Magdeburg l Täglich rollen Tausende Fahrzeuge auf der Bundesstraße 1 über die nördliche Friedensbrücke in Magdeburg stadteinwärts. Wenn es auf der Autobahn 2 Staus gibt, zwängt sich auch noch der Transitverkehr über die Brücke. Denn die B1 gilt als Bedarfsumleitung für die A2. Die starke Verkehrsbelastung geht an dem Bauwerk nicht spurlos vorüber.

Bereits im Frühjahr 2020 hatte die Stadtverwaltung gewarnt, dass die Friedensbrücke Schäden aufweist, und sich deshalb gegen die offizielle Bedarfsumleitung durch die Stadt im Zuge der A2-Sanierung ausgesprochen. Die Stadtverwaltung hatte Risse in dem Bauwerk ausgemacht. In der Hauptöffnung der Brücke über der Elbe seien sogenannte Biegeschubrisse in den Stegen der Hohlkastenkonstruktion des Spannbetonüberbaus festgestellt worden.

Schadensanalyse erstellt

Bereits seit längerem hat die Stadt die Brücke im Auge: Unter anderem wurde eine Schadensanalyse beauftragt und erstellt. Es wurden beispielsweise vierteljährlich Rissüberprüfungen an 58 Messpunkten vorgenommen, hieß es von der Stadt.

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Die Schadensanalyse ist beendet. „Seit wenigen Tagen liegt uns dazu der entsprechende Bericht vor. Das allgemeine Schadensbild ist im Vergleich mit früheren Bauwerkprüfungen fortschreitend. Der bauliche Zustand hat sich seit 2014 von 3,0 auf 3,4 verschlechtert. Zur Erklärung: Die Bewertung bei Brückenprüfungen beginnt bei 1,0 (bester Zustand) und endet bei 4,0“, erklärte Stadtsprecher Michael Reif.

Keine konkreten Pläne für Sanierung

Für die nördliche Friedensbrücke besteht damit dringender Sanierungsbedarf. Konkrete Pläne dafür gibt es noch nicht, denn zunächst sind weitere Untersuchungen erforderlich. Aufgrund der gestiegenen Verkehrsbelastung werden noch zusätzliche Erkenntnisse über die Auswirkungen auf das Tragwerk der Brücke benötigt. Diese Erkenntnisse sollen dann in ein Sanierungskonzept für eine nachhaltige Sanierung der Brücke einfließen. Einen Zeitraum für die weiteren Untersuchungen nannte die Verwaltung nicht.

Doch ist angesichts der weiteren Rissbildung schon jetzt Handlungsbedarf gegeben? „Bei dem aktuellen Zustand ist – basierend auf den Ergebnissen der jüngsten Schadensanalyse – eine Sperrung derzeit nicht erforderlich. Zur Sanierung der Brücke ist aber eine Sperrung nicht ausgeschlossen, da unter anderem das Bauwerk zur Ertüchtigung des Tragwerkes frei von dynamischen Einflüssen sein muss“, so Reif.

Erst vor kurzem hatte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) in seiner Funktion als Präsident des Städte- und Gemeindebundes vor einem Investitionsstau bei Brücken und Straßen gewarnt. Laut einem aktuellen Gutachten besteht allein für die erfassten Brücken in Sachsen-Anhalt ein Investitionsbedarf in Höhe von 640 Millionen Euro bis 2025. Dies bedrohe die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur. Zusätzlich zu den Brückenschäden bestehen ein Investitionsstau von rund 3,7 Milliarden Euro und Unterhaltungsrückstände von weiteren 500 Millionen Euro bei Gemeindestraßen. „Es zeigt sich deutlich, welche erheblichen Lasten auf die Kommunen und auch auf das Land in den nächsten Jahren zukommen“, warnte Trümper.