Finanzierung

Rettung der Hyparschale gescheitert

Der Verkauf der Hyparschale in Magdeburg an die AOC Immobilien AG ist wegen Lücken in der Finanzierung überraschend geplatzt.

Von Katja Tessnow 29.10.2016, 01:01

Magdeburg l Die Einladung zur Sitzung am Freitag des Verwaltungsausschusses sah eigentlich nur eine "Information" zum Sachstand Hyparschale durch den Oberbürgermeister vor. Auch auf Volksstimme-Nachfrage gaben sowohl der Oberbürgermeister und Vertreter der drei großen Ratsfraktionen CDU/FDP/BfM, SPD und Linke noch am Donnerstag zu Protokoll, dass auf der Freitagssitzung noch keine abschließende Entscheidung zum Umgang mit dem einzigen Kaufangebot geplant sei. Doch es kam anders.

„Wir haben abgestimmt“, erklärte Oberbürgermeister Lutz Trümper am Freitag am späten Nachmittag am Redaktionstelefon. Das Ergebnis sei einstimmig bei nur wenigen Enthaltungen ausgefallen. „Wir beenden das laufende Ausschreibungs- verfahren ohne Verkauf.“

Im Klartext: Das in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach öffentlich präsentierte Projekt der AOC Immobilien AG ist vom Tisch. Das Magdeburger Unternehmen strebte die Rettung der Hyparschale und eine gemischte Nutzung durch Büros und öffentlicher Nutzfläche (Café) an.

Grund für die Ablehnung des Verkaufs an AOC sei das lückenhafte Finanzierungskonzept für ihr 7,8 Millionen Euro teures Projekt. 1,6 Millionen Euro waren zuletzt ungedeckt. Der Beschluss des Verwaltungsausschusses sei, so Trümper, abschließend.

Der Stadtrat werde nicht erneut mit dem Verkauf an AOC befasst, sondern stattdessen mit einem weiteren Interessenten verhandeln, der sich erst nach Ablauf der Bieterfrist im März beim Oberbürgermeister meldete. Dessen Namen hielt Trümper gegenüber der Öffentlichkeit weiter geheim, sagte allerdings, dass er die Sanierung und die öffentliche Nutzung der Hyparschale „als Kalthalle“ plane, also ohne Beheizung. Auf die Nachfrage, ob es sich dabei um eine sportliche Nutzung handele – im Gespräch war das Objekt schon einmal als Eislauf- und Rollschuhhalle – verneinte Trümper. Mehr wolle er dazu vorerst nicht sagen.

AOC-Vorstandsfrau Babette Schmidt reagierte, von der Volksstimme am Telefon über das Ausschussvotum in Kenntnis gesetzt, zunächst sprachlos und sagt dann: „Ja, ich bin schon schockiert, das kann man so sagen. Das überrascht uns wirklich. Wir haben schon sehr viel Arbeit in unser Projekt gesteckt.“

Schmidt hatte bis zuletzt um eine gemeinsame Verständigung mit der Stadtverwaltung zur Lösung der restlichen Finanzierungsprobleme gerungen, aber auch schon seit Monaten wenig Kommunikationsbereitschaft seitens der Verwaltung beklagt. „Das war von Anfang an eine sehr einseitige Sache.“ Sie habe, so Schmidt, nicht das Gefühl, dass das Ausschussvotum die Meinung der Magdeburger zum Umgang mit der Hyparschale widerspiegele. Von denen habe sie viel Zuspruch für ihre Rettungsidee erhalten.

Die Hyparschale ist bereits seit 1997 baupolizeilich gesperrt und völlig marode. Es herrscht Einsturzgefahr.