosten sei es sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht nicht sinnvoll, Müll über weitere Strecken als notwendig zu befördern.

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Auch der Bürger ist gefragt

Bei der Müllverbrennung allerdings steht auch immer die Frage im Raum, inwiefern dieses Verfahren wirklich umweltfreundlich sein kann. Dazu hat der Experte von der Hochschule eine klare Meinung: „Für gemischten Müll haben wir momentan schlicht und ergreifend kein besseres Verfahren.“

Zwar hatte es in früheren Jahren bei den alten Müllverbrennungsanlagen Probleme mit dem Ausstoß von Dioxinen und Furanen gegeben, chemischen Stoffen, die für den Menschen giftig sind. „Doch diese Probleme sind gelöst“, so Carsten Cuhls. Die Abgasbehandlung habe sich in den vergangenen Jahren deutlich fortentwickelt.

„Ein Problem haben wir bei der Verbrennung aber immer noch: Quecksilber“, sagt der Fachmann von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Dies sei zwar ein viel stärkeres Problem bei der Kohleverbrennung – könne aber auch für eine Müllverbrennungsanlage eine Rolle spielen. An dieser Stelle sei der Verbraucher gefragt, der quecksilberhaltige Abfälle wie defekte Energiesparlampen zum Recyclinghof, zum Schadstoffmobil oder zum Händler zurückbringen müsse und nicht in den Hausmüll werfen dürfe. Ähnliches gelte für Lithiumbatterien, die aufgrund ihrer steigenden Zahl zur Gefahr für Brände in den Bunkern von Müllverbrennungsanlagen werden können.

Ein positiver Nebeneffekt des neuen Vertrags ist übrigens der für die Entsorgung vereinbarte Preis. Der liegt nämlich unter dem jetzigen Betrag.

Günstiger Preis dämpft weitere Kostensteigeru

Der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb hat darauf gründend angekündigt, dass die so entstehenden Einsparungen wenigstens zum Teil die Kostensteigerungen für andere Felder der Müllentsorgung auffangen werden. Hintergrund: Die Restabfallgebühren in Magdeburg müssen für die Zeit ab 2020 neu kalkuliert werden.

Was übrigens die Zukunft der Müllentsorgung angeht, hat Carsten Cuhls eine klare Vision: „Die Müllverbrennung ist so lange sinnvoll, solange die Menschen den Müll nicht konsequent trennen. Das aber wird nach der Müllvermeidung unsere einzige Chance für die Zukunft sein, denn erst die Mülltrennung ermöglicht eine stoffliche Wiederverwertung der Materialien.“