Magdeburg l Eine weiße Plastiktüte hängt an einer Bushaltestelle in Magdeburg. Soweit, so unauffällig, bis ein aufmerksamer Passant einen Blick hinein wagt. Und der hätte sicherlich mit allem gerechnet, aber nicht mit zwei kleinen Schildkröten, die ihm neugierig ihre Köpfchen entgegenrecken.

Wie es eigentlich der Besitzer, der die beiden herzlos aussetzte, hätte tun sollen, brachte der Passant die herrenlosen Tiere ins Magdeburger Tierheim. „Wir haben das Männchen und das Weibchen natürlich sofort aufgenommen, versorgt und beim Umweltamt registriert. Denn Maurische Vier-Zehen-Landschildkröten wie diese darf man nur mit Papieren handeln und halten“, erzählt Tierheimleiter Andreas Reichardt.

Doch anstatt auf Besitzersuche zu gehen, beschloss das Team, den Kleinen selbst ein Zuhause zu geben: „Reptilien sind schwer zu vermitteln, da sich nur wenige Menschen für sie interessieren und spezielle Haltungsbedingungen gegeben sein müssen, die wir vorher eingängig prüfen“, so Andreas Reichardt.

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Wer nicht hört, braucht keinen Namen

Heute, etwa 25 Jahre später, lassen sich „die Schildkröten“ entspannt im Außengehege vor dem Bürogebäude die warmen Sonnenstrahlen auf den Panzer scheinen. „Namen hat das Pärchen nicht, da Schildkröten fast taub sind und man daher nicht über die Stimme mit ihnen kommunizieren kann wie etwa mit Hund oder Katze“, erklärt Andreas Reichardt. Auch namenlos geht es den Tierchen blendend und sie übernehmen sogar eine wichtige Aufgabe: „Jedes Jahr besuchen uns bis zu 50 Kindergarten-, Schulgruppen und Co., um etwas über Themen wie Tierhaltung zu lernen.

Leider treffen nicht alle unsere Hunde und Katzen gern auf so viele Menschen. Um ihnen den Kontakt trotzdem zu ermöglichen, sind die braven, langsamen Schildkröten perfekt. Niemand muss Angst haben und sie lassen sich problemlos hochnehmen“, weiß der Leiter. Genau deshalb gehören die goldigen Fundtiere laut der stellvertretenden Tierheimleiterin Anita Diedrich schon „zum Inventar“ und das hoffentlich noch sehr viele weitere Jahre.