Magdeburg l Die seit über zwölf Jahren geplante Sanierung der beiden Großspeicher zwischen Elbe und Hafenbecken muss wieder einen Dämpfer einstecken. Nach langem Kampf um die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben für die neuen Wohnungen gab es im vergangenen Dezember endlich die Baugenehmigung für das erste Gebäude. Doch nun wird das Projekt wieder zurückgeworfen, wie Architekt Uwe Thal bestätigt. „Wir haben Untersuchungen des Betons im Siloteil durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die Tragfähigkeit dort gleich null ist“, erklärt er.

Die Reichseinheitsspeicher wurden Ende der 1930er Jahre im damaligen Handelshafen, heute Wissenschaftshafen, errichtet. Verwendet wurde der damals übliche Stampfbeton, eine Betonart, die ab der Mitte des 20. Jahrhunderts vom Stahlbeton abgelöst wurde. Die gesamte Wabenkonstruktion war für die ursprünglichen Lagerungszwecke im fensterlosen Siloteil vollkommen ausreichend, wie Thal weiter erklärt. In 30 Meter hohen Röhren wurde dort einst Getreide aufbewahrt.

Den geplanten Umbau zu Wohnungen mit Zwischendecken hätte der Beton aber nicht mehr überstanden. Kleine Studentenwohnungen waren dort geplant. Es hätte zwar auch bauliche Lösungen dafür gegeben. „Die sind aber so teuer, dass die Sanierung nur unter unverhältnismäßigem Aufwand möglich gewesen wäre“, verdeutlicht der Architekt, der schon im Dezember von der fehlenden Standsicherheit berichtet hatte.

Genehmigung zum Abriss liegt bereits vor

Deshalb habe sich der Investor, die Projekt Rentenvorsorge aus Hannover, zum Abriss des Siloteils entschlossen. Die entsprechende Genehmigung wurde auch bereits von der Stadtverwaltung erteilt. Um das Aussehen des Gebäudes zu bewahren, soll diese Hälfte aber in gleicher Größe wieder neu aufgebaut werden, wie Uwe Thal weiter berichtet.

Dafür galt die ursprüngliche Baugenehmigung aber natürlich nicht, weshalb nun ein neuer Bauantrag gestellt werden musste. Dieser wurde erst vor wenigen Wochen eingereicht. Da von einer mehrmonatigen Bearbeitungszeit auszugehen ist, ist derzeit unklar, wann das Projekt nun starten kann. Wahrscheinlich sei aber ein Beginn erst im kommenden Jahr, so der Magdeburger Architekt. Zuletzt sollte es eigentlich in diesem Sommer losgehen.

Bis die neue Genehmigung vorliegt, wird auch kein Abrissbagger anrollen. „Dann müssten wir den verbliebenen Gebäudeteil aufwendig sichern, obwohl wir noch gar nicht wissen, ob und wann der Neubau genehmigt wird“, sagt Thal. Der Bodenspeicher weist mit Blick auf die Statik keine Probleme auf und soll saniert werden.

Mehr Erfahrung beim zweiten Speicher

Im ersten der beiden Speicher, am Hafenbecken gelegen, sollen circa 130 Wohnungen auf 13 Etagen entstehen. Im Erdgeschoss soll Gewerbe einziehen. Mit den Erfahrungen beim Umbau dort soll dann irgendwann später das zweite, elbnähere Gebäude angegangen werden.

Mit der Stadt wurde ein Durchführungsvertrag geschlossen. Dazu gehören auch Parkdecks mit 170 Stellplätzen sowie weiteren Parkmöglichkeiten und die Gestaltung der Außenanlagen. Außerdem soll ein kleiner Stadtplatz mit Spielplatz entstehen, der auch öffentlich genutzt werden kann.