Magdeburg l Zwei Bauarbeiter verlegen bei schönstem herbstlichen Wetter Pflastersteine an der Endhaltestelle im Herrenkrug in Magdeburg. Pflasterstein um Pflasterstein verlegen Patrick Körner und Norman Meiwald vor dem historischen Wartehäuschen. Die beiden sind Mitarbeiter der Dähne Bau GmbH aus Körbelitz und bilden mehr oder weniger das Schlusslicht eines schier endlos langen Sanierungsunterfangens im Herrenkrug.

Bahnstrecke durch Hochwasser zerstört

Grund für die umfangreichen Sanierungen ist das Hochwasser aus dem Jahr 2013. Dieses richtete damals im Herrenkrug massive Schäden an, auch die Infrastruktur der Straßenbahn blieb nicht verschont. Tim Stein, Pressesprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe, geht ins Detail: „Zu dem Großprojekt gehört neben der Sanierung des Wartehauses auch die Sanierung der Straßenbahnstrecke.“ So seien die Signalanlage, die zur Steuerung des eingleisigen Verkehrs gehört, und ein Gleichrichterunterwerk, dieses versorgt den Streckenabschnitt mit Strom, saniert worden.

„Die Sanierung von Strecke und Wartehaus haben insgesamt rund 2,7 Millionen Euro gekostet“, so Stein. Diese seien über den Hochwasserfonds des Landes Sachsen-Anhalt finanziert worden. Rund zehn Prozent der Finanzierungssumme entfallen allein auf das Wartehaus an der Endhaltestelle. Und die war auch bitter nötig, um das einst prachtvolle Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen.

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Denkmalschutz kostet viel Zeit

Da auch insbesondere die Anforderungen des Denkmalschutzes umgesetzt werden mussten, verlangte die Sanierung des Wartehauses besonders viel Zeit. So musste für die Holzbalken, die erneuert werden sollten, ein Holzschutzgutachten erstellt werden. „Dies war nötig um feststellen zu können, um welches Holz es sich handelt“, so der MVB-Sprecher. Immerhin müsse die gleiche Holzart auch wieder verbaut werden. Daraus resultierend sei auch eine neue Grundkonstruktion nötig gewesen.

Weitere Arbeiten waren außerdem in und unter dem Pavillon nötig. „Im Inneren sind die Sanitäranlagen für unser Fahrpersonal sowie die elektronischen Leitungen erneuert worden“, erklärt Tim Stein weiter.

Umfangreiche Sanierung

Unter dem Gebäude wurde außerdem ein Kriechkeller auf Vordermann gebracht. Weitere Maßnahmen seien zudem die Ausbesserung von Dachschäden, das Rückschneiden eingewachsener Bäume und die Neuverlegung der Oberflächenentwässerung gewesen. „Und einen neuen Farbanstrich haben wir dem Wartehaus auch noch spendiert. Natürlich entsprechend den Vorgaben des Denkmalschutzes“, berichtet Tim Stein.

Rund 270.000 Euro kosten die Baumaßnahmen an der Endhaltestelle. Ende Oktober 2018 sollen die letzten Arbeiten dann abgeschlossen werden. Patrick Körner und Norman Meiwald sind sich sicher, dass sich das durchaus positiv auf den Herrenkrug auswirken werde. „Hier kommen ständig Straßenbahn-Fans und Touristen vorbei, um das alte Wartehaus zu sehen, und sind dann enttäuscht, dass daran immer noch gearbeitet wird“, erzählen die beiden.

Touristen fotografieren alte Haltestelle

Während sie weiterarbeiten, halten wieder einige Touristen an, um das Gebäude zu fotografieren. Nicht ohne Grund ist das Wartehaus ein richtiger Publikumsmagnet, denn es ist das älteste Deutschlands. Das Gebäude soll um das Jahr 1901 errichtet worden sein. Ein halbes Jahr zuvor war die Strecke elektrifiziert worden. Ab 1905 fuhr die Linie 6 regelmäßig zwischen dem Rathaus und dem Herrenkrug. Immerhin befand sich schon damals dort die Pferderennbahn und das beliebte Ausflugslokal „Herrenkrug“.

Im Jahr 1973 war die Endhaltestelle im Herrenkrug stillgelegt worden, davon zeugte der regelrechte Verfall des Gebäudes. Bis zum Jahr 1983 hielt im Herrenkrug keine Straßenbahn, sondern nur Busse. Die Buslinie 67 wurde eingestellt. Heute wird in Fachkreisen das historische Wartehaus als eines der schönsten in ganz Europa gehandelt. Die beiden Arbeiter sind sich auch sicher, dass das Gebäude noch über viele Jahre viele Straßenbahn-Fans aus der ganzen Welt erfreuen wird.