Magdeburg l Während sich auf dem immer größer werdenden Domfelsen in Magdeburg bisweilen ganze Familien tummeln und die bizarr-schöne Atmosphäre des trockengelegten Flussbettes bewundern, können ein paar Hundert Meter flussabwärts die Mitarbeiter der Weißen Flotte dem Naturschauspiel nichts abgewinnen. „Es ist nicht mehr spaßig. Es geht an die Substanz“, sagt beispielsweise Schiffsführer Peter Höhne.

Der Kapitän der Weißen Flotte musste mit seinen Kollegen schon am 6. Juli 2018 die Schifffahrt auf der Stadtstrecke der Elbe einstellen. „Das war schon da ein harter Schlag für uns. Dass nun auch noch der historische Tiefststand erreicht wird, hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt Höhne mit hörbar geknickter Stimme.

Kaum Fahrgäste an Bord

Denn neben den Berufsschiffern mit ihren Lastkähnen sind auch die Kollegen der Weißen Flotte vom Niedrigwasser schwer getroffen. Schließlich gehören der Juli und August zu den Fahrgast-stärksten Monaten. Kein Wasser bedeutet aber so gut wie keine Kunden. Normalerweise gehen in einem guten Juli mit Normalwasser bis zu 9000 Passagiere an Bord. Mickrige 300 Gäste waren es in diesem Juli.

Bilder

Das ist auch kaum verwunderlich. Denn seit die Schiffer ihre Flotte auf den Mittellandkanal verlegen mussten und dort Fahrten über den Kanal anbieten, müssen auch die Fahrgäste dort zur Anlegestelle am Schiffshebewerk umziehen. Wer kein Auto hat, wird das wohl sein lassen. Einen Nahverkehrsanschluss gibt es nicht. Zudem fehlt bei der Fahrt auf dem Kanal das schöne Panorama der Magdeburger Stadtstrecke.

Niedrigwasser bedroht Existenzen

Die Stimmung schwankt deshalb unter den Kollegen der Weißen Flotte zwischen Durchhalteparolen und Ernüchterung. Existenzen hängen daran, auch wenn die Flotte eine hundertprozentige Tochter der Magdeburger Verkehrsbetriebe MVB und damit der Stadt Magdeburg ist. Ob das dicke Minus aus diesem trockenen Sommer überhaupt wieder eingefahren werden kann, ist offen.

Wenn es überhaupt so etwas wie einen „Gewinner“ des Niedrigwassers gibt, dann sind es die Kollegen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Sie sind u. a. für die Unterhaltung des Wasserweges Elbe zuständig. „Das Niedrigwasser hilft uns, Schäden an Buhnen und Deckwerken zu erkennen und sie zu reparieren“, sagt Tjark Hildebrandt. Da es aber in den vergangenen Jahren schon häufig Niedrigwasser gab, seien die meisten Bauwerke schon überprüft worden. „Ein solches Niedrigwasser brauchen und wünschen wir uns jedenfalls nicht“, sagt Hildebrandt ganz klar.

Magdeburger Hafen bleibt erreichbar

Von Glück kann der Magdeburger Hafen sprechen. Der ist trotz des Niedrigwassers von Schiffen, unabhängig vom Wasserstand der Elbe, über den Mittellandkanal erreichbar. Aber das auch erst seit 2013, als die Niedrigwasserschleuse in Betrieb ging. Der Stahlkoloss schiebert den Hafen von der Elbe ab. Die Schleuse fungiert als eine Art Stöpsel zwischen Hafen und Elbe und verhindert, dass Hafenwasser der zurückgehenden Elbe hinterher fließt.

Folglich profitiert der Hafen davon, weil die Schiffe hier leichtern oder Ladung ganz löschen, was eigentlich die Elbe hinauf transportiert werden sollte. Hafenchef Ehrhardt hatte deshalb schon im Juli von bis zu 20 Prozent mehr Umschlag bei Niedrigwasserständen gesprochen.

Folgen für Flora und Fauna

Was das fehlende Wasser mit der Flora und Fauna macht, ist allerdings noch offen. „Kurzfristig kann man dazu noch keine Aussage treffen,“ sagte dazu Torsten Beyer, Sachbearbeiter Artenschutz vom Biosphärenreservat Mittlere Elbe mit Sitz in Oranienbaum-Wörlitz, das auch den Magdeburger Elbebereich beobachtet.

Der Tag für die Geschichtsbücher aber bleibt. Auch wenn er kein Grund zur Freude ist. Gegen 18 Uhr soll der Pegel unter 48 Zentimeter fallen und den bisherigen niedrigsten Tiefststand von 1934 unterschreiten. Der Normalwert der Elbe liegt bei 1,95 Metern.