Magdeburger l Laut Zeugenberichten tauchte um kurz nach Mitternacht eine Gruppe von 15 Personen vor der Shisha-Bar „Jasmin-Lounge“ auf und bewarf die Scheiben und Gäste der Bar mit Möbeln. Die Angreifer hatten Baseballschläger und Messer dabei. Zwischen Gästen der Bar und Angreifern kam es zu weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei der auch Schüsse fielen. Laut Zeugen soll von beiden Seiten geschossen worden sein.

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an Spezialeinsatzkräften an – zum Teil vermummt und mit Maschinenpistolen bewaffnet.  Die Angreifer waren zu dem Zeitpunkt bereits geflüchtet. 14 Gäste der Bar wurden aufs Revier gebracht, um die Identität feststellen zu lassen. Ein 44-jähriger Mann aus der Bar, der Schnittverletzungen hatte, sei ambulant behandelt und vorläufig festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Frank Küssner. Zu Gründen der Festnahme äußerte er sich nicht.

Die überprüften Gäste der Bar sind laut Polizei Personen mit Migrationshintergrund. Bei den Angreifern soll es sich nach Volksstimme-Informationen um Tschetschenen handeln. Die Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln. Offenbar ist der Auseinandersetzung ein Streit bereits Tage zuvor vorausgegangen.

Noch in der Nacht fand die Polizei eine Schreckschusswaffe, Patronenhülsen und Baseballschläger. Gestern Morgen untersuchte die Spurensicherung den Tatort weiter. Dabei wurde einige Meter weiter im ersten Obergeschoss eines Geschäftshauses ein Einschlag an einer Fensterscheibe entdeckt, der von einer Kugel stammen könnte. Bestätigen konnte die Polizei das bislang nicht.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte der Volksstimme: „Ich dulde in Sachsen-Anhalt keine Auseinandersetzungen zwischen Personengruppen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Wir werden die hohe Polizeipräsenz ohne Wenn und Aber aufrechterhalten.“ Der Magdeburger SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka forderte gestern eine „harte Gangart“ am Hasselbachplatz. Alle Akteure müssten „bestimmten Leuten rund um die Uhr auf die Füße treten“.

SPD fordert eine harte Gangart

Der Magdeburger AfD-Stadtrat Ronny Kumpf sagte: „Wir erleben, wie sich vor unser aller Augen ein krimineller Sumpf ausbreitet, der nicht mehr nur Ausdruck einer Parallel-, sondern längst einer Gegengesellschaft geworden ist. Wir wollen diesen Platz nicht den Revierkämpfen der Drogenmafia oder rivalisierender Parallelstrukturen überlassen.“

Die Kripo der Polizeiinspektion Magdeburg hat die Ermittlungsgruppe „Lounge“ eingerichtet. Am Hasselbachplatz sind Überwachungskameras installiert. Die Aufnahmen werden derzeit ausgewertet.

Der Hasselbachplatz gerät immer wieder in negative  Schlagzeilen. Voriges Jahr wurden laut Innenministerium im Bereich des Platzes 174 sogenannte Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit registriert – im Jahr 2013 waren es noch 105 Straftaten. Zu Rohheitsdelikten zählen Raub, räuberische Erpressung oder Körperverletzung. 71,5 Prozent der Straftaten wurden aufgeklärt.

Einer der schlimmsten Vorfälle im vorigen Jahr hatte sich nach dem Aufstieg des
1. FC Magdeburg ereignet. Im April war es am Hasselbachplatz zu schweren Krawallen gekommen. Die Feier eskalierte: Vermummte zündeten Böller und griffen Feuerwehr und Polizei an.

Erfolgreiche Razzia im Juni

Erst im Juni dieses Jahres waren in Magdeburg ein 35-jähriger Libanese und drei Komplizen festgenommen worden. Der Libanese soll auch aus einer Shisha-Bar am Hasselbachplatz mit Drogen gehandelt haben. Bei der Razzia stellten die Ermittler neben Pistolen, einem Granatwerfer und Macheten auch Drogen mit einem Marktwert von rund 150.000 Euro sicher.

Magdeburg soll im Jahr 2020 eine Stadtwache aus Ordnungsamt und Polizei bekommen. Das bekräftigte gestern Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Die Stadtwache soll vor allem in der Innenstadt sichtbar Präsenz zeigen.