Magdeburg l Wenn es einen Ort für ein neues Hightech-Observatorium gibt, dann ist es Magdeburg, sagen die Ideengeber vom Förderverein Silberschlag e. V. Am 6. Juni 1761 beobachtete Georg Christoph Silberschlag von seiner Sternwarte im Kloster Berge den Venustransit vor der Sonne und entdeckte die Venusatmosphäre.

Silberschlag gab dem neuen Förderverein seinen Namen. Der Wissenschaftler und weitere Persönlichkeiten wie Otto von Guericke (bestimmte die Leere zwischen den Himmelskörpern) sowie Hermann Gruson (betrieb hier eine Sternwarte) begründeten die über 1000-jährige naturwissenschaftlich-astronomische Tradition in der Elbestadt. Heute forschen Studenten und Wissenschaftler der Uni Magdeburg von der klassischen Physik bis zur Quantenmechanik.

Erstes Modell präsentiert

Das ist das Fundament, auf dem das kühne Projekt der Mitstreiter der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg (AGM) wachsen soll. Bis Ende 2021 soll am Magdeburger Stadtrand ein Hightech-Observatorium gebaut werden, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. Dafür haben sie vor anderthalb Jahren den Förderverein Silberschlag gegründet (Volksstimme berichtete). Mit den Planungen geht es seither voran.

Ein erstes Modell präsentierten Mitglieder des Vereins um Vorsitzenden Berndt Döring jetzt der Volksstimme. Ein Architekt wird es nun weiterentwickeln, während der Verein an den Inhalten feilt. So viel steht fest: Das neue Astrophysikalische Zentrum wird aus einem dreistöckigen ellipsenförmigen Gebäude und einem extra platzierten Kuppelbau bestehen. Unter der 6-Meter-Kuppel soll ein 100 cm-Hochleistungs-Spiegelteleskop Platz finden.

Berndt Döring und seine Mitstreiter geraten ins Schwärmen: Mit diesem Superauge könne man weit in die Vergangenheit des Universums blicken und Milliarden Lichtjahre entfernte Objekte sichtbar machen. „Wenn Sie dieses Teleskop auf den Mond richten, können Sie Details bis 1,8 Kilometer Größe sichtbar machen”, sagt Döring. Dazu gibt es weitere Beobachtungstechnik wie das Sonnenteleskop, mit dem unser Stern mit ganz anderen Augen sichtbar wird und z. B. die Sonnenprotuberanzen live zu beobachten sind.

Livebilder aus dem All über Magdeburg

Stichwort live: Das Superteleskop bekommt eine Internetanbindung. So können sich Studenten, Wissenschaftler oder Lehrer im Klassenzimmer im Prinzip Tag und Nacht direkt aufschalten und Livebilder aus dem All über Magdeburg empfangen.

Wissenschaft zum Anfassen und Erleben – das soll es parallel auch im zentralen Gebäude geben. Das Erdgeschoss wird – ähnlich wie bei Phaeno in Wolfsburg – eine Experimentierlandschaft für Besucher aller Altersgruppen bieten. „Hier wollen wir z. B. dem Geheimnis des Lichts oder aktuellen Weltraummissionen folgen”, erzählt René Neumann. Auf der 2. Ebene werden zwei Laborräume für Schulklassen zu finden sein.

Schwenkbares Auditorium

Ein schwenkbares Auditorium mit 120 bis 150 Sitzen für wissenschaftliche Veranstaltungen, das sich über zwei Ebenen zieht, ist ebenfalls geplant. Dazu eine Beobachtungsterrasse für Besucher auf der 3. Ebene. „Bisher müssen wir für Beobachtungen immer mit unseren Teleskopen durch die Gegend ziehen. Das hat dann ein Ende”, freuen sich auch Dr. Klaus Retzlaff und Delf Grunert vom Verein.

Mit dem neuen Zentrum wolle man Menschen aller Altersgruppen begeistern, sie „vom Staunen zum Forschen bringen”, und eine Plattform für Wissenschaftler sein, formuliert Berndt Döring den Anspruch. Das Projekt sei deshalb so breitgefächert angelegt. Ein Ansatz, der letztlich auch einen Investor überzeugen soll, die rund 8 Millionen Euro zu geben. „Wir sind überzeugt, dass uns das mit einem guten Konzept gelingt”, sagt der Vereinschef.

Standort am Stadtrand geplant

Es passe einfach in die Zeit, sind die Vereinsmitglieder überzeugt. Ingenieure, IT-Spezialisten, Mathelehrer – sie alle würden gebraucht. Der wissenschaftliche Nachwuchs könne künftig im Astrophysikalischen Zentrum lernen und forschen. Extra Eintritt soll dafür nicht erhoben werden.

Im Stadtgebiet Magdeburg sei man gerade in Gesprächen über einen Standort am Stadtrand. „Den werden wir aber erst bekannt geben, wenn wir Gewissheit darüber haben, dass wir die weitere Projektentwicklung mit diesem Grundstück planen können”, gibt sich Berndt Döring noch bedeckt. Doch der Plan steht: Nach 2021 soll er möglich sein – der Blick von Magdeburg aus in die Weiten des Universums.

Der Förderverein freut sich über Mitstreiter. Wer interessiert ist, findet unter www.silberschlag.info weitere Infos.