Magdeburg l Es ist nicht übertrieben, von „strahlen“ zu sprechen: Der helle Sandstein des Lettners ist von seinem Schmutzbelag aus mehreren Jahrhunderten befreit. Rund zwei Jahre hatten die Restauratoren Ulrike Wende, Claudia Böttcher und Thomas Groll an den 570 Steinen, 18 Brüstungsfeldern, 14 Fialen, dem Kreuzaltar und den 16 Skulpturen gearbeitet und dem rund 540 Jahre alten Bauwerk seine ursprüngliche Pracht zurückgegeben.

Eine interessante, schöne, aber auch sehr umfangreiche Arbeit sei es gewesen, sagen die drei Restauratoren übereinstimmend. „Und wir sind durchaus auch ein wenig stolz darauf“, so Thomas Groll.

Domförderverein sammelte Spenden

Dass der Lettner jetzt als gerettet eingestuft werden kann, ist dem Domförderverein zu verdanken. Er hat in den vergangenen Jahren rund 270.000 Euro an Spenden und Fördermitteln für das kulturhistorisch wichtige Gotik-Bauwerk mit seiner Aktion „Ein Stein für die Ewigkeit“ gesammelt. Es war die größte Spendenaktion des Vereins überhaupt.

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2015 hatte man für die dringend notwendige Restaurierung des Lettners im Magdeburger Dom angefangen, Spenden zu sammeln. Dass die Magdeburger ihren Dom lieben und viele auch gern dafür spenden, wussten die Fördervereinsmitglieder aus früheren Erfahrungen, etwa bei den Sammelaktionen für die Stufen des Nordturms und für die vergoldeten Lüftungsgitter im Mittelschiff.

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Spenderliste im Magdeburger Lettner

Dass es aber nur rund zwei Jahre dauern würde, das Geld für den Lettner zusammenzubekommen, davon war man auch im Förderverein überrascht. „Wir sind allen Spenderinnen und Spendern wirklich sehr dankbar dafür“, sagte Vereinsvorsitzender Stephen Gerhard Stehli während der feierlichen Wiedereinweihung des Lettners am 25. Oktober 2017. Diese Dankbarkeit brachte man damit zum Ausdruck, dass eine Liste mit allen über 300 Spendern in einer Zeitkapsel (Metallkartusche) in den Lettner eingelassen wurde.

Am Mittwoch waren auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Landesbischöfin Ilse Junkermann, Kulturstiftungs-Generaldirektor Christian Philipsen und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper in den Dom gekommen, um den restaurierten Lettner in Augenschein zu nehmen.

Magdeburger Lettner wichtiges Kulturgut

Der Lettner sei nicht nur ein sehr bedeutendes Kunstwerk, sondern auch ein wichtiges Kulturgut für Sachsen-Anhalt, so Reiner Haseloff. Und die Spendenaktion des Fördervereins habe eine große Vorbildwirkung für bürgerschaftliches Engagement.

Für Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper gehöre der Dom mit zu den „geschichtlichen Genen“ von Magdeburg. Ihn zu erhalten, stand auch in der kommunistischen DDR nicht zur Disposition. Für Bischöfin Junkermann ist der Lettner „das Herzstück“ des Doms, und auch sie dankte dem Förderverein, dass er den Erhalt dieses Bauwerk möglich gemacht hat.

Kunstwerke vor Verfall schützen

Kulturstiftungs-Chef Philipsen hob die gute Zusammenarbeit mit dem Förderverein hervor. „Wir sind für die Erhaltung und für die Beseitigung der Bauschäden zuständig, der Förderverein nimmt sich der schönen Dinge des Doms an.“ Damit würden wichtige Kunstwerke vor dem Verfall geschützt.

In den vergangenen Jahren hat der Verein rund 1,1 Millionen Euro für den Erhalt des Magdeburger Doms gesammelt.