Magdeburg l Mit welchen Symptomen kommt ein Patient ins Krankenhaus? Welche Geräte müssen eventuell bereitgestellt werden? Wenn der Rettungsdienst vor dem 1. Juli 2020 eine Notaufnahme in Magdeburg ansteuerte, blieben für die Mitarbeiter der Notaufnahme häufig viele Fragen offen. Das hat sich nun geändert, denn seit dem 1.  Juli werden Patienten des Rettungsdienstes über die internetbasierte Plattform „Ivena“ (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) den Krankenhäusern zugewiesen, teilte am Dienstag die Landeshauptstadt Magdeburg mit. Über die Software seien Krankenhäuser, Leitstelle und Rettungsdienste vernetzt.

Ärzte wissen mehr

Den großen Vorteil sieht Guido Strohmeyer als Chef der Leitstelle in Magdeburg darin, dass mitverfolgt werden kann, wieviele Patienten aus dem Umland in die Kliniken der Landeshauptstadt eingeliefert wurden. Vor der Einführung sei schwieriger einzuschätzen gewesen, ob ein Krankenhaus die Kapazitäten für einen Notfallpatienten zur Verfügung hatte. Sollten die Magdeburger Notaufnahmen überlastet sein, könne nun gegebenenfalls ein Krankenhaus im Umland genutzt werden, erläutert Strohmeyer.

Die Ärzteteams in den Krankenhäusern würden auf einem Monitor im Vorfeld sehen, ob und mit welchen Symptomen ein Patient eingeliefert wird und können sich besser vorbereiten, bestätigt Dr. Fred Draijer als Unfallchirurg und Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Städtischen Klinikum Magdeburg. Gearbeitet werde derzeit noch an Kriterien für eine Rote-Karte-Funktion, wenn es zu technischen Havarien kommt oder die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Diese Abmeldung einzelner Bereiche solle aber die große Ausnahme bleiben, sagt Draijer, der in der Ivena-Software vor allem ein Verteilungssystem für den Rettungsdienst sieht.

Einordnung nach Dringlichkeit

Die Patienten würden in Behandlungsprioritäten eingeordnet, erklärt die Pressestelle der Stadt Magdeburg: In der Priorität  1 bis 3 zeige der Rettungsdienst Dringlichkeit und Behandlungsintensität an. Braucht der Patient eine sofortige intensivmedizinische Behandlung oder wird er lediglich zur Abklärung eingeliefert?

Was im Vergleich zu früher besser oder schlechter funktioniert, dazu konnte Gerald Wienhöfer als Fachbereichsleiter Einsatzdienste bei der Johanniter-Unfall-Hilfe gestern keine Auskunft geben. Die Johanniter sichern den Rettungsdienst in Magdeburg, der Börde und dem Harz ab. Vorteile für die Rettungskräfte sieht er aber: in der enormen Ersparnis an Organisationsaufwand. „Die Retter werden nicht mit dem Beschaffen von Bettenkapazität abgelenkt“, so Wienhöfer. Auch sei das Risiko minimiert, eine nicht geeignete Klinik oder einen in der Zwischenzeit belegten Schockraum anzufahren. Dies komme dem Notfallpatienten zugute.

Das Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt hatte die Beschaffung der Ivena-Software für das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt beschlossen.