Magdeburg l Hintergrund des Streits um den Standort für eine neue Grundschule in Magdeburg ist unter anderem die Ablehnung des Vorschlags der Verwaltung. Sie wollte für einen Grundschulneubau Kleingärten der Sparte Fort I wegreißen. Der Stadtrat lehnte das aber ab.

Für die Verwaltung befindet sich der Wunschstandort nun nicht mehr in Buckau, sondern im benachbarten Fermersleben. Es handelt sich dabei um ein Gelände an der Grenze der beiden Stadtteile, wo der Fermersleber Sportverein 1895 seinen Sitz hat.

Tennisplätze müssten weichen

Weichen müssten für den Schulneubau die Tennisplätze des Vereins. Dieser verfügt über keine eigene Tennisabteilung mehr und hat das Gelände an eine private Tennisschule vermietet. Einer Herauslösung des Geländes aus seinem Mietvertrag mit der Stadt Magdeburg habe der Verein seinerseits bereits zugestimmt, ist aus der Magdeburger Stadtverwaltung zu erfahren.

Der Platz war vom CDU-Stadtrat Frank Schuster während einer Sitzung des Bauausschusses ins Spiel gebracht worden. Der Vorteil des Geländes: Aufgrund der Nachbarschaft zum Sportverein könnte die Schule dessen Flächen mit nutzen. Daher fällt der Bedarf an Platz – statt 10.000 werden nur 6000 Quadratmeter benötigt – und Geldern, die investiert werden müssen, niedriger aus als bei den anderen Standorten, die bislang im Gespräch waren.

Alternative kostet mehr

Als ernsthafte Alternative war ein Gelände direkt neben der Grundschule an der Karl-Schmidt-Straße im Gespräch. Hier, so die Verwaltung, sei aber mit deutlich höheren Kosten zu rechnen.

Befürwortet hat diesen Vorschlag bereits der Jugendhilfeausschuss des Stadtrats – der Ausschuss für Bildung, Schule und Sport allerdings hat einen anderen Favoriten. Bei der Diskussion wurden mehrere Kritikpunkte am Schanzenweg deutlich: Zum Beispiel eine schlechte Verkehrserschließung: Der enge Schanzenweg, eine fehlende Querungsmöglichkeit für Schüler seien ein Sicherheitsproblem. Dieses zu beheben würde zusätzliches Geld kosten. Zweites Argument gegen den Standort: Er liegt weitab der Straßenzüge, in denen eine Grundschule benötigt würde.

Mehr Optionen an Karl-Schmidt-Straße

Die Mitglieder des Schulausschusses befürworteten stattdessen bei einer Enthaltung den Standort Karl-Schmidt-Straße. Hier könnte neben der bestehenden Grundschule ein weiteres Gelände genutzt werden – als eigenständige Schule oder zusammen für eine fünfzügige Grundschule Buckau.

Dies allerdings – so die Bedenken der Verwaltung – würde einiges mehr kosten: Zum einen handelt es sich im Gegensatz zum Sportplatz um kein städtisches Gelände. Die Kaufkosten werden auf knapp 250.000 Euro geschätzt. Weitere Zusatzkosten würde der Austausch von belastetem Boden bedeuten. Trotz Förderung müsste die Stadt knapp 190.000 bis knapp 472.000 Euro selber tragen.

Kindern Fußmarsch ersparen

Größter Brocken wären aber 2,5 Millionen Euro für neue Sportanlagen. Die an der bereits bestehenden Grundschule Buckau vorhandenen würden nämlich kaum ausreichen. Eine Alternative wäre der Fußmarsch der Klassen zum Gelände des Fermersleber Sportvereins – was aber angesichts der Strecke aus schulorganisatorischer Sicht laut Verwaltung problematisch sei.

Nicht weiter untersucht wurde ein weiterer Vorschlag, der die Klosterbergestraße im Blick hat. Hier hatte der Grundstückseigentümer kein Interesse, das Gelände an die Stadt zu veräußern. Das letzte Wort, wie die Planungen fortgeführt werden sollen, hat der Stadtrat am 13. Juni 2019.

Verfahren dauert etwa zwei Jahre

Falls der Stadtrat dem Vorschlag aus der Magdeburger Stadtverwaltung zustimmt, wird die Verwaltung ein Bebauungsplanverfahren für den Neubau der dreizügigen neuen Grundschule einleiten. Dies werde etwa zwei Jahre dauern. Zudem möchte die Verwaltung bei Land und Bund Fördermittel beantragen, „da sonst die Finanzierung nicht gesichert ist“.

Bei Neubauten gibt es aber nach wie vor vom Land Sachsen-Anhalt keine Fördergelder, was in den großen Städten, in denen die Sanierung bestehender Gebäude längst nicht mehr ausreicht und daher neu gebaut wird, gegenüber den ländlichen Regionen als Ungerechtigkeit empfunden wird. OB Lutz Trümper hatte immer wieder darauf verwiesen, dass das Land hier in der Pflicht sei, zumal es sich zumindest zu einem Teil auch um Folgekosten handelt, die durch den Zuzug von Flüchtlingen zu schultern seien.