Magdeburg l Unterwegs mitten in der Natur – und dann ein Notfall. Bislang ein Albtraum: Wie soll man am Handy den Mitarbeitern des Notrufs erklären, wohin genau sie die Rettungskräfte schicken sollen? Ringsum fehlen Straßenschilder oder markante Punkte – und daran, wo man als letztes abgebogen ist und wie weit man seitdem gekommen ist, erinnert man sich in dieser Situation ohnehin nicht mehr zuverlässig. Mit einer neuen Technik soll dieses Problem ab Sommer 2020 in Magdeburg behoben werden.

Zum Einsatz kommen soll die Advanced Mobile Location. Das System wird in mehreren Regionen Deutschlands bereits getestet und ist in Sachsen-Anhalt in der Leitstelle Harz bereits im Einsatz. Bei einem Notruf per Mobiltelefon werden künftig die Standortdaten automatisch an die Leitstelle übermittelt. Mit diesem Fortschritt der Technik haben sich die Bemühungen der vergangenen Jahre überholt, bereits vorhandene Systeme und Orientierungspunkte wie zum Beispiel die Deichkilometrierung, die über weite Strecken parallel zum Elberadweg verläuft, zur Ortung mit zu nutzen.

Zeit rettet Leben

Auch wenn in Magdeburg angesichts seiner städtischen Strukturen viele Menschen eher dort unterwegs sind, wo Straßenschilder und markante Gebäude eine Orientierung erleichtern – mit seinen ausgedehnten Parks und Waldgebieten östlich der Elbe finden sich auch in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt genügend Stellen, an denen jene ländlichen Bedingungen vorzufinden sind, an denen die Advanced Mobile Location ihre Stärken ausspielt. Und selbst mitten in der Stadt dürfte die Technik helfen: Eine telefonische Ortsbeschreibung durch den Anrufer bei der Leitstelle kostet auch im einfachsten Fall Zeit – und diese ist im Fall der Fälle wertvoll.

Ab Sommer 2020 kann die Leitstelle die Standortdaten der Anrufer von den Servern in Deutschland abrufen. Im Sommer des kommenden Jahres sollen die Informationen dann automatisch übertragen werden.

Notfalltafeln überholt

Unabhängig von der neuen Technik hatte die CDU-FDP-Ratsfraktion vorgeschlagen, die Parks und den Elberadweg mit Notfalltafeln auszustatten. Angesichts der Tatsache, dass kurzfristig das neue System eingeführt wird, bekam dieser Vorschlag im Bauausschuss keine Mehrheit. Das letzte Wort zu dieser analogen Alternative hat der Stadtrat.

Für die Nutzung von AML muss keine App installiert werden. Sowohl Android-Geräte mit dem Google Play Store als auch iPhones ab dem Betriebssystem iOS 13.3 übermitteln die Daten automatisch, sobald der Notruf gewählt wird. Übermittelt werden beim Anruf mehrmals die GPS-Daten, was im Gegensatz zur Funkzellenauswertung eine Lokalisierung auf wenige Meter genau ermöglicht.

Technik für alle 250 Leitstellen

Nach und nach soll die AML-Technik in allen rund 250 Rettungsleitstellen zum Einsatz kommen. Neben der Feuerwehr profitieren medizinische Notdienste und Polizei von dem System. In Belgien, den Niederlanden, Österreich und anderen europäischen Ländern ist AML bereits Standard. Unterstützt wird das System von den drei großen Mobilfunkanbietern in Deutschland sowie ihren Partnern, so dass nahezu alle neueren Smartphones eingebunden sind.

Übermittelt werden die Daten allein dann, wenn der Notruf gewählt wird. Nach einer Stunde werden die Informationen wieder gelöscht.