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  7. Playboy: Frau aus Magdeburg war vor 34 Jahren als erste DDR-Bürgerin Playmate

Ost-PlaymateMagdeburgerin vor 34 Jahren als erste DDR-Bürgerin auf Playboy-Cover - So sah sie damals aus

Anja Kossak aus Magdeburg war das erste und einzige Playmate der DDR. Im Januar 1990 zierte sie das Cover des Playboys. Wie die Fotos von damals aussehen und wie es für Kossak nach dem Playboy weiterging.

Aktualisiert: 09.02.2024, 07:43
Anja Kossak und Fotograf Günter Gueffroy im Jahr 2014.
Anja Kossak und Fotograf Günter Gueffroy im Jahr 2014. Archivfoto: Imago/Thomas Lebie

Magdeburg/DUR. - 21 Jahre war Anja Kossak alt, als sie im Januar 1990 das Cover des Playboys zierte. "Ich möchte zeigen, dass wir nicht so verklemmt und nicht alle graue Mäuse sind", hatte die Magdeburgerin im Dezember 1989, kurz vor Erscheinen des Playboy-Heftes, auf einer Pressekonferenz vor 150 Journalisten in Berlin gesagt. Mit "wir" meinte Kossak die Frauen in der DDR.

Dass Anja Kossak (heute Bodis) auf dem Cover des Playboys landete, war mehr Zufall als Absicht. In ihrer Freizeit tanzte die Zahnarzthelferin im Tanzensemble "Ernst Thälmann" des Magdeburger Schwermaschinenbau-Kombinats Ernst Thälmann, kurz Sket.

Erstes DDR-Playmate: Wie es zu dem Playboy-Shooting kam

„Ich kam bei meinem Hobby mit einigen Künstlern zusammen, so auch mit Arnulf Wenning. Der Sänger arbeitete damals mit dem bekannten Ostberliner Aktfotografen Günter Gueffroy zusammen, und er ist auf mich aufmerksam geworden“, sagte die heute 55-Jährige 2020 dieser Redaktion.

Günter Gueffroy ist der Mann, der Kossak damals für den Playboy fotografierte. "Die Playboy-Redakteure hatten eine gewisse Vorstellung, wie ein DDR-Mädel auszusehen hat: unbedarft, nicht zu sexy, also nicht so wie die Mädchen, wo man gleich sagen kann, das ist ein Model, sondern die musste die blanke Natur sein", sagte der Fotograf einmal dem MDR.

Anja Kossak im Sommer 1989 einem Plattenbau in Magdeburg, in dem sie mit ihren Eltern wohnte.
Anja Kossak im Sommer 1989 einem Plattenbau in Magdeburg, in dem sie mit ihren Eltern wohnte.
Foto: Imago/Günter Gueffroy

„Ich war ein typisches DDR-Mädchen ohne Plastik, ein unverbrauchter Typ. Und das hat Günter Gueffroy wohl fasziniert und später auch die Macher vom ,Playboy‘ überzeugt", wie Kossak vor drei Jahren dieser Redaktion erzählte.

DDR-Fotograf Günter Gueffroy lichtete Kossak im Ostberliner Grand Hotel ab

Der 2015 verstorbene Gueffroy kam im Sommer 1989 nach Magdeburg, um Kossak in der elterlichen Plattenbauwohnung und im Garten zu fotografieren. Diese Fotos schickte er an den Playboy. Am Ende setzte sich Kossak gegen fünf Frauen durch.

Ihre Mutter habe das Shooting toll gefunden, erzählte Kossak 2020, ihr Vater hingegen sei eher zurückhaltend gewesen.

Das Play-Shooting fand in einer Suite des Ostberliner Grand Hotels statt (heute The Westin Grand Berlin). Dort posierte Kossak breitbeinig auf einem Ledersofa, mit Strapsen vor einer Drehtür, mit langen schwarzen Handschuhen vor einem goldenen Fahrstuhl oder am Beckenrand eines Swimmingpools.

Playboy-Fotos: Kossak sitzt breitbeinig auf einem Ledersofa im Grand Hotel in Ostberlin.
Playboy-Fotos: Kossak sitzt breitbeinig auf einem Ledersofa im Grand Hotel in Ostberlin.
Foto: Imago/Günter Gueffroy
Playmate Anja-Kossak trägt Strapse und Sonnenbrille beim Fotoshooting.
Playmate Anja-Kossak trägt Strapse und Sonnenbrille beim Fotoshooting.
Foto: Imago/Günter Gueffroy
Playboy-Shooting 1989: Anja Kossak posiert vor einem Fahrstuhl im Ostberliner Grand Hotel.
Playboy-Shooting 1989: Anja Kossak posiert vor einem Fahrstuhl im Ostberliner Grand Hotel.
Foto: Imago/Günter Gueffroy
Anja Kossik posiert für den Playboy am Beckenrand eines Swimmingpools in Berin.
Anja Kossik posiert für den Playboy am Beckenrand eines Swimmingpools in Berin.
Foto: Imago/Günter Gueffroy

Kurz nach dem Playboy-Shooting in Berlin fiel die Mauer. „Daran, dass sich wenige Tage später die Grenzen öffnen würden, habe ich in keiner Weise gedacht“, sagte Kossak 2020. „Ich habe lediglich gehofft, dass es mir die Aufnahmen ermöglichen, mal auf Besuch in den Westen zu kommen, bevor ich alt und grau bin.“

Die Reaktionen auf die Aktfotos im Playboy waren gemischt. "Ich habe viele Briefe bekommen, von Fans, die das ganz klasse fanden, aber auch viele, die der Meinung waren, das ist jetzt der absolute moralische Verfall", sagte Kossak dem MDR.

Wenige Monate nach Erscheinen des Playboy-Heftes zog Kossak mit ihrem Partner nach Bayern. „Wir waren dort im Urlaub. Und die Gegend um den Chiemsee hat uns so gefallen, dass wir uns entschlossen haben, überzusiedeln", erzählte Kossak vor drei Jahren. Bis heute lebt sie in Bayern.

Im November 2014, 25 Jahre nach dem „Playboy“-Shooting, trafen sich Kossak und Fotograf Günter Gueffroy in Berlin wieder. Auch Kossaks Tochter Linda war mit dabei.

Anja Kossak mit Tochter Linda Bodis und Fotograf Günter Gueffroy im Jahr 2014.
Anja Kossak mit Tochter Linda Bodis und Fotograf Günter Gueffroy im Jahr 2014.
Foto: Imago/Thomas Lebie

Im Oktober 2015 war auch Linda Bodis auf dem Cover des Playboy zu sehen. "Ich hab es natürlich hauptsächlich für mich gemacht. Aber auch, weil die Mama mir immer ganz viel von ihrer Zeit damals erzählt hat und ich das toll fand", sagte Linda Bodis 2015 in einem Interview mit dem Playboy.

Anja Kossak fand es "ganz großartig", dass ihre Tochter für den Playboy fotografiert wurde. Dem Magazin sagte sie: "Ich fand es immer klasse, wenn sie in meine Fußstapfen treten würde."

Anja Kossak hat nach dem Playboy-Shooting 1989 keine Modelkarriere gemacht. Wie der MDR schreibt, ist sie ihrem Beruf treu geblieben und arbeitet weiterhin als Zahnarzthelferin.