Magdeburg l Fast schien es so, als ob die Gefahr des weiteren Kahlschlags durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in Magdeburg gebannt sei: Der letzte Wirtsbaum war im Juli 2017 entdeckt worden. Die über 260 Pheromonfallen, die überall in der 5700 Hektar großen Quarantänezone verteilt sind, blieben vorigen Sommer über leer. Der letzte lebende Käfer wurde 2016 gefangen.

Nun wurden allerdings am 10. und 15. August 2018 wieder zwei lebende männliche Exemplare in Fallen gefunden, wie Dr. Ursel Sperling auf Volksstimme-Anfrage erklärt. Sie arbeitet bei der für die Käferbekämpfung zuständigen Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG). Seit dem ersten Fund des aus Asien eingeschleppten Schädlings im August 2014 in Rothensee ist sie dabei. „Das bedeutet, dass es doch noch befallene Bäume gibt, die wir bislang trotz intensiver Suche noch nicht gefunden haben“, sagt sie.

Fundort im Wiesenpark und am See

Die beiden Fallen hingen im Wiesenpark in der Nähe der Ehle sowie am Ostufer des Neustädter Sees. In beiden Bereichen wurden in den Vorjahren bereits Wirtsbäume entdeckt und entsprechende Fällaktionen durchgeführt.

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Denn als einziges wirksames Mittel gegen den gefräßigen Käfer aus Fernost gilt der Entzug seiner Nahrung – die meisten Laubbäume. Deshalb werden alle potenziellen Wirtsbäume in einem 100-Meter-Radius um jeden Fundbaum vorsorglich gefällt. Der Verlust von über 10.000 Bäumen und Gehölzen im Nordosten Magdeburgs gehen daher bereits auf das Konto des ALB.

Kontrolle der Bäume in Magdeburg

Die Fällungen sind bei den neuen Funden noch nicht passiert, da die Suche nach ihnen noch läuft. Sie müssen sich im Umfeld von 150 Metern um die Falle mit dem Tier befinden, so weit reicht der Lockstoffcocktail. „Gegenwärtig sind unsere Inspektoren und Baumkletterer dabei, um die Standorte der aktuellen Fallenfänge herum erneut die Bäume zu kontrollieren, denn ein gefangener Käfer bedeutet, es muss doch noch ein Baum mit mindestens einem Ausbohrloch gefunden werden“, so Ursel Sperling. „Außerdem bereiten wir einen weiteren Einsatz von ALB-Spürhunden für den Herbst 2018 vor“, erklärt sie.

Die Lockstofffallen in Magdeburg werden seit Mai von zwei Baumkletterern regelmäßig kontrolliert. „Bedingt durch die hohen Temperaturen der letzten Monate mussten wir die Fallen wöchentlich einmal kontrollieren, die Kochsalzlösung regelmäßig nachfüllen – aber auch zerstörte Fallenkörper und Befestigungsmaterialien ersetzen“, berichtet Ursel Sperling.

Käfer fliegt bis Ende Oktober aus

„Die beiden Fänge passen zum zweijährigen Entwicklungszyklus des ALB, denn die letzten Fänge in den Lockstofffallen wurden 2016 gemacht“, erklärt Ursel Sperling weiter. Die aktuelle Flugzeit des Käfers dauert noch bis Ende Oktober.

Weitere Folgen der Funde: Die Quarantänezone, aus der u. a. kein Laubholz gebracht werden darf, erweitert sich um ca. 200 Meter nach Osten. Außerdem gelten die Quarantänemaßnahmen, wie die Kontrolle von 450.000 Bäumen, nun automatisch bis 2022 – vier Jahre nach dem letzten Fund.