Magdeburg l In Magdeburgs Untergrund rauscht es derzeit kräftig. Die Schneeschmelze bringt viel Wasser mit sich. Schafft die Kanalisation denn die ankommende „Schmelzflut“? Schließlich gab es so viel Schnee in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr.

Cornelia Kolberg, Sprecherin der Städtischen Werke Magdeburg, kann hier beruhigen. „Wir können derzeit sagen, dass unsere Kanalisation die Mengen schafft. Ja, es ist viel und es ist mehr als sonst, aber derzeit ist alles im grünen Bereich“, so die SWM-Sprecherin. Die Kanäle seien stark gefüllt, aber auch die Pumpwerke schaffen die Wassermengen. Zudem gebe es auch noch die Überläufe in die Elbe, die bei starkem Aufkommen das Kanalsystem entlasten. Auch im Klärwerk gebe es durch das viele ankommende Wasser keine Probleme.

Probleme hingegen gibt es einigen Stellen im Stadtgebiet mit den Straßeneinläufen. Die sind entweder noch unter Schneebergen begraben, oder verstopft. Die Stadt veröffentlichte deshalb bereits einen Aufruf. Der Winterdienst arbeite auch bei steigenden Temperaturen weiterhin auf Hochtouren. Damit sich aber bei dem Tauwetter möglichst nur wenige Pfützen auf Fahrbahnen sowie Rad- und Gehwegen bilden, sollte der Abfluss von Tauwasser über die Kanalisation kontinuierlich gewährleistet werden.

Hier bittet die Stadt auch um die Unterstützung von Anliegern: „Wer vielleicht ohnehin vor dem Haus Schnee schippt oder vereiste Gehwege streut, kann gern einen nahgelegenen Gully vom Schnee befreien. Damit können die Magdeburger mithelfen, dass der Abfluss von Tauwasser flächendeckend ermöglicht wird“, heißt es in dem Aufruf.

Eine Gefahr für Hochwasser sieht Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), derzeit für Magdeburg nicht. Gleichwohl die Entwicklung der Wasserstände ganz genau beobachtet werde, sei die Lage derzeit relativ ruhig. Die Elbe führt nach drei „mageren“ Jahren zwar mal wieder etwas mehr Wasser, doch die Pegelstände seien aktuell gleichbleibend, in den Tagen zuvor sogar sinkend. Und auch aus dem oberen Bereich der Elbe ist derzeit nicht mit großartig steigenden Pegelständen zu rechnen.

Einige positive Aspekte spielen aktuell zusammen: So kann der Boden noch viel Wasser aufnehmen. Unter der dicken Schneedecke der vergangenen Tage kam der Frost nicht tief in den Boden. Somit kann bereits viel Wasser einsickern. Angesichts der vergangenen drei Dürrejahren können sowohl der Bodenwasserhaushalt als auch das Grundwasser „Nachschub“ gut gebrauchen. „Es gibt beim Grundwasser noch immer ein Defizit“, sagt Burhard Henning. Die aktuelle Statistik des LHW zeigt das deutlich: Der Grundwasserstand liegt nach den Dürrejahren etwa 60 bis 70 Zentimeter unter dem mehrjährigen Vergleich. Und auch die Elbauen, die wie ein Schwamm wirken, können noch Wasser aufnehmen.

Da hilft auch das jetzige Schmelzwasser noch nicht, um die Grundwasserstände aufzufüllen. „Dafür könnten wir noch einmal so viel Schnee gebrauchen“, so Burkhard Henning. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Genauso wenig wie nach anhaltendem Regen. Meteorologen sagen auch für die nächsten Tage steigende Temperaturen und Sonnenschein voraus. Damit verdunstet auch wieder mehr Wasser.

Die einst weiße Pracht wird also offenbar relativ geräusch- und problemlos verschwinden.