Magdeburg l „Sonnenallee“ steht auf dem – nicht offiziellen – Straßenschild am Eingang zum Kavalier Scharnhorst in der Magdeburger Altstadt unweit der Sternbrücke. Das „S“ ist aber durchgestrichen und gibt damit einen Hinweis auf denjenigen, der die alte Festungsanlage derzeit saniert. Rolf Onnen, der schon als Retter der Hubbrücke Schlagzeilen machte, ist vor kurzem selbst in das 1873 errichtete Gemäuer mit Büro und Hausstand eingezogen. Zehn weitere Nachbarn sollen es ihm nachmachen, voraussichtlich bis Ende des Jahres. Dann soll die Sanierung des Kavaliers Scharnhorst beendet sein, sagt Onnen.

Ein zwei Jahre währendes Tauziehen mit dem Denkmalschutz über die Gestaltung der Südseite der Anlage konnte jetzt zu Ende gebracht werden, erzählt er weiter.

Kein meterdicker Erdwall

Denn originalgetreu müsste auf der Seite zur Sternbrücke hin ein mehrere Meter dicker und hoher begrünter Erdwall angelegt werden. Weil die neuen Bewohner dann aber im Dunkeln sitzen würden, beharrte Onnen auf einer anderen Lösung.

Diese sieht nun einen stark geschrumpften Wall vor, der durch Schneisen für Lichthöfe und Terrassen für jedes der elf „Reihenhäuser“ unterbrochen wird. „Damit können alle Seiten gut leben“, sagt der Bauherr. Die entsprechenden Baugenehmigungen sollen demnächst vorliegen.

Kein moderner Anbau

Die Idee, auf das nordöstliche Ende der Anlage einen modernen Anbau zu setzen, wurde mittlerweile aber begraben. Ein Geschäftspartner plant aber weiterhin auf dem Schutthügel nördlich des Kavaliers drei neue Mehrfamilienhäuser.

Seit 2016 laufen die Sanierungsarbeiten am Kavalier I, die vom Start weg mit Kritik und Problemen verbunden waren. Die Wegnahme der Erde vom Dach rief die Festungsfreunde auf den Plan, die Ablagerung derselben auf einem Grundstück in Buckau beschäftigte sogar die Staatsanwaltschaft. Immer wieder mussten Baustopps verhängt werden, weil mehr gebaut wurde, als aktuell genehmigt war.

Behörde muss aktiv werden

Zuletzt wurde die Bauaufsichtsbehörde Ende vergangenen Jahres aktiv, „weil Baumaßnahmen abweichend von den erteilten Teilbaugenehmigungen ausgeführt wurden“, wie Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra erklärt. „Erforderliche bauaufsichtliche Maßnahmen“ seien eingeleitet worden.

Rolf Onnen ficht das aber nicht an. „In der Nachschau unserer Odyssee mit den Ämtern kann man wohl sagen, dass es nur wenige Menschen durchgehalten hätten, solch ein kompliziertes Unterfangen zu machen, und dass es sicherlich auch nur sehr wenige Menschen gibt, die zwischen 500.000 und einer Million Euro ausgeben würden für ein Experiment, was jetzt wohl gut ausgeht“, erklärt er selbstbewusst.