Magdeburg l Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Alt Prester in Magdeburg entsteht derzeit ein Bekleidungsservicecenter für die landesweite Versorgung der Polizei. Der Neubau wird in Prester kritisch beäugt. Anwohner befürchten Lärm und steigenden Verkehr, wenn das Gebäude im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnimmt. Beim jüngsten Treffen der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Ostelbien äußerte eine Anwohnerin Bedenken gegenüber dem Neubau. So sei es unverständlich, dass trotz der bekannten Verkehrsbelastungen durch den stetig wachsenden Lkw-Verkehr in der Straße Alt Prester den Bewohnern mit dem Neubau eines solchen großen Logistikzentrums nun noch zusätzlicher Verkehr und Lärm in unmittelbarer Nähe des Wohngebietes zugemutet wird.

Schon jetzt viel Lkw-Verkehr

Die Anwohner in Ostelbien leiden unter einem immer stärkeren Lkw-Verkehr auf den Hauptstraßen durch ihre Stadtteile. Eine Lösung ist vorerst nicht in Sicht. Eine Lkw-Maut für die ostelbische Verbindung zwischen Schönebeck und Prester, Kreisstraße 1227, wird es beispielsweise so schnell nicht geben. Die GWA Ostelbien hatte dies mit Blick auf mögliche Mautumgeher gefordert (Volksstimme berichtete).

Umzug von der Sternstraße nach Alt Prester

Die Anwohner fragen sich auch, warum gerade in Prester das Bekleidungsservicecenter gebaut werden muss. Die Volksstimme hakte beim zuständigen Innenministerium nach. So sei einer der Hauptgründe, dass es sich bei dem Grundstück Alt Prester 5 um eine landeseigene Liegenschaft handele. „Dadurch entfallen Mietzahlungen an Dritte. Die Nutzung erfolgt bereits durch die Polizei, so dass eine polizeispezifische Anbindung unproblematisch ist. Hinzu kommt, dass auf eine zusätzliche Sicherung des Bekleidungsservicecenters verzichtet werden kann, da die Liegenschaft bereits die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt. Dies wiederum spart Kosten für teure Sicherheitseinbauten“, erklärt Ministeriumssprecher Stefan Brodtrück.

Der geplante Fertigstellungstermin für das Objekt ist der 30. Oktober 2021. Daran anschließend sei der Umzug von der Sternstraße 12 vorgesehen. Hier werde das Bekleidungsservicecenter aufgegeben. Für die Sanierung des Gebäudes in der Sternstraße 12 hätte der Leerzug erfolgen müssen und parallel an anderer Stelle ein funktionstüchtiges Bekleidungsservicecenter als Übergang hergerichtet werden müssen. „Ein zusätzlicher Kostenaufwand wäre notwendig gewesen. Hinzu kommt, dass aufgrund der Lage der Liegenschaft Sternstraße 12 keine Ausdehnung möglich ist, so dass für die Deckung des Platzbedarfes der zentralen Polizeibehörde keine freien Kapazitäten für ein neues Bekleidungsservicecenter zur Verfügung stehen“, begründet Stefan Brodtrück den Neubau in Prester.

Kahlschlag aus Sicht der Bürger unnötig

Das neue Gebäude verfügt über zwei Ebenen in quadratischer Form, 60 Meter mal 60 Meter. Darin werden circa 3000 Quadratmeter Lager- und etwa 500 Quadratmeter Büroflächen untergebracht sein.

„Durchschnittlich werden wöchentlich 350 Pakete versendet. Auf jeden Arbeitstag entfallen circa 70 Pakete, die täglich mit einem Transporter abgeholt werden“, äußert sich der Ministeriumssprecher zum geplanten Anlieferungs- und Auslieferungsverkehr.

Die Anlieferung mit Lkw sei nicht die Regel und erfolge nur bei großen Stückzahlen auf Paletten. Ansonsten werden die Artikel ebenfalls mit Transportern angeliefert. Die Art der Bestückung des Bekleidungsservicecenters sei abhängig von der Stückzahl des jeweiligen Artikels und den Lieferfristen. Sie erfolge über das Jahr verteilt.

Im Zusammenhang mit dem Baugeschehen vor Ort kritisieren die Anwohner auch den Kahlschlag entlang des neuen Gebäudes. Mehrere große Platanen wurden gefällt. Aus Sicht der Anwohner hätten zumindest die Bäume in der Straße Am Mühlenfeld die Baumaßnahme in keiner Weise behindert. Die Anwohner hoffen nun, dass im Zuge von Ersatzpflanzungen hier neue Bäume gepflanzt werden.